Deutsche Bank: John Cryans riskanter Radikalumbau

AnalyseDeutsche Bank: John Cryans riskanter Radikalumbau

von Cornelius Welp

Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan baut das Institut radikal um und tauscht große Teile der Führung aus. Das geht sicher in die richtige Richtung, kann die Bank aber auch überfordern.

Anshu Jain hat seinen Posten als Co-Chef der Deutschen Bank im Juni auch deshalb verloren, weil er nicht entschlossen genug mit der Vergangenheit brach. Das zumindest wird man seinem Nachfolger John Cryan nun sicher nie vorwerfen. Selten hat ein Vorstandsvorsitzender innerhalb kürzester Zeit so radikal aufgeräumt und umgebaut wie der neue Chef der Deutschen Bank. Für ziemlich genau hundert Tage herrschte nach dem Machtwechsel fast komplette Ruhe. Dann legte Cryan los.

Als erstes ließ er verkünden, dass die Bank wegen mannigfacher Abschreibungen wohl das schlechteste Quartalsergebnis ihrer Geschichte erzielen werde. Nur wenige Tage später lässt Cryan nun ein weiteres Stück des Vorhangs fallen, der die neue Deutsche Bank verhüllt. Und was dahinter zum Vorschein kommt, sieht in der Tat deutlich anders aus als das bisherige Institut.

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Stimmen zum Chefwechsel bei der Deutschen Bank

  • Paul Achleitner

    „Ihre Entscheidung, ihr Amt früher als geplant niederzulegen, zeigt auf eine beeindruckende Weise ihre Einstellung, die Interessen der Bank vor ihre eigenen zu stellen.“

  • Wall Street Journal

    „Die neue Spitze der Deutschen Bank steht weiter vor einer existenziellen Frage. Ein neuer Chef wird möglicherweise nicht ausreichen, um das strategische Dilemma zu beenden. Jains Nachfolger John Cryan, ein ehemaliger Investmentbanker aus dem Aufsichtsrat, kann zwar frischen Wind in die bevorstehenden Aufgaben bringen, aber wenig mehr. In vielerlei Hinsicht sind seine Hände gebunden.“

  • New York Times

    „Als Außenstehender ist John Cryan unbefleckt von den rechtlichen Problemen, die den Ergebnissen der Deutschen Bank und ihrem Ruf schaden. Anshu Jain musste sich der Frage stellen, ob jemand, der dem Investmentbanking so nahe steht, der Richtige sein kann, um mit den Vorwürfen aufzuräumen. Die meisten Anschuldigungen richten sich gegen das Investmentbanking, das Jain führte, bevor er Vorstandschef wurde.“

  • Forbes

    „John Cryans erste Aufgabe wird es sein, eine neue Strategie zu finden. Die Deutsche Bank braucht eine radikale Operation – wahrscheinlich eine Aufspaltung. Cryan hat sicherlich den Hintergrund und die Erfahrung für diese Herausforderung. Aber die Aktionäre werden nicht viel Geduld haben. Um ihr Vertrauen wieder herzustellen, muss Cryan schnell und richtig handeln.

  • Neue Zürcher Zeitung

    „Endlich, ist man geneigt zu sagen, denn die alte Garde der Bank wirkte von Anfang an wenig geeignet für einen echten Neuanfang nach den Wirren der Finanzkrise. Besonders Jain steht für genau jene Kultur, die der Bank wegen dubioser Machenschaften ihrer Mitarbeiter rund um den Globus Bussen in Milliardenhöhe seitens der Aufsichtsbehörden eingebrockt hat und die letztlich das Ansehen der einst so stolzen 'Deutschen' – wie das Finanzinstitut in der angelsächsischen Welt, wo die Konkurrenz sitzt, genannt wird – ramponiert hat.“

  • Union Investment

    „Der Aufsichtsrat zieht die Konsequenzen aus dem Abstimmungsdesaster auf der Hauptversammlung. Die Entscheidung für John Cryan kommt nicht überraschend.“

