Deutsche Bank: Und ab die Postbank

Deutsche Bank: Und ab die Postbank

, aktualisiert 27. April 2015, 11:55 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen müssen die Deutsche Bank kleiner machen. Dem mächtigsten heimischen Geldhaus stehen schwierige Jahre bevor. Ärger droht auch den Kleinaktionären der Postbank.

Die Deutsche Bank muss sich gesundschrumpfen. Auf das größte deutsche Geldhaus kommt nicht nur ein Strategiewechsel, sondern auch ein hartes Sparprogramm zu. Die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen die operativen Kosten bis 2020 um zusätzlich 3,5 Milliarden Euro senken, wie das Institut am Montag in Frankfurt mitteilte.

Damit fallen die Einsparungen noch härter aus als ohnehin erwartet. Analyst Kian Abouhossein von JP Morgan war von einem Kostenprogramm von 3,2 Milliarden Euro ausgegangen. Um die Einsparungen zu erreichen, rechnet das Institut mit einmaligen Kosten von 3,7 Milliarden Euro.

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Die wichtigsten Aufsichtsräte der Deutschen Bank

  • Paul Achleitner

    Der frühere Allianzvorstand steht seit 2012 an der Spitze des Aufsichtsrats. Er hat den aktuellen Strategieprozess angestoßen und erklärt, dass es „keine Denkverbote“ gibt.    

  • Frank Bsirske

    Der Verdi-Chef ist zum Schrecken vieler Deutschbanker 2013 in das Gremium eingezogen. Seine Machtbasis ist die Postbank, wo die Gewerkschaft stark vertreten ist. Ein Verkauf allein des Bonner Instituts  würde die Position von Verdi in der Deutschen Bank schwächen.     

  • John Cryan

    Der Brite war früher Topmanager bei der Schweizer UBS . Er ist ein kritischer Kontrolleur vor allem von Co-Chef Anshu Jain, grundsätzlich aber dem Investmentbanking zugeneigt.

  • Dina Dublon

    Die US-Amerikanerin war Finanzchefin bei JP Morgan. Die Schwäche der Deutschen Bank ist aus ihrer Perspektive offensichtlich.

  • Katherine Garrett-Cox

    Die Chefin des britischen Vermögensverwalters Alliance Trust rückte 2011 als erste Frau auf der Kapitalseite in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

  • Timo Heider

    Der Betriebsratsvorsitzende der Postbank wird auf eine möglichst schonende Behandlung des Bonner Instituts Wert legen. Dessen beschäftigte streiken gerade, weil sie um ihre Arbeitsplätze fürchten.  

  • Alfred Herling

    Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende arbeitet seit rekordverdächtigen 46 Jahren bei der Deutschen Bank und gilt als bedächtige Integrationsfigur – auch im Lager der nicht einheitlich auftretenden Arbeitnehmer. Für ihn zählt vor allem, dass möglichst wenige Arbeitsplätze wegfallen.  

  • Henning Kagermann

    Der frühere SAP-Chef ist bereits seit 15 Jahren Mitglied des Kontrollgremiums und hat dort alle strategischen Wenden und Kehrtwenden mitgemacht.  

  • Martina Klee

    Die unabhängige Arbeitnehmervertreterin ist seit 2008 Mitglied des Aufsichtsrats. Gewählt ist sie über die Deutsche Bank, für deren Interessen wird sie sich einsetzen.

  • Peter Löscher

    Der frühere Siemens-Chef ist ein enger Vertrauter von Aufsichtsratschef Achleitner, in München teilt er sich mit ihm sogar ein Büro. Er wird Achleitners Präferenzen folgen.

  • Stephan Szukalski

    Der Chef der kleinen Gewerkschaft DBV wird vermutlich die Lösung präferieren, die die wenigsten Arbeitsplätze kostet. Die DBV ist in der Deutschen Bank stärker, anders als seine Verdi-Kollegen geht es ihm dann nicht vor allem um die Postbank.  

  • Johannes Teyssen

    Der Eon-Chef kennt die Situation, dass ein Unternehmen durch politische Vorgaben umgebaut werden muss, aus seinem eigenen Konzern bestens. Er wird darauf achten, dass die Deutsche Bank auch künftig für deutsche Großunternehmen da ist.

  • Georg F. Thoma

    Der Rechtsanwalt ist ein enger Vertrauter von Paul Achleitner. Als Vorsitzender des Integritätsausschusses muss er sich heute nicht nur mit der künftigen Strategie der Bank, sondern auch mit den Folgen des Libor-Vergleichs und des betrügerischen Handels mit CO2-Zertifikaten beschäftigen.

  • Klaus Rüdiger Trützschler

    Der ehemalige Haniel-Vorstand ist ein Mann der Deutschen Industrie. Für die soll die Deutsche Bank auch künftig da sein. Ob man dazu Filialen der  Postbank braucht.

Weil die Deutsche Bank Probleme hat, die strengeren Vorgaben der Regulierer zu erfüllen und weil das Geldhaus bei der Rendite weit hinter den eigenen Ansprüchen zurückblieb, leitete Aufsichtsratschef Paul Achleitner Ende des vergangenen Jahres einen Strategiewechsel ein. Am vergangenen Freitag genehmigte der Aufsichtsrat die Neuausrichtung.

Wichtigste Ergebnisse: Sieben Jahre nach dem Einstieg wollen sich Jain und Fitschen von der Privatkundentochter Postbank trennen. Außerdem sind Einschnitte im Investmentbanking geplant. Am Montag morgen verkündete die Deutsche Bank nun weitere Details ihres Plans.

Einen möglichen Börsengang der Postbank will die Deutsche Bank ohne die noch verbliebenen Kleinaktionäre des Bonner Instituts über die Bühne bringen. Die Postbank-Aktionäre sollen bis Jahresende über eine Zwangsabfindung aus dem Unternehmen gedrängt werden. Die Deutsche Bank hat das Recht dazu, nachdem sie ihre Beteiligung an der Postbank auf 96,8 von 94,1 Prozent aufgestockt hat.

Schrumpfkur Deutsche Bank will 200 Filialen schließen

Im Zuge ihres harten Kurswechsels will die Deutsche Bank weitere Milliarden einsparen. Dafür sollen hunderte Filialen geschlossen, die Postbank abgestoßen und die Investmentbank in ihre Geschäftsfeldern begrenzt werden.

Im Zuge ihres harten Kurswechsels will die Deutsche Bank weitere Milliarden einsparen Quelle: REUTERS

Formal muss eine für August geplante Hauptversammlung über den so genannten Squeeze-Out beschließen. Ein Verkauf ist aber nicht die einzige Option für die Trennung von der Postbank. Strategievorstand Stefan Krause wollte auch den Verkauf an einen Rivalen nicht ausschließen. Die Mitarbeiter der Postbank haben für alle Fälle schon mal einen Kündigungsschutz bis 2017 ausgehandelt, wie das Unternehmen am Montag bekannt gab.

Nicht nur bei der Postbank auch im verbleibenden Privatkundengeschäft drohen tiefe Einschnitte. Die Bank will von den derzeit rund 700 Deutsche-Bank-Filialen bis zum Jahr 2017 bis zu 200 schließen. Die Investmentbank soll sich noch stärker aus margenarmen Geschäftsfeldern zurückziehen, die Bilanz der Sparte soll um etwa 200 Milliarden Euro schrumpfen.

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