Deutsche Bank steigert Gewinn: Neuer Co-Chef Cryan sieht viele Baustellen

Deutsche Bank steigert Gewinn: Neuer Co-Chef Cryan sieht viele Baustellen

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Deutsche-Bank-Co-Chef John Cryan will im Herbst seine "Strategie 2020" vorstellen.

Der Nettogewinn der Deutschen Bank hat sich im zweiten Quartal verdreifacht. Dennoch ist dem neuen Co-Chef John Cryan nicht zum Jubeln zumute. Er sieht "inakzeptabel hohe Kosten" und teure Rechtsstreitigkeiten.

Die Deutsche Bank hat ihren Aufwärtstrend im Tagesgeschäft fortgesetzt und einen deutlichen Gewinnsprung geschafft. Der Vorsteuergewinn kletterte im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 34 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Unter dem Strich hat sich der Gewinn auf 818 Millionen Euro mehr als verdreifacht – im Vorjahr waren es noch 238 Millionen Euro.

Vor einem Jahr hatte eine außergewöhnlich hohe Steuerlast die Bilanz belastet. Für Rechtsstreitigkeiten musste die Bank im zweiten Quartal des laufenden Jahres 1,2 Milliarden Euro aufwenden und damit fast das Dreifache wie ein Jahr zuvor.

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Deutsche Bank Was läuft schief, Herr Achleitner?

Im Interview mit der WirtschaftsWoche verteidigt Aufsichtsratschef Paul Achleitner die neue Strategie der Deutschen Bank. Von einer Personaldiskussion wollte er aber nichts wissen.

Paul Achleitner Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Es ist die erste Quartalsbilanz unter dem neuen Vorstandschef John Cryan, der am 1. Juli überraschend Anshu Jain abgelöst hatte. Nach der Hauptversammlung 2016 soll der Brite Deutschlands größtes Geldinstitut alleine führen. "Das zweite Quartal verdeutlicht die Stärken der Deutschen Bank, aber auch die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen", erklärte Cryan, der die letzten zwei Jahre im Aufsichtsrat saß. Die Erträge seien zwar solide gewachsen.

"Allerdings werden auch unsere Herausforderungen deutlich: Inakzeptabel hohe Kosten, anhaltend hohe Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten, zu bilanzintensive Geschäfte und insgesamt eine Rendite für unsere Aktionäre, die zu niedrig ist." Cryan brütet derzeit über den Details der "Strategie 2020", sie sollen im Herbst vorgestellt werden. Cryan will dabei den Ruf des Geldhauses rasch verbessern. "Unser finanzielles Ergebnis spiegelt nicht unser enormes Potenzial wider", so Cryan. Die Deutsche Bank sei ein Institut ersten Ranges.

Die wichtigsten Aufsichtsräte der Deutschen Bank

  • Paul Achleitner

    Der frühere Allianzvorstand steht seit 2012 an der Spitze des Aufsichtsrats. Er hat den aktuellen Strategieprozess angestoßen und erklärt, dass es „keine Denkverbote“ gibt.    

  • Frank Bsirske

    Der Verdi-Chef ist zum Schrecken vieler Deutschbanker 2013 in das Gremium eingezogen. Seine Machtbasis ist die Postbank, wo die Gewerkschaft stark vertreten ist. Ein Verkauf allein des Bonner Instituts  würde die Position von Verdi in der Deutschen Bank schwächen.     

  • John Cryan

    Der Brite war früher Topmanager bei der Schweizer UBS . Er ist ein kritischer Kontrolleur vor allem von Co-Chef Anshu Jain, grundsätzlich aber dem Investmentbanking zugeneigt.

  • Dina Dublon

    Die US-Amerikanerin war Finanzchefin bei JP Morgan. Die Schwäche der Deutschen Bank ist aus ihrer Perspektive offensichtlich.

  • Katherine Garrett-Cox

    Die Chefin des britischen Vermögensverwalters Alliance Trust rückte 2011 als erste Frau auf der Kapitalseite in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

  • Timo Heider

    Der Betriebsratsvorsitzende der Postbank wird auf eine möglichst schonende Behandlung des Bonner Instituts Wert legen. Dessen beschäftigte streiken gerade, weil sie um ihre Arbeitsplätze fürchten.  

  • Alfred Herling

    Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende arbeitet seit rekordverdächtigen 46 Jahren bei der Deutschen Bank und gilt als bedächtige Integrationsfigur – auch im Lager der nicht einheitlich auftretenden Arbeitnehmer. Für ihn zählt vor allem, dass möglichst wenige Arbeitsplätze wegfallen.  

  • Henning Kagermann

    Der frühere SAP-Chef ist bereits seit 15 Jahren Mitglied des Kontrollgremiums und hat dort alle strategischen Wenden und Kehrtwenden mitgemacht.  

  • Martina Klee

    Die unabhängige Arbeitnehmervertreterin ist seit 2008 Mitglied des Aufsichtsrats. Gewählt ist sie über die Deutsche Bank, für deren Interessen wird sie sich einsetzen.

  • Peter Löscher

    Der frühere Siemens-Chef ist ein enger Vertrauter von Aufsichtsratschef Achleitner, in München teilt er sich mit ihm sogar ein Büro. Er wird Achleitners Präferenzen folgen.

  • Stephan Szukalski

    Der Chef der kleinen Gewerkschaft DBV wird vermutlich die Lösung präferieren, die die wenigsten Arbeitsplätze kostet. Die DBV ist in der Deutschen Bank stärker, anders als seine Verdi-Kollegen geht es ihm dann nicht vor allem um die Postbank.  

  • Johannes Teyssen

    Der Eon-Chef kennt die Situation, dass ein Unternehmen durch politische Vorgaben umgebaut werden muss, aus seinem eigenen Konzern bestens. Er wird darauf achten, dass die Deutsche Bank auch künftig für deutsche Großunternehmen da ist.

  • Georg F. Thoma

    Der Rechtsanwalt ist ein enger Vertrauter von Paul Achleitner. Als Vorsitzender des Integritätsausschusses muss er sich heute nicht nur mit der künftigen Strategie der Bank, sondern auch mit den Folgen des Libor-Vergleichs und des betrügerischen Handels mit CO2-Zertifikaten beschäftigen.

  • Klaus Rüdiger Trützschler

    Der ehemalige Haniel-Vorstand ist ein Mann der Deutschen Industrie. Für die soll die Deutsche Bank auch künftig da sein. Ob man dazu Filialen der  Postbank braucht.

"Diese Themen müssen wir angehen – das ist keine Frage der Strategie", erklärte der Brite. Damit die Strategie Erfolg habe, müsse das Institut effizienter werden. "Wir müssen diszipliniert sein bei der Frage, wie, wo und mit wem wir Geschäfte tätigen. Wir müssen alle Länder, Geschäftsfelder, Produkte und Geschäftsbeziehungen, die ökonomisch nicht vertretbar sind, kritisch betrachten." Geschäfte mit geringen Erträgen will Cryan reduzieren. Zudem müsse die komplexe und teure Organisation der Bank vereinfacht werden.

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