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Kommentar Deutsche Bank: Josef Ackermann kann ruhig gehen

von Cornelius Welp

Die letzte Quartalsbilanz des Chefs der Deutschen Bank fällt schlechter aus als erwartet. Dennoch kann sich der Schweizer bestätigt fühlen.

Josef Ackermann - Meilensteine einer Karriere

Bereits vor den Ergebnissen des ersten Quartals 2012 hatte Josef Ackermann enttäuscht - und zwar mit der Jahresbilanz 2011. Im Gesamtjahr 2011 verdiente das Geldinstitut nur 5,4 Milliarden Euro. Dank einer Steuergutschrift stand zum unter dem Strich ein Gewinn von 147 (Vorjahr: 601) Millionen Euro in den Büchern. Damit verfehlte die Bank die Prognosen deutlich. Nichtsdestotrotz: Der scheidende Deutsche-Bank-Chef kann auf eine imposante Karriere zurückblicken.

Bild: dpa

Sind die heute vorgelegten Quartalszahlen der Deutschen Bank nun die letzten des scheidenden Institutslenkers Josef Ackermann oder die ersten unter der neuen Führung Anshu Jain und Jürgen Fitschen? Formal ist Ackermann noch im Amt, doch aus dem Tagesgeschäft hält er sich zunehmend zurück. Und die künftige Strategie baldowern derzeit seine Nachfolger aus. Das Gesamtjahr haben sie voll zu verantworten. Ackermann hat seine eigentliche Abschiedsbilanz für das Jahr 2011 vorgelegt. Da sollte die Deutsche Bank zehn Milliarden Euro Gewinn machen. Das Ziel hat sie wegen der Schuldenkrise deutlich verfehlt.

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Dennoch zeigen auch die heutigen Zahlen, dass Ackermanns Strategie der vergangenen Jahre im Grunde richtig war – auch wenn sie deutlich schlechter ausgefallen sind als von Analysten erwartet. Ackermann hat mit Zukäufen wie der Postbank auf einen ausgewogeneren Ertragsmix gesetzt. Mit fast 80 Prozent Beitrag zum gesamten Vorsteuergewinn hat das Investmentbanking in den ersten drei Monaten wie selten dominiert, dagegen schnitten Bereiche wie das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung deutlich schlechter ab als zuletzt. Im letzten Halbjahr 2011 war es allerdings umgekehrt und so scheint die Deutsche Bank insgesamt gut gerüstet für die kommenden Jahre. Selbst die der Deutschen Bank traditionell skeptisch gegenüber stehenden Analysten des Konkurrenten J.P.Morgan sehen in dem Institut einen „langfristigen Gewinner“ im Wettbewerb der europäischen Investmentbanken.

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Gleichzeitig werden aber auch die strukturellen Defizite deutlich, die seit langem bekannt sind, aber über Jahre nicht entschlossen angegangen worden sind. Allen voran die institutionelle Vermögensverwaltung, die seit Jahren enttäuscht. Hier will die Deutsche Bank nun große Teile ihres Geschäfts verkaufen und den Rest umstrukturieren. Zudem bleiben immer noch Zweifel an der Kapitalausstattung. Während andere Banken ihre Bilanzsumme deutlich reduzieren, bleibt sie bei der Deutschen Bank gleich. Zudem könnten sich die nun verbuchten Kosten von rund 200 Millionen Euro für Rechtsstreitigkeiten könnten in den kommenden Monaten vervielfachen. Bei einem weiteren heftig umstrittenen Punkt gibt es dagegen kleine Fortschritte. Ein durchschnittlicher Investmentbanker erwirtschaftete im ersten Quartal 421.000 Euro und damit kaum weniger als im Jahr zuvor, sein Gehalt lag in diesem Zeitraum mit 108.000 Euro aber deutlich niedriger – ein Effekt des neuen Vergütungssystems, das für mehr Vernunft sorgen soll.

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