Deutsche Bank: Institut droht neuer Ärger bei Kirch-Vergleich und Libor

Deutsche Bank: Institut droht neuer Ärger bei Kirch-Vergleich und Libor

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Öffentliche Kritik an Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain: Den Bankern wird vorgeworfen, mit Falschaussagen vor Gericht versucht zu haben, Schadenersatzzahlungen für die Kirch-Pleite zu verhindern.

Die Deutsche Bank gerät wegen des Vergleichs mit den Erben des Medienunternehmers Kirch ins Visier der Justiz. Auch die Bafin wirft dem Geldhaus im Skandal um manipulierte Referenzzinssätze Versäumnisse vor.

Der Deutschen Bank droht neuer Ärger in Sachen Kirch: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Millionen-Vergleichs der Bank mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch eingeleitet. Es gehe um den Vorwurf der Untreue, bestätigte eine Sprecherin der Behörde am Freitag einen Bericht der „Stuttgarter Zeitung“. Auslöser sei eine Strafanzeige eines Aktionärs, das Verfahren befinde sich in einem sehr frühen Stadium. Ein Sprecher der Bank erklärte: „Die Deutsche Bank kooperiert vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft.“

Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen um eine Verantwortung der Bank für die Pleite des Kirch-Medienkonzerns 2002 hatte sich das Institut im Februar 2014 mit den Kirch-Erben auf die Zahlung von 925 Millionen Euro geeinigt.

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Aktionäre kritisierten dies, schließlich hatte die Bank stets ihre Unschuld in diesem Fall betont.

Stimmen zum Chefwechsel bei der Deutschen Bank

  • Paul Achleitner

    „Ihre Entscheidung, ihr Amt früher als geplant niederzulegen, zeigt auf eine beeindruckende Weise ihre Einstellung, die Interessen der Bank vor ihre eigenen zu stellen.“

  • Wall Street Journal

    „Die neue Spitze der Deutschen Bank steht weiter vor einer existenziellen Frage. Ein neuer Chef wird möglicherweise nicht ausreichen, um das strategische Dilemma zu beenden. Jains Nachfolger John Cryan, ein ehemaliger Investmentbanker aus dem Aufsichtsrat, kann zwar frischen Wind in die bevorstehenden Aufgaben bringen, aber wenig mehr. In vielerlei Hinsicht sind seine Hände gebunden.“

  • New York Times

    „Als Außenstehender ist John Cryan unbefleckt von den rechtlichen Problemen, die den Ergebnissen der Deutschen Bank und ihrem Ruf schaden. Anshu Jain musste sich der Frage stellen, ob jemand, der dem Investmentbanking so nahe steht, der Richtige sein kann, um mit den Vorwürfen aufzuräumen. Die meisten Anschuldigungen richten sich gegen das Investmentbanking, das Jain führte, bevor er Vorstandschef wurde.“

  • Forbes

    „John Cryans erste Aufgabe wird es sein, eine neue Strategie zu finden. Die Deutsche Bank braucht eine radikale Operation – wahrscheinlich eine Aufspaltung. Cryan hat sicherlich den Hintergrund und die Erfahrung für diese Herausforderung. Aber die Aktionäre werden nicht viel Geduld haben. Um ihr Vertrauen wieder herzustellen, muss Cryan schnell und richtig handeln.

  • Neue Zürcher Zeitung

    „Endlich, ist man geneigt zu sagen, denn die alte Garde der Bank wirkte von Anfang an wenig geeignet für einen echten Neuanfang nach den Wirren der Finanzkrise. Besonders Jain steht für genau jene Kultur, die der Bank wegen dubioser Machenschaften ihrer Mitarbeiter rund um den Globus Bussen in Milliardenhöhe seitens der Aufsichtsbehörden eingebrockt hat und die letztlich das Ansehen der einst so stolzen 'Deutschen' – wie das Finanzinstitut in der angelsächsischen Welt, wo die Konkurrenz sitzt, genannt wird – ramponiert hat.“

  • Union Investment

    „Der Aufsichtsrat zieht die Konsequenzen aus dem Abstimmungsdesaster auf der Hauptversammlung. Die Entscheidung für John Cryan kommt nicht überraschend.“

  • DSW

    „Die finanziellen Kennzahlen und der Aktienkurs haben sich weit von den Zielen der Bank entfernt. Die Deutsche Bank hat nach Angaben der Behörden die Ermittlungen im Libor-Skandal behindert und auch der jüngste Geldwäscheskandal in Russland zeigt, dass der Kulturwandel nicht vorankommt." Es ist daher nur konsequent, dass es jetzt einen Wechsel an der Spitze gibt.“

