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Deutsche Bank: Stolpert Anshu Jain über den Libor-Skandal?

von Mark Fehr, Melanie Bergermann und Florian Zerfaß

Was auf die Deutsche Bank, auf andere Geldhäuser sowie auf die Investoren in der Libor- und Euribor-Affäre zukommt. Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten.

Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain muss fürchten, dass Gegner ihm politische Verantwortung für die Zins-Manipulationen am Libor zuschieben. Quelle: REUTERS
Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain muss fürchten, dass Gegner ihm politische Verantwortung für die Zins-Manipulationen am Libor zuschieben. Quelle: REUTERS

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Händler internationaler Großbanken haben wichtige Messlatten für internationale Geldgeschäfte zu ihrem Vorteil manipuliert. Hierzulande konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Deutsche Bank. Auch die deutschen Aufseher von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sowie der Bundesbank ermitteln und wollen im August Ergebnisse liefern. Von den Folgen der Manipulation des internationalen Zinsmaßstabs Libor und seines europäischen Pendants Euribor in den Jahren 2005 bis 2008 sind nicht nur Geldhäuser, sondern auch deren Kunden sowie Investmentfirmen oder Kommunen betroffen. Was kommt auf die Deutsche Bank und die anderen Institute sowie auf Investoren zu? Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen.

Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

1. Was droht Anshu Jain?

Auch Deutschlands größtes Kreditinstitut steht neben Konkurrenten wie der britischen Bank Barclays im Fokus der Finanzaufseher. Der im Mai gekrönte Co-Chef Anshu Jain hatte als früherer Leiter des Investmentbankings am Finanzplatz London zwei Mitarbeiter, die als Manipulierer verdächtigt werden. Die Ermittler der britischen Finanzaufsicht haben aber laut Insidern bislang keine Hinweise, dass Jain die Machenschaften geduldet oder gar gefördert haben könnte. Auch die BaFin, in deren Auftrag Prüfer der Bundesbank bei der Deutschen Bank ermitteln, hat noch keine Verstrickung des Top-Managements in der Zinsaffäre zutage gefördert.

Die langsame interne Aufklärung des Falls können die Bank und ihre Kunden dem Investmentbanker Jain nicht anlasten. Denn für interne Untersuchungen war das Risikomanagement unter Vorstand Hugo Bänziger verantwortlich, der mit der Machtübernahme Jains im Mai ausschied. Bei der weiteren Aufklärung ist die Bank auf die Ergebnisse der ermittelnden Finanzaufseher angewiesen, denn die Händler sollen ihre verbotenen Absprachen mit Komplizen außerhalb der Kommunikationsnetze und Computersysteme des Unternehmens getroffen haben.

Fein raus ist der Co-Chef der Deutschen Bank damit aber nicht. Denn er muss fürchten, dass Gegner versuchen werden, ihm für das mutmaßlich kriminelle Verhalten einiger seiner Leute die politische Verantwortung aufzubürden. Beim britischen Deutsche-Bank-Konkurrenten Barclays ist nicht nur der direkt verstrickte Chef Bob Diamond zurückgetreten, sondern auch Chef-Aufseher Marcus Agius, der die Manipulationen nicht persönlich zu verantworten hatte.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 30.07.2012, 15:28 UhrJoselyn

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Jain von der ganzen Sache nichts gewusst haben will. Schließlich waren das Mitarbeiter SEINER Abteilung. Die zwei Händler, die entlassen wurden, sind in meinen Augen nur Opferlämmer.

    Für Herrn Jain ist es praktischer zuzugeben, nicht zu wissen, was in seiner Abteilung passiert, als zuzugeben, dass er davon gewusst hat. Er hat einfach das kleinere Übel gewählt. Schließlich muss man ihm ja erstmal nachweisen, dass er etwas wusste. Mittlerweile dürften diese Daten schon vernichtet sein. Zumindest der größte Teil.

    Schließlich war das ja nicht der einzige Skandal in seiner Abteilung. Laut Pressemitteilungen soll seine Abteilung auch an einer Manipulation des Yen beteiligt gewesen sein. Wahrscheinlich will er davon aber auch nichts gewusst haben.

    Herr Jain fährt die Salami-Taktik. Nur zugeben, was belegt werden kann und ansonsten von nichts was zu wissen. Wie seinerzeit Herr Wulff.

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