Deutsche-Bank-Manager vor Gericht: Fitschen und Ackermann sollen Ermittlungen behindert haben

Deutsche-Bank-Manager vor Gericht: Fitschen und Ackermann sollen Ermittlungen behindert haben

Bild vergrößern

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (l), und der frühere Vorstandsvorsitzende der Bank, Josef Ackermann, stehen am 28.04.2015 in München (Bayern) wegen versuchten Betrugs im Kirch-Prozess im Gerichtssaal des Landgericht München I.

Im Betrugsprozess gegen den Co-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen und vier Ex-Manager hat die Münchner Staatsanwaltschaft eine systematische Blockade ihrer Ermittlungsarbeiten in dem Bankhaus kritisiert.

Mit heftigen Wortgefechten zwischen Verteidigern und Staatsanwaltschaft ist der Prozess gegen Top-Manager der Deutschen Bank fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft machte dem Geldhaus schwere Vorwürfe. Das Institut habe versucht, die Herausgabe von Daten zu verhindern und zu beschränken, sagte Staatsanwalt Stephan Necknig am Dienstag vor dem Landgericht München. Die Verantwortung dafür trügen Fitschen und sein Vorgänger an der Vorstandsspitze, Josef Ackermann.

„Die Strategie der Deutschen Bank wurde bis in die jüngere Vergangenheit fortgesetzt.“ Bei der Staatsanwaltschaft gebe es daher eine gewisse Skepsis gegenüber der Deutschen Bank. Vertreter des Instituts äußerten sich nicht zu den Vorwürfen.

Anzeige

Prozess Ankläger schreiben Fitschen Mitläuferrolle zu

Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht so tief in Betrugsversuche zulasten des früheren Medienmoguls Leo Kirch verstrickt wie die vier Mitangeklagten.

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (l), und der frühere Vorstandsvorsitzende der Bank, Josef Ackermann zu Beginn des Strafprozesses in München. Quelle: dpa

Die mit Spannung erwarteten Stellungnahmen von Deutsche-Bank -Co-Chef Jürgen Fitschen und weiteren Angeklagten im Münchner Betrugsprozess verzögern sich. Fitschen werde sich nur unter einer Bedingung vor Gericht zu der Anklage äußern, sagte seine Verteidigern Barbara Livonius. Die Staatsanwaltschaft habe sich bei ihren Vorwürfen gegen Fitschen und die übrigen Angeklagten selbst widersprochen, monierte sie. "Vor der beabsichtigten Einlassung von Herrn Fitschen muss zweifelsfrei feststehen, worin die ihm zur Last gelegte Täuschung beruht."

Fitschen, Ackermann sowie Ex-Chef Rolf Breuer, Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig sowie Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck stehen wegen versuchten Prozessbetrugs vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, gemeinsam einen „Tatplan“ verfolgt zu haben, um Schadenersatzforderungen der Kirch-Erben für den Zusammenbruch der Mediengruppe abzuwehren. Sie sollen vor vier Jahren versucht haben, das Oberlandesgericht München durch übereinstimmende Aussagen zu täuschen. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Fitschen war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft bei dem gemeinsamen „Tatplan“ zwar keine treibende Kraft, habe aber auch nichts unternommen, um seine Kollegen zu stoppen. In seiner eigenen Aussage vor Gericht habe er sich durch vage und unschlüssige Angaben um die Wahrheit gedrückt. Der Prozess vor dem Landgericht München ging am Dienstag in seinen zweiten Verhandlungstag.

Bereits zum Prozessauftakt vor einer Woche hatten sich Staatsanwaltschaft und Verteidiger einen Schlagabtausch geliefert. Fitschens Anwalt Hanns Feigen warf der Ermittlungsbehörde vor, entlastendes Material unterschlagen zu haben. Staatsanwalt Necknig nannte diesen Vorwurf „haltlos“. „Die Staatsanwaltschaft hat niemals irgendwelche Aktenbestandteile zurückgehalten.“

weitere Artikel

Die Anklagebehörde wird in dem Mammutprozess durch zwei Staatsanwälte und die Staatsanwältin Christiane Serini vertreten. Serini sollte auch als Zeugin vor Gericht aussagen. Diese Doppelfunktion ist aus Sicht der Verteidiger unzulässig - sie beantragten die Ablösung Serinis. Da sie als Staatsanwältin zugleich die Äußerungen der Angeklagten im Prozess verfolge, könne es sein, dass Serini ihre Wahrnehmungen aus früheren Vernehmungen „bewusst oder unbewusst“ abgleiche und dadurch auch ihre eigene Zeugenaussage ergänze oder verändere.

Die Verteidiger forderten die Staatsanwaltschaft zudem dazu auf, sämtliche Akten auf den Tisch zu legen, bevor sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußerten. „Wir wollen Sicherheit haben, dass wir den gesamten Aktenbestand beherrschen“, sagte Ackermanns Verteidiger Eberhard Kempf in einer Verhandlungspause. Es könne nicht angehen, dass die Behörde während des laufenden Prozesses ständig neue Akten nachreiche.

DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch hält die Anklage gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen im Münchner Strafprozess für unhaltbar. „Den Vorwurf finde ich persönlich an den Haaren herbeigezogen“, sagte Kirsch am Montagabend vor Journalisten in Frankfurt. „Ich persönlich wäre deswegen sicher nicht zurückgetreten. Wegen dieser Facette braucht Jürgen Fitschen sicher nicht zurücktreten.“

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%