Deutsche Bank: John Cryans Strategie auf dem Prüfstand

Deutsche Bank unter Druck: Cryans Strategie steht auf dem Prüfstand

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Die Gewinneinbrüche der Deutschen Bank belaufen sich teilweise auf ein Fünftel.

Mit der Gewinnwarnung der Deutschen Bank zerstob vergangene Woche die Hoffnung, dass nach zwei Jahren Dauerkrise endlich ruhigere Fahrwasser erreicht sein könnten. Der Druck auf Vorstandschef John Cryan steigt.

Das Silvesterfeuerwerk war kaum vorbei, da platzte bei der Deutschen Bank die Bombe. Mit der Gewinnwarnung des größten deutschen Geldhauses zerstoben Ende vergangener Woche alle Hoffnungen, dass nach zwei Jahren Dauerkrise und satten Verlusten nun endlich ruhigere Fahrwasser erreicht sein könnten. Einmal mehr ist es das Investmentbanking, die einstmalige Vorzeigesparte, die hinter den Erwartungen und der Konkurrenz zurückbleibt. Der Druck auf Vorstandschef John Cryan steigt: 2018 steht der Lackmustest für seine Drei-Säulen-Strategie an. Klappt der nicht, dürften die Rufe nach einem - auch personellen - Plan B lauter werden.

In den nächsten Monaten muss der 57-jährige Brite deshalb beweisen, dass es Sinn macht und für die Aktionäre finanziellen Wert schaffen kann, eine Investmentbank, eine Privatkundenbank und eine Vermögensverwaltung unter einem Dach zu betreiben. Noch glauben die großen Investoren an das Modell Universalbank. Doch bei weiteren Hiobsbotschaften riskiert die Bank, dass mächtigen Aktionären der Geduldsfaden reißt. "Die Strategie Cryans als solche steht nicht infrage – noch nicht", heißt es im Umfeld des Emirats Katar, mit zehn Prozent größter Einzelaktionär der Bank. Das klingt fast wie eine Drohung.

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Auch der zweite wichtige Ankeraktionär, der hierzulande immer noch weitgehend unbekannte und oft misstrauisch beäugte Mischkonzern HNA aus China, wird langsam unruhig angesichts des dritten Verlustjahrs in Folge. Hielten sich die Anteilseigner aus dem Reich der Mitte mit Kritik bislang eher zurück, steigt nun hinter den Kulissen vernehmlich das Grummeln. "Das ist sehr enttäuschend", heißt es von Seiten eines großen Investors, der nicht namentlich genannt werden will.

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Das Logo der Deutschen Bank Quelle: dpa

Banger Blick

Alle warten nun gespannt darauf, wie sich die Deutsche Bank auf dem wichtigen US-Markt im Vergleich zu den Platzhirschen geschlagen hat. Erste Hinweise darauf gibt es am Freitag, wenn JP Morgan die Bilanz 2017 veröffentlicht, kommende Woche folgen weitere Dickschiffe wie Morgan Stanley und Goldman Sachs. Auch sie haben bereits gewarnt, dass der Handel mit Aktien, Anleihen, Devisen und Rohstoffen im vierten Quartal alles andere als gut gelaufen ist. Im Schnitt rechnen die US-Häuser mit einem Minus von 15 Prozent.

Die Deutsche Bank erwartet aber sogar einen Absturz um mehr als ein Fünftel. Verschärfend kommt noch hinzu, dass die Amerikaner im Vergleichsquartal, also dem Zeitraum Oktober bis Dezember 2016, außerordentlich hohe Gewinne einfuhren, weil die Märkte vor und nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hervorragend liefen. Die Deutsche Bank darbte in dieser Zeit - unter anderem, weil eine milliardenschwere Strafe ausgerechnet in den USA wie ein Damoklesschwert über dem Institut hing und viele Kunden auch deshalb fernblieben. Im Ergebnis ist der Ertragsrückgang bei der Deutschen Bank damit schmerzlicher als bei der Konkurrenz.

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Harte Zeiten für die Frankfurter also. Umso härter, als die beiden anderen Säulen, die das Institut eigentlich stabil halten sollen, wenn es im Handel und in der Beratung bei Übernahmen und Börsengängen mau läuft, derzeit Großbaustellen gleichen. Zwar treibt Cryan die Integration der Postbank mit Hochdruck voran und der Börsengang der Vermögensverwaltung soll noch im Sommer frisches Geld in die Kasse spülen. Doch ob das reicht, um die frustrierten Aktionäre bei Laune zu halten?

Im Fadenkreuz

Noch halten vor allem die großen Aktionäre zu Cryan. Dagegen rückt die zweite Reihe - Marcus Schenck und Garth Ritchie, die beiden für das Investmentbanking verantwortlichen Top-Manager - ins Fadenkreuz. "Letztlich stellt sich die Frage, ob da die richtigen Leute an der Spitze der Investmentbank stehen", heißt es von einem großen Investor. Dringend vertragen könne die Bank eine Persönlichkeit, die in den USA das Handelsgeschäft wieder auf die Erfolgsspur führt, heißt es. Von einem "Regenmacher" wie dem einstigen Star-Händler und späteren Co-Vorstandschef Anshu Jain kann man in Frankfurt derzeit wohl nur träumen.

Michael Hünseler von dem auf institutionelle Investoren spezialisierten Vermögensverwalter Assenagon kann sich einen Befreiungsschlag nur dann vorstellen, wenn auch die Köpfe ganz oben ausgetauscht werden. "Man sollte darüber nachdenken. Cryan hat sich viele Verdienste erworben, aber für die Zukunft ist es Zeit, eine Strategiedebatte anzustoßen und das kann nur mit einem neuen Management geschehen." Sollte sich Aufsichtsratschef Paul Achleitner diese Argumentation zu eigen machen, wäre der seit Mitte 2015 mit der Sanierung der Bank beschäftigte Cryan wohl Geschichte. Die Zeit wird knapp: zum 150. Geburtstag der Bank in zwei Jahren wollen die Aktionäre Grund zum Feiern haben.

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