Deutsche Bank: Mr. Jain deutschelt sich in die Herzen der Aktionäre

Deutsche Bank: Mr. Jain deutschelt sich in die Herzen der Aktionäre

von Saskia Littmann

Im Fokus der Hauptversammlung der Deutschen Bank stand die Rede von Co-Chef Anshu Jain. Deutsch oder Englisch war hier die Frage. Es wurde der emotionale Auftakt einer Hauptversammlung zwischen Kuschelkurs und Alltag.

Bild vergrößern

Deutsche Bank Co-Chef Anshu Jain zeigte bei der diesjährigen Hauptversammlung des Instituts in Frankfurt ein souveränes Siegerlächeln.

Sie war mit Spannung erwartet worden: Die Rede von Deutsche Bank Co-Chef Anshu Jain. Hält er sein Versprechen und spricht auf Deutsch zu den in der Frankfurter Festhalle versammelten Aktionären? Der siegessichere Blick, mit dem der gebürtige Inder ans Mikrofon trat, ließ es bereits erahnen: Hier wird heute Deutsch gesprochen.

Jain konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er die Anteilseigner begrüßte: "Schön, dass Sie gekommen sind. Ich freue mich sehr, heute zu Ihnen sprechen zu dürfen. Dies ist ein bewegender Tag für mich", sagte der Co-Chef auf der heutigen Hauptversammlung des Instituts in Frankfurt. Spätestens da hatte er die Aktionäre von seinem Charme überzeugt. Relativ langsam aber gut verständlich hielt Jain seine gesamte Rede auf Deutsch. Nur für einen kurzen Moment hatte der Inder nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Publikums. Maskierte Aktivisten stürmten lautstark die Festhalle, warfen Flugblätter und skandierten "Deutsche Bank - Deutsches Geld". Nach kurzer Zeit beendeten die Sicherheitsleute die Aktion allerdings und die Bühne war wieder frei für die Jainsche Charmeoffensive. Kein Wunder, schließlich gehören derartige Unterbrechungen fast schon zur Tagesordnung bei Hauptversammlungen von Deutschlands größtem Geldinstitut.

Anzeige

Hauptversammlung Maue Bilanz für Jain und Fitschen

Seit einem Jahr mühen sich Anshu Jain und Jürgen Fitschen um einen Kulturwandel bei der Deutschen Bank. Die Bilanz der Chefs überzeugt nicht. Das dürfte auch den Aktionären sauer aufstoßen.

Quelle: dpa/Montage

Nachhaltiger in Erinnerung, weil ein Novum, bleiben dagegen Jains Flirtversuche mit den Anteilseignern. Geschickt legt er an den passenden Stellen pausen ein und holt sich den ersehnten Beifall des Publikums. "Wir waren und sind fest entschlossen, die Deutsche Bank fit für die Zukunft zu machen und nachhaltig und langfristig Wert zu schaffen für Sie, liebe Aktionäre". Jain pausiert, hebt den Blick vom Redemanuskript, verzieht den Mund zu einem Lächeln - und wird von den Aktionären mit Beifall für seine Deutschkünste belohnt.

Zumindest am Tag der Hauptversammlung geht die Strategie auf. Selbst die kritischsten Aktionärsvertreter wie Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) loben den Inder für seine Bemühungen. "Mister Jain, congratulations for your speech in german". Zumindest heute soll keiner glauben, Jain wäre der falsche Mann für einen Kulturwandel des Geldinstituts. Der Inder, der bis vor kurzem noch der Meinung war, auch ohne Deutschkenntnisse gut über die Runden zu kommen, gibt sich scheinbar geläutert.

Fast rührend wird es am Schluss seiner Rede. Mit persönlichen Worten dankt der Co-Chef für die Freundlichkeit und Freundschaft, die ihm und seiner Familie in Deutschland entgegengebracht wurden. "Wir bekamen Rat und Hilfe von so vielen Menschen. In der Deutschen Bank und im privaten Leben. Das tat gut." Lachend fügt Jain hinzu: "Danke auch für Ihre Geduld mit meinem Deutsch. Ich hoffe, bei der nächsten Hauptversammlung ist mein Deutsch etwas besser." Damit übergibt Jain das Wort an "Jürgen".

Der wirkt gegen den schelmisch lächelnden Jain fast ein wenig hölzern und steif.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%