Deutsche Bank: Gewinn runter, Gehalt rauf

Deutsche Bank: Gewinn runter, Gehalt rauf

von Cornelius Welp

Die Deutsche Bank verdient wenig und zahlt ihren Vorstandschefs trotzdem deutlich mehr. Sieht so der viel beschworene Kulturwandel aus?

Die Kirch-Keule hat ein letztes Mal zugeschlagen. Der Vergleich mit den Erben des insolventen Medienunternehmers drückt das durch Rechtsstreitigkeiten und Abschreibungen auf Altlasten ohnehin bescheidene Ergebnis der Deutschen Bank wie erwartet noch einmal. Laut dem heute veröffentlichten Geschäftsbericht reduziert der Vergleich das Ergebnis nach Steuern um 400 Millionen auf knapp 700 Millionen. Dafür herrscht nun endlich Ruhe.
Die wird es bei einem anderen Reizthema auf absehbare Zeit nicht geben. An ihrem Vergütungssystem schraubt die Bank seit Jahren herum - teils aus eigener Einsicht, teils auf Druck von Aufsicht und Gesetzgeber. Mehr Nachvollziehbarkeit und Transparenz hat all das nicht gebracht, im Gegenteil.

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Haben die Banker bewusst getrickst, um ihren Leuten wieder fette Boni zu sichern? Quelle: dpa

Das schwache Ergebnis der Bank 2013 liegt nur unwesentlich über dem noch schwächeren des Jahres 2012. Selbst Aufsichtsratschef Paul Achleitner hält es für wenig zufriedenstellend. Das schlägt sich aber nicht in der Höhe der Vorstandsvergütung wider. So verdiente der gesamte Vorstand der Deutschen Bank mit 38,5 Millionen Euro gut zwölf Millionen Euro und damit 40 Prozent mehr als 2012. Die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen bekamen jeweils 7,5 Millionen Euro. Das sind pro Nase gut 2,5 Millionen Euro mehr als 2012. Und mehr als der deutsche Durchschnittskonzernchef, der 2013 5,3 Millionen verdiente.

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Die Bank begründet das Auseinanderfallen von Unternehmensleistung und persönlichem Ertrag wenig überzeugend damit, dass Jain und Fitschen 2012 nur etwas mehr als ein halbes Jahr an der Spitze standen. Und überzeugender damit, dass sie ihre Vergütung nun langfristiger ausrichtet. Faktoren wie die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit sollen heute ebenfalls eine Rolle spielen. Wie sich das im Detail ausgewirkt hat, bleibt trotz aller Tabellen und Schaubilder erst mal unklar. Ebenso ob die Kunden und Mitarbeiter Jains und Fitschens 2013 jeweils genau gleich zufrieden waren, weil sie exakt das Gleiche kassierten. So bleibt für das abgelaufene Jahr die Erkenntnis, dass ein maues Ergebnis das persönliche Einkommen nicht vermasselt. Das ist die Schattenseite der neuen Boni-Regeln. Und sicher nicht das, was sich Leute außerhalb der Banktürme unter Kulturwandel vorstellen.

Auch ihre "sehr gut leistenden Mitarbeiter" unterhalb des Vorstands will die Bank weiter gut versorgen. Zwar blieb die Gesamthöhe der variablen Vergütung mit 3,2 Milliarden Euro konstant. Allerdings will die Bank wie erwartet bei der Hauptversammlung durchsetzen, dass die Boni ihrer Banker auch künftig doppelt so hoch sein dürfen wie das Fixgehalt. Das ist gesetzlich so vorgesehen und das werden andere Großbanken genauso machen. Und außerdem die Festgehälter weiter erhöhen. So erhielten die rund 1000 besonders wichtigen Investmentbanker insgesamt Fixgehälter von 324 Millionen Euro und Boni von 1,1 Milliarden Euro. Die Bank wird schon sicher stellen, dass sie künftig nicht zu kurz kommen.

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