  • Hermes (Aktionärsberater)

    „Wir begrüßen die Reaktion des Aufsichtsrats zeitnah zur Hauptversammlung. Um die großen Herausforderungen der Bank in den Griff zu bekommen, war ein wirklicher Neuanfang unausweichlich.“

  • UBS

    „Der designierte neue Vorstandschef des Geldinstituts, John Cryan, verfügt über eine gute Reputation. Der Markt reagiert positiv. Zumindest teilweise können die Ziele der neuen Strategie 2020 nun eingepreist werden, was bisher wegen des mangelnden Vertrauens in das bisherige Führungsduo nicht der Fall gewesen ist.“

  • Goldman Sachs

    „Insgesamt rechnen wir damit, dass der Markt die Ankündigung zunächst zwar positiv aufnimmt, allerdings nur kurzfristig. Denn die zentralen Herausforderungen bei Deutschlands größter Bank sind struktureller Natur. Das grundlegende Problem ist die fehlende Basis zur Generierung höherer Renditen. Wegen der mangelnden Möglichkeiten für strategische Veränderungen bevorzugen wir weiter die Aktie der britischen Bank Barclays sowie die der Schweizer Banken Credit Suisse und UBS.“

  • Gerhard Schick, Grüne

    „Die bisherigen Chefs sind zu stark mit den alten Problemen verbunden. Der neue Vorstand muss jetzt aufräumen, vor allem im Investmentbanking, wo das teilweise kriminelle Verhalten strukturell bedingt war.“

  • Dietmar Bartsch, Linke

    Mit dem Stühlerücken an der Konzernspitze ist es nicht getan. Der Nachfolger wird kaum anders agieren als die alten Chefs. Große Finanzkonzerne können wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung die Politik erpressen, um am Ende auch mit Steuerzahlergeld gerettet zu werden. Wir brauchen eine Stärkung von Sparkassen und Volksbanken, und nicht von Großbanken.“

Bei der Hauptversammlung im Mai 2015 warf Bank-Kritiker Michael Bohndorf dem Vorstand - namentlich Co-Chef Jürgen Fitschen - vor, er habe „offenbar wider besseres Wissen diesen Vergleich für die Bank geschlossen“.

Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben der Sprecherin den Text des Vergleichs von der Bank erhalten. Zusätzlich will die Behörde Akten aus dem Zivilverfahren zwischen Bank und Kirch-Erben einsehen. Das kann allerdings dauern, da dieses Material durch den laufenden Strafprozess in München gebunden ist. Dort sind vor dem Landgericht Fitschen und vier ehemalige Topmanager der Deutschen Bank angeklagt. Der Vorwurf: Die Banker sollen mit Falschaussagen vor Gericht versucht haben, Schadenersatzzahlungen für die Kirch-Pleite zu verhindern. Die Angeklagten haben diese Vorwürfe zurückgewiesen.

Auch die Finanzaufsicht Bafin wirft der Deutschen Bank im Skandal um die Manipulation von Referenzzinsätzen einem Insider zufolge schwere Versäumnisse vor. In ihrem Abschlussbericht kritisiert die Behörde unter anderem organisatorische Mängel und unzureichende Kontrollen bei Deutschlands größtem Geldhaus, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Freitag. Zudem werde dem Institut eine schleppende Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Vorstände der Bank seien nicht direkt in die Manipulation von Referenzzinsätzen wie dem Libor verwickelt gewesen, jedoch für die strukturellen Mängel bei der Bank verantwortlich. Die Deutsche Bank wollte sich dazu nicht äußern.

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Kritisiert werden in dem Bericht dem Insider zufolge unter anderem der scheidende Co-Chef Anshu Jain, Personalvorstand Stephan Leithner, der ehemalige Vorstandschef Josef Ackermann sowie Ex-Vorstand Hermann-Josef Lamberti. Von den vier Managern war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Über die Vorwürfe gegen sie hatte zuerst der "Spiegel" berichtet.

Dem Insider zufolge brachte Bafin-Chef Felix Hufeld seine Kritik an dem Geldhaus auch in einem Gespräch mit Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner zum Ausdruck. Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte jedoch, es sei kategorisch falsch zu behaupten, Jain und Fitschen hätten sich wegen des Drucks von den Aufsichtsbehörden zum Rückzug entschlossen.

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