Deutsche Bank: John Cryan schiebt neue Strategie an

Deutsche Bank: John Cryan schiebt neue Strategie an

Bei der Deutschen Bank nimmt die "Strategie 2020" Gestalt an. Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan will schon in der kommenden Wochen bekannt geben, was das Geldinstitut in Sachen Schrumpfkur angehen wird.

Bei der Deutschen Bank nimmt die neue "Strategie 2020" Gestalt an. Der seit drei Wochen amtierende Vorstandschef John Cryan werde den Aufsichtsrat kommende Woche über die bisherigen Überlegungen informieren, sagte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Dabei gehe es voraussichtlich um den Rückzug aus sechs Ländern, um die beschlossene Schrumpfkur umzusetzen. Dazu zählten Staaten wie Peru, die keine strategische Bedeutung für den Konzern hätten. Die Präsenz in Europa zu verringern, sei dagegen derzeit kein Thema. Außerdem solle der Aufsichtsrat den weiteren Zeitplan für den Postbank-Verkauf über die Börse diskutieren.

Stimmen zum Chefwechsel bei der Deutschen Bank

  • Paul Achleitner

    „Ihre Entscheidung, ihr Amt früher als geplant niederzulegen, zeigt auf eine beeindruckende Weise ihre Einstellung, die Interessen der Bank vor ihre eigenen zu stellen.“

  • Wall Street Journal

    „Die neue Spitze der Deutschen Bank steht weiter vor einer existenziellen Frage. Ein neuer Chef wird möglicherweise nicht ausreichen, um das strategische Dilemma zu beenden. Jains Nachfolger John Cryan, ein ehemaliger Investmentbanker aus dem Aufsichtsrat, kann zwar frischen Wind in die bevorstehenden Aufgaben bringen, aber wenig mehr. In vielerlei Hinsicht sind seine Hände gebunden.“

  • New York Times

    „Als Außenstehender ist John Cryan unbefleckt von den rechtlichen Problemen, die den Ergebnissen der Deutschen Bank und ihrem Ruf schaden. Anshu Jain musste sich der Frage stellen, ob jemand, der dem Investmentbanking so nahe steht, der Richtige sein kann, um mit den Vorwürfen aufzuräumen. Die meisten Anschuldigungen richten sich gegen das Investmentbanking, das Jain führte, bevor er Vorstandschef wurde.“

  • Forbes

    „John Cryans erste Aufgabe wird es sein, eine neue Strategie zu finden. Die Deutsche Bank braucht eine radikale Operation – wahrscheinlich eine Aufspaltung. Cryan hat sicherlich den Hintergrund und die Erfahrung für diese Herausforderung. Aber die Aktionäre werden nicht viel Geduld haben. Um ihr Vertrauen wieder herzustellen, muss Cryan schnell und richtig handeln.

  • Neue Zürcher Zeitung

    „Endlich, ist man geneigt zu sagen, denn die alte Garde der Bank wirkte von Anfang an wenig geeignet für einen echten Neuanfang nach den Wirren der Finanzkrise. Besonders Jain steht für genau jene Kultur, die der Bank wegen dubioser Machenschaften ihrer Mitarbeiter rund um den Globus Bussen in Milliardenhöhe seitens der Aufsichtsbehörden eingebrockt hat und die letztlich das Ansehen der einst so stolzen 'Deutschen' – wie das Finanzinstitut in der angelsächsischen Welt, wo die Konkurrenz sitzt, genannt wird – ramponiert hat.“

  • Union Investment

    „Der Aufsichtsrat zieht die Konsequenzen aus dem Abstimmungsdesaster auf der Hauptversammlung. Die Entscheidung für John Cryan kommt nicht überraschend.“

  • DSW

    „Die finanziellen Kennzahlen und der Aktienkurs haben sich weit von den Zielen der Bank entfernt. Die Deutsche Bank hat nach Angaben der Behörden die Ermittlungen im Libor-Skandal behindert und auch der jüngste Geldwäscheskandal in Russland zeigt, dass der Kulturwandel nicht vorankommt." Es ist daher nur konsequent, dass es jetzt einen Wechsel an der Spitze gibt.“

  • Hermes (Aktionärsberater)