  • DSW

    „Die finanziellen Kennzahlen und der Aktienkurs haben sich weit von den Zielen der Bank entfernt. Die Deutsche Bank hat nach Angaben der Behörden die Ermittlungen im Libor-Skandal behindert und auch der jüngste Geldwäscheskandal in Russland zeigt, dass der Kulturwandel nicht vorankommt." Es ist daher nur konsequent, dass es jetzt einen Wechsel an der Spitze gibt.“

  • Hermes (Aktionärsberater)

    „Wir begrüßen die Reaktion des Aufsichtsrats zeitnah zur Hauptversammlung. Um die großen Herausforderungen der Bank in den Griff zu bekommen, war ein wirklicher Neuanfang unausweichlich.“

  • UBS

    „Der designierte neue Vorstandschef des Geldinstituts, John Cryan, verfügt über eine gute Reputation. Der Markt reagiert positiv. Zumindest teilweise können die Ziele der neuen Strategie 2020 nun eingepreist werden, was bisher wegen des mangelnden Vertrauens in das bisherige Führungsduo nicht der Fall gewesen ist.“

  • Goldman Sachs

    „Insgesamt rechnen wir damit, dass der Markt die Ankündigung zunächst zwar positiv aufnimmt, allerdings nur kurzfristig. Denn die zentralen Herausforderungen bei Deutschlands größter Bank sind struktureller Natur. Das grundlegende Problem ist die fehlende Basis zur Generierung höherer Renditen. Wegen der mangelnden Möglichkeiten für strategische Veränderungen bevorzugen wir weiter die Aktie der britischen Bank Barclays sowie die der Schweizer Banken Credit Suisse und UBS.“

  • Gerhard Schick, Grüne

    „Die bisherigen Chefs sind zu stark mit den alten Problemen verbunden. Der neue Vorstand muss jetzt aufräumen, vor allem im Investmentbanking, wo das teilweise kriminelle Verhalten strukturell bedingt war.“

  • Dietmar Bartsch, Linke

    Mit dem Stühlerücken an der Konzernspitze ist es nicht getan. Der Nachfolger wird kaum anders agieren als die alten Chefs. Große Finanzkonzerne können wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung die Politik erpressen, um am Ende auch mit Steuerzahlergeld gerettet zu werden. Wir brauchen eine Stärkung von Sparkassen und Volksbanken, und nicht von Großbanken.“


So setzt Cryan schon personell auf einen umfassenden Neuanfang. Nahezu alle Topmanager, die ein Bericht der Bafin auch nur entfernt belastet hat, werden die Bank verlassen. Zu ihnen zählen mit dem Leiter der Vermögensverwaltung Michele Faissola und dem Investmentbanker Colin Fan einige der engsten Vertrauten Jains, aber auch langjährig etablierte Repräsentanten der Bank wie der Personalvorstand Stephan Leithner.

Deutsche Bank So radikal baut die Deutsche Bank den Vorstand um

Bei einer außerordentlichen Sitzung hat der Aufsichtsrat der Deutschen Bank beschlossen, seine Konzernsparten neu aufzuteilen und den Vorstand umzubauen. Ein krasser Schritt.

huGO-BildID: 50301434 ARCHIV - Die Zwillingstürme der Zentrale der Deutschen Bank ragen am 09.06.2015 in Frankfurt am Main (Hessen) in die Höhe. Foto: Arne Dedert/dpa (zu dpa: "Grundlegender Konzernumbau bei der Deutschen Bank" vom 18.10.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Cryan hatte bereits angekündigt, die Bank deutlich vereinfachen zu wollen. Dafür gibt er der Bank eine neue Führungsstruktur und schafft das unter Josef Ackermann eingesetzte und zuletzt personell aufgeblähte Group Executive Comittee als zweites Entscheidungsgremium neben dem Vorstand ab. In letzteren ziehen perspektivisch sogar zwei Frauen ein.

Noch wichtiger als die Personalien sind jedoch die strukturellen Neuordnungen des Geschäfts. Die Betreuung sehr reicher Privatkunden ist künftig kein Teil der Vermögensverwaltung mehr, sondern gehört zum regulären Privatkundengeschäft.

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