Deutsche Bank: Leistung, die Leiden schafft

Deutsche Bank: Leistung, die Leiden schafft

, aktualisiert 01. Dezember 2011, 17:24 Uhr
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Ein Gebäude der Deutschen Bank spiegelt sich in Frankfurt am Main in einem zerbrochenen Spiegel: Der jüngste Prozess sorgt für Risse im Bild des Geldinstituts.

von Oliver Stock und Hannes VogelQuelle:Handelsblatt Online

Die Deutsche Bank muss erneut einem Mittelständler wegen schlechter Beratung Schadensersatz zahlen. Bei der Urteilsbegründung übt das Gericht scharfe Kritik an dem deutschen Branchenführer.

DüsseldorfDie Deutsche Bank ist zum zweiten Mal in einem sogenannten „Zinsswap“-Fall von einem mittelständischen Unternehmen erfolgreich auf Schadensersatz verklagt worden, weil sie die Firma schlecht beraten hat. Die Folge: Die Bank muss zwei Millionen Euro Schadenersatz an die Firma Teamtechnik zahlen, einem mittelständischen Maschinenbauer aus Baden-Württemberg.

Das Oberlandesgericht Stuttgart, dessen Urteil jetzt gültig geworden ist, sparte in seiner Begründung nicht an Kritik an dem deutschen Branchenführer: Von einem "Glücksspiel, das die Parteien mit ungleichen Mittel spielen" und vom „unfair zulasten des Kunden strukturierten Produkt“ ist genauso die Rede, wie vom „Missbrauch des Vertrauens“ und vom „vorsätzlichen Handeln“.

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Die Richter stützten ihre Entscheidung auf eine mehr als zwei Stunden dauernde Befragung eines Mitarbeiters aus der Strukturierungsabteilung der Deutschen Bank. Dieser sagte umfassend über die Funktionsweise und Bewertung von sogenannten Swaps aus. Dabei handelt es sich in diesem Fall um eine Wette auf die Entwicklung eines Zinses, die die Bank mit ihrem Kunden abschließt. Was sie dabei aber nicht ausreichend erwähnte, so befanden es die Richter, war die Tatsache, dass das Risiko des Kunden, die Wette zu verlieren erheblich höher war als das Risiko der Bank. Die Stuttgarter Richter hatten deswegen der Bank und insbesondere der Investmentsparte harte Worte ins Stammbuch geschrieben.

Bankchef Josef Ackermann selbst hatte in einer Fernsehsendung das Urteil zunächst kritisiert. Er sagte, dass man nach vielen Erfolgen vor diversen Gerichten diesen Prozess „offenbar noch nicht“ gewonnen habe. Die Bank reichte eine gegen das Urteil gerichtete Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof ein.

Dann allerdings urteilten die höchsten Richter im März dieses Jahres in einem ähnlich gelagerten Fall ebenfalls gegen die Deutsche Bank. Seither versucht die Bank alle „Zinsswap“-Fälle friedlich zu lösen, ohne dass die Parteien vor dem Richter landen. Sie zog deswegen auch die Nichtszulassungsbeschwerde zurück. Da sich das Management des Maschinenbauers Teamtechnik aber nicht auf einen Vergleich einlassen wollte, gilt jetzt das Urteil des Stuttgarter Oberlandesgerichts, und die Bank muss zahlen.

Ein Sprecher der Deutschen Bank nannte das dennoch eine „einvernehmliche Lösung“. Der Anwalt der Kläger, Jochen Weck, sieht das anders: Durch die Rücknahme der Nichtzulassungsbeschwerde haben die Bank ein weiteres Urteil des obersten Gerichts zu ihren Ungunsten vermieden. Dahinter stecke also eine Strategie zur eigenen Schadensbegrenzung. Der Verkauf derartiger Produkte durch die Deutsche Bank sei eine Leistung, die "Leiden schafft", sagt Jochen Weck.

Quelle:  Handelsblatt Online
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