    „Wir begrüßen die Reaktion des Aufsichtsrats zeitnah zur Hauptversammlung. Um die großen Herausforderungen der Bank in den Griff zu bekommen, war ein wirklicher Neuanfang unausweichlich.“

  • UBS

    „Der designierte neue Vorstandschef des Geldinstituts, John Cryan, verfügt über eine gute Reputation. Der Markt reagiert positiv. Zumindest teilweise können die Ziele der neuen Strategie 2020 nun eingepreist werden, was bisher wegen des mangelnden Vertrauens in das bisherige Führungsduo nicht der Fall gewesen ist.“

  • Goldman Sachs

    „Insgesamt rechnen wir damit, dass der Markt die Ankündigung zunächst zwar positiv aufnimmt, allerdings nur kurzfristig. Denn die zentralen Herausforderungen bei Deutschlands größter Bank sind struktureller Natur. Das grundlegende Problem ist die fehlende Basis zur Generierung höherer Renditen. Wegen der mangelnden Möglichkeiten für strategische Veränderungen bevorzugen wir weiter die Aktie der britischen Bank Barclays sowie die der Schweizer Banken Credit Suisse und UBS.“

  • Gerhard Schick, Grüne

    „Die bisherigen Chefs sind zu stark mit den alten Problemen verbunden. Der neue Vorstand muss jetzt aufräumen, vor allem im Investmentbanking, wo das teilweise kriminelle Verhalten strukturell bedingt war.“

  • Dietmar Bartsch, Linke

    Mit dem Stühlerücken an der Konzernspitze ist es nicht getan. Der Nachfolger wird kaum anders agieren als die alten Chefs. Große Finanzkonzerne können wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung die Politik erpressen, um am Ende auch mit Steuerzahlergeld gerettet zu werden. Wir brauchen eine Stärkung von Sparkassen und Volksbanken, und nicht von Großbanken.“

Die Aufseher kommen am 30. Juli in New York zu einer regulären Sitzung zusammen, bei der es auch um die Zahlen des zweiten Quartals gehen wird. Cryan, der die letzten zwei Jahre selbst im Aufsichtsrat saß und Anfang Juli überraschend Co-Vorstandschef Anshu Jain ablöste, wird vor dem Gremium nun erstmals in neuer Funktion auftreten. Das Strategie-Update unter Tagesordnungspunkt 5.3 spielt dabei eine besonders wichtige Rolle. Cryan werde aber nur einen Zwischenstand geben können, betonte der Insider. Konzernweit brüteten viele Arbeitsgruppen noch an Details - insbesondere zum erwarteten Stellenabbau, der nach den bisherigen Plänen vor allem das Privatkundengeschäft treffen dürfte. Hier wolle man die Zahl der Kündigungen mit Abfindungsangeboten und Vorruhestandsregelungen möglichst gering halten.

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Deutsche Bank Wie John Cryan die Deutsche Bank retten soll

Mit John Cryan versucht die Deutsche Bank den Neuanfang. Doch die Unsicherheiten über den Ausgang der zahlreichen Prozesse und über den künftigen Kurs bleiben. Jetzt geht es um nichts weniger als die Zukunft der Bank.

Der neue Deutsche Bank-Chef John Cryan. Quelle: imago, Montage

Die Deutsche Bank wollte sich zum Thema Aufsichtsratssitzung nicht äußern. Offiziell hat sich Cryan - der einen Ruf als harter Sanierer genießt - Zeit bis Ende Oktober ausbedungen, um der Öffentlichkeit Details der neuen Strategie mitzuteilen.

Die großen Linien der Neuaufstellung hatte das Institut bereits Ende April kommuniziert: Die Postbank soll abgestoßen und das verbleibende "blaue" Filialgeschäft deutlich gestrafft werden. Von den 700 Deutsche-Bank-Filialen in Deutschland werden demnach bis 2017 nur noch 500 übrig bleiben. Auch die Investmentbank soll etwas abspecken, aber schlagkräftig bleiben. Zur geographischen Ausrichtung hieß es bislang nur, Deutschlands größtes Geldhaus wolle sich aus bis zu zehn Ländern ganz oder zum Teil zurückziehen. Mit der Schrumpfkur hofft das Institut, rentabler zu werden und die strengeren Kapitalanforderungen der Regulierer besser erfüllen zu können

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