Deutsche Bank: Leo Kirchs Rache aus dem Grab

KommentarDeutsche Bank: Leo Kirchs Rache aus dem Grab

von Cornelius Welp

Der Schadenersatzprozess ist für die Deutsche Bank offenbar kaum noch zu gewinnen. Wenn sie ihn tatsächlich verliert, hat das weit reichende Folgen. 

Anfang des Jahres schien die unendliche Geschichte ein versöhnliches Ende zu nehmen. Josef Ackermann hatte kurz vor seinem Abschied als Chef der Deutschen Bank mit den Erben des 2011 verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch in München einen Vergleich ausgehandelt. Ob er die Einigung bereits zugesagt oder sich nur unverbindlich unterhalten hat, ist bis heute unklar. Es ist auch egal. Denn letztlich wurde sie von der Deutschen Bank doch abgelehnt.

Rund 800 Millionen Euro hätte der Vergleich die Bank gekostet. Dass sie sich darauf nicht einlassen wollte, war damals durchaus verständlich. Zwar war bereits seit Monaten erkennbar, dass das Münchner Oberlandesgericht, vor dem sich die Parteien aktuell streiten, nicht unbedingt auf Seiten des Kreditinstituts und seines ehemaligen Chefs Rolf Breuer steht.  Allerdings hatten die Bank und ihre Anwälte über Jahre derart vehement erklärt, dass das Vorbringen der Kirch-Seite völlig substanzlos, im Grunde sogar eine Frechheit sei, dass sie eine abrupte Kehrtwende ihren Aktionären kaum noch erklären konnte.

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Dass sich die Deutsche Bank entschloss, das Verfahren bis zum bitteren Ende auszufechten, könnte für sie nun noch teurer werden. Das Gericht halte es „nunmehr für sehr wahrscheinlich“, so ein Hinweisbeschluss von Anfang September, dass Breuer mit einem Fernsehinterview Druck auf Kirch aufbauen wollte, sich unter einen „Schutzschild“ der Bank zu begeben. Damals, Anfang 2002, wurde öffentlich über eine mögliche Insolvenz der Kirch-Gruppe spekuliert. Indem Breuer sich in dem Interview daran beteiligte,  wollte er, so offenbar die Ansicht des Gerichts, der Bank ein Mandat für die Umstrukturierung des Medienkonzerns zu sichern. Wohl am 16. November wird der Münchner Senat sein Urteil verkünden und kaum jemand zweifelt noch daran, dass es zu Ungunsten der Bank ausfällt.

Dennoch sind noch viele Fragen offen. Wird das Gericht nur feststellen, dass sich Breuer fehlerhaft verhalten hat oder direkt eine Zahlung festlegen? Wie hoch wird die sein? Wird die Bank nochmals dagegen vorgehen?  Was wird sie gegen ihren früheren Chef Breuer unternehmen, von dem sie sich das Geld so gut es geht wiederholen müsste? Zahlt dessen Managerhaftpflichtversicherung? Und nutzt die Bank, die wenige Zeit, die bleibt, nicht doch noch für einen Vergleich?  An der Kirch-Seite würde der wohl nach wie vor nicht scheitern. Und der Gerichtsbeschluss könnte für das Institut ein Argument sein, dass es mit einer Ausgleichzahlung zumindest noch Schlimmeres für seine Anteilseigner abwendet.

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