Deutsche Bank: Libor-Bericht kritisiert weitere Manager

Deutsche Bank: Libor-Bericht kritisiert weitere Manager

Die Bafin belastet in ihrem Bericht zu den manipulierten Zinsen weitere Top-Manager der Deutschen Bank. In dem vertraulichen Schreiben werden auch die Vorstände Stefan Krause und Stephan Leithner attackiert.

Der Skandal um manipulierte Zinsen lässt die Deutsche Bank nicht los. In ihrem Bericht zur Aufklärung der Affäre belastet die deutsche Finanzaufsicht Bafin weitere amtierende Top-Manager des Geldhauses, wie nun bekannt wurde. Das "Wall Street Journal" veröffentlichte das vertrauliche Schreiben von Bafin-Aufseherin Frauke Menke in der Nacht zum Freitag im Internet. Dabei handelt es sich um eine bankinterne Übersetzung ins Englische auf 37 Seiten, wie Insider der Nachrichtenagentur Reuters bestätigten. Unter Beschuss geraten darin unter anderem die beiden Vorstände Stefan Krause und Stephan Leithner sowie der Chef der Vermögensverwaltung, Michele Faissola. Bislang standen vor allem der bisherige Co-Vorstandschef Anshu Jain und Alan Cloete, einst Chef des Devisen- und Geldhandels, im Kreuzfeuer der Kritik. Beide sind inzwischen weg.

Die Deutsche Bank musste wegen der Manipulation von wichtigen Referenzzinssätzen wie Libor und Euribor bereits hohe Strafen zahlen - an die EU-Kommission 725 Millionen Euro, an die angelsächsischen Behörden insgesamt 2,5 Milliarden Dollar.. Die BaFin ging in ihrer Untersuchung der Frage nach, ob die beteiligten Händler Einzeltäter waren oder Vorgesetzte davon wussten. In ihrem Libor-Bericht beklagt die heimische Aufsicht unzureichende interne Kontrollen und kritisiert insbesondere Jain scharf, wie Insider schon vor einiger Zeit berichtet hatten. Das bestätigte sich nun in dem veröffentlichten Papier, das bereits Mitte Mai mit der Bitte um Stellungnahme an die Bank geschickt wurde.

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Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

Jain ist inzwischen zurückgetreten. Einen Zusammenhang mit dem BaFin-Bericht bestreitet die Bank. Seit dem 1. Juli führt John Cryan das Geldhaus, der seit 2013 im Aufsichtsrat saß. Im Frühjahr 2016 wird auch Co-Chef Jürgen Fitschen gehen, die Doppelspitze ist dann endgültig Geschichte.

In ihrem Bericht knöpft sich Bafin-Aufseherin Menke weitere prominente Deutsche-Bank-Manager vor. Sie seien nicht direkt in die Zinsmanipulationen verwickelt gewesen, aber im weitesten Sinne für strukturelle Mängel verantwortlich, argumentiert sie. Dem langjährigen Finanzchef Krause, der inzwischen für die interne "Bad Bank", den Zahlungsverkehr und den Verkauf der Postbank zuständig ist, wirft sie vor, 2009 zwar eine interne Prüfung durchgeführt, die Zinstricksereien aber nicht erkannt zu haben. Leithner kommt aus dem Investmentbanking und rückte 2012 in den Vorstand auf, wo er etwa für Personal und Compliance-Themen zuständig ist. Er habe in seiner Funktion nicht die richtigen Konsequenzen gezogen, schreibt Menke.

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