Deutsche Bank und Kirch einig: 31,9 Millionen Euro für ein Wort

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Deutsche Bank und Kirch einig: 31,9 Millionen Euro für ein Wort

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Der Medienunternehmer Leo Kirch (l) und Rolf Breuer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, sitzen bei der Fortsetzung von Kirchs Schadenersatzprozess gegen die Deutsche Bank 2011 im Gericht. Nun hat der Streit ein Ende gefunden.

von Saskia Littmann

Die Deutsche Bank einigt sich im Streit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Vergleich. Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, warum das Institut dabei verhältnismäßig gut wegkommt.

Es ist das wohl teuerste Interview eines Bankvorstands aller Zeiten. Mittlerweile steht fest, dass jedes Wort des ehemaligen Deutsche Bank-Vorstands Rolf-E. Breuer die Deutsche Bank rund 31,9 Millionen Euro kostete. Am Donnerstag einigten sich Deutschlands größte Bank und die Erben des 2011 verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Vergleich in ihrem jahrelang anhaltenden Streit. Demnach zahlt die Deutsche Bank 775 Millionen Euro an die Kirch-Familie, plus Zinsen und eine pauschale Kostenerstattung, insgesamt also 925 Millionen Euro. Ein Rückblick auf die Chronologie des Prozesses zeigt, dass das Institut damit gar nicht so schlecht bedient ist.

Ursprung des Streits war das besagte Interview, welches der damalige Deutsche Bank-Vorstandsvorsitzende Breuer im Februar 2002 der Nachrichtenagentur Bloomberg gab. Angesprochen auf die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe sagte Breuer: "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Die Kirch-Gruppe war Kunde bei der Deutschen Bank, Leo Kirch machte das Geldhaus im Anschluss für die folgende Pleite seines Medienunternehmens verantwortlich, zu dem unter anderem ProSiebenSat.1 und der Bezahlsender Premiere gehörte.

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Kirch-Prozess Neuer Zeuge belastet die Deutsche Bank schwer

Im Schadenersatzstreit der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank kommt das Gericht nicht weiter. Bisher hatten die Befragungen nur wenig ergeben. Doch jetzt meldet sich einem Bericht zufolge ein neuer Zeuge.

Im Kirch-Prozess wird die Deutsche Bank durch einen neuen Zeugen schwer belastet. Quelle: dpa

Darauf folgte eine von Kirch in Gang gesetzte Prozesslawine gegen Breuer und die Bank. Nach Kirchs Tod setzten seine Erben die juristische Dauerfehde fort, sie verklagen die Bank auf Schadenersatz in Milliardenhöhe. Schon Anfang 2006 erklärte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, dass die Bank grundsätzlich schadenersatzpflichtig sei. Zwar erstrecken sich diese laut BGH aber nur auf einen Teil des Kirch-Konzerns und müssen in neuen Verfahren durchgesetzt werden. Dennoch sollte dies die erste von einigen Niederlagen der Deutschen Bank sein. Breuer trat kurz danach von seinem Posten als Aufsichtsratschef zurück, ein Grund dafür soll auch der Kirch-Streit gewesen sein.

Darauf folgten allerdings mehrere Rückschläge seitens der Kirch-Gruppe. Schon im März 2009 entschied das Münchner Landgericht, dass es für Kirchs Forderungen in Höhe von insgesamt rund zwei Milliarden Euro aus formalen Gründen keine Grundlage gebe. Im Februar 2011 wies das Gericht erneut eine Klage Kirchs ab. In diesem Fall ging es um Schadenersatzforderungen von 1,3 Milliarden Euro.

Kurz darauf, im März 2011, folgte dann das persönliche Aufeinandertreffen von Breuer und Kirch vor Gericht. Kirch, im Rollstuhl sitzend und gezeichnet von jahrelanger schwerer Krankheit, kann nicht mehr sehen und kaum noch sprechen. Er versucht, Breuer die Schuld an seiner Insolvenz nachzuweisen. Eine Stunde kämpft er für seine Forderungen, dann erklärt ihn sein Arzt für vernehmungsunfähig. Es ist sein letzter öffentlicher Auftritt. Vier Monate später, im Juli 2011, verstarb der Medienmogul im Alter von 84 Jahren an den Folgen seiner Krankheit. Er hat aber zuvor dafür gesorgt, dass seine Erben die Forderungen gegen die Deutsche Bank weiterverfolgen können.

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