Deutsche Bank: Schwere Geburtswehen

KommentarDeutsche Bank: Schwere Geburtswehen

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Anshu Jain, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank und Head of Global Markets. Heute hat der Aufsichtsrat des größten deutschen Geldhauses über ein umfangreiches Personalpaket abgestimmt.

von Cornelius Welp

Das neue Führungsduo der Deutschen Bank muss erste Rückschläge verkraften. Noch ist unklar, wohin es die Bank steuert.

Der Umbau schreitet voran und dabei ächzt es gewaltig im Gebälk – also den obersten Stockwerken - der Deutschen Bank.  Der Start des neuen Führungsduos Anshu Jain und Jürgen Fitschen verläuft zumindest holperig. Erst erfuhren Deutsche-Bank-Mitarbeiter und sogar Aufsichtsräte anders als geplant aus der Zeitung vom anstehenden Revirement im Vorstand, dem mit Hugo Bänziger und Hermann-Josef Lamberti zwei altgediente Ackermann-Knappen zum Opfer fallen. Und das ausgerechnet aus der „Bild“, die zumindest offiziell nicht eben die favorisierte Lektüre des typischen Deutsche-Bank-Kunden und –Managers darstellen dürfte.

Nun der nächste Paukenschlag. Der als künftiger Risikovorstand vorgesehene William Broeksmit darf seinen Posten anders als geplant nicht antreten. Die oft als zahnlos gescholtene Finanzaufsicht Bafin verweigerte ihm überraschend die Zustimmung, wohl weil er zu wenig „Führungserfahrung“ besaß. Vielleicht steckt auch mehr dahinter: Der bisherige Risikochef Hugo Bänziger galt in der Behörde als Mann des Vertrauens. Den Aufstieg Jains und den damit verbundenen stärkeren Einfluss des Investmentbankings verfolgen die Aufseher durchaus mit Skepsis.

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Unabhängig  davon ist schon auffällig, wie oft Deutschlands größtes Kreditinstitut in jüngster Zeit mit der Bafin kollidierte. Erst untersagte sie dem Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt an die Spitze der zusammen mit der Privatbank Sal. Oppenheim übernommenen BHF zu wechseln, dann verbot sie deren Verkauf an die Liechtensteiner LGT.

Ackermanns Anhänger murren

Zu besichtigen sind in der Deutschen Bank derzeit die heftigen Nachwehen des Führungsstreits, der die oberste Führungsetage der Bank seit 2009 lähmte. Nun sind es vor allem die Anhänger des lange allmächtigen Ackermanns, die Grund zu murren haben. Sie sehen ihre eigenen Positionen und das Lebenswerk des von ihnen gefeierten Vorsitzenden in Gefahr. Die Deutsche Bank werde nicht mehr die gleiche sein wie vorher, munkeln sie unheilvoll. Dass Ackermann sich bei der Auswahl seines Nachfolgers nicht durchsetzen konnte, hat ihn auch persönlich schwer getroffen.

Bei seiner Abschiedspressekonferenz konnte er es sich nicht verkneifen, zu bemerken, dass der aus seiner Sicht beste Kandidat leider nicht zur Verfügung gestanden habe. Das wäre der Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber gewesen. Die neue Führung erklärte Ackermann für geradeso eben tauglich.

Jetzt ist Fitschen gefordert

Das Schreckensbild, das vor allem die in Frankfurt ansässigen Vertreter des klassischen Bankgeschäfts groß um den Schlaf bringt, ist das einer abermals wild zockenden Investmentbank, die jede Bindung an den Heimatmarkt kappt. Das hat die neue Führung aber nicht im Sinn. Um das deutlich zu machen, wäre vor allem ihre deutsche Hälfte Jürgen Fitschen gefragt. Der hat vor einigen Tagen bei einer Frauenkonferenz mehr weibliche Mitglieder im Topmanagement versprochen.

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Außerdem wird darüber diskutiert, ob er in den Vorstand des Bankenverbandes aufrücken wird. Dass sind wichtige Themen, bislang bleibt aber der Eindruck, dass Fitschen eher für den Dekor zuständig ist, während Jain die wichtigen Entscheidungen alleine trifft. Viele Bedenken würden verfliegen, wenn klarer würde, wie die neue Führung die Bank inhaltlich aufstellen will. Vage Äußerungen über „einen stärker ausgeprägten Teamgedanken“ und einen „Abschied vom Silodenken“ sind bislang reichlich dürftig. 

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