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Deutsche Bank: Was der Doppelspitze bevorsteht

Quelle: Handelsblatt Online

Bei der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank wird sich am Donnerstag Josef Ackermann mit seinen Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen zeigen. Der Auftritt wird mit Spannung erwartet - ebenso die neue Strategie.

Blick auf die Zentrale der Deutschen Bank durch ein Fernglas. Quelle: Reuters
Blick auf die Zentrale der Deutschen Bank durch ein Fernglas. Quelle: Reuters

DüsseldorfAm morgigen Donnerstag sitzen Anshu Jain und Jürgen Fitschen bei der Präsentation des Jahresergebnisses der Deutschen Bank erstmals in einer Reihe mit dem scheidenden Instituts-Chef Josef Ackermann. Es wird ein Bild für die Fotografen: der Erblasser und seine Erben. Und das Bild wird vor allem eine Aufgabe haben: Es muss angesichts des sich abzeichnenden Strategiewechsels beim nationalen Branchenführer Harmonie demonstrieren.

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Ackermann hinterlässt, so sehr es ihn auch wurmt, kein bestelltes Haus. Das liegt weniger an seiner Strategie, sondern mehr an dem sich rasant ändernden Umfeld für eine Branche, die unter Beobachtung steht. Es liegt aber auch daran, dass sie die Führungskräfte der Bank jahrelange Diadochenkämpfe geliefert haben, bevor sie sich schließlich auf die salomonische Lösung einer Doppelspitze einigten.

Diese Doppelspitze, die von Juni an amtiert, hat keine Zeit für einen langsamen Beginn. Sie muss Ergebnisse liefern – trotz Bankenabgabe, höheren Eigenkapitalanforderungen, dem Kapitalzuschlag, der von systemischen Instituten verlangt wird, und einer drohenden Finanztransaktionssteuer.

Das Investment-Banking wird wegen der veränderten Rahmenbedingungen künftig nicht mehr so dominant sein wie in der Vergangenheit, als es bis zu zwei Drittel des Konzerngewinns erwirtschaftete. Es ist nicht nur mit einem zyklischen Abschwung konfrontiert, sondern mit einem strukturellen Problem. Denn neue, wesentlich härtere Regeln für Kapital- und Liquiditätspuffer schmälern die Rendite. Im dritten Quartal 2011 schrumpfte der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Viertel auf 329 Millionen Euro zusammen.

Es ist gut möglich, dass der neuen Realität mehr als die bisher angekündigten 500 Stellen zum Opfer fallen werden, denn Finanzvorstand Stefan Krause sagt: „Wir passen unseren Personalbestand an und werden das fortsetzen, wenn das Umfeld so bleibt, wie es derzeit ist.“ In Europa gehören die Investmentbanker, die bisher von Jain geführt wurden, zwar zur Elite, der ganz große Durchbruch in den USA ist aber trotz der milliardenschweren Übernahme von Bankers Trust 1998 nicht gelungen. Entscheidend für den Erfolg des Inders als Vorstandschef wird es sein, die Wall Street zu erobern. Sein erklärtes Ziel ist ein Platz unter den Top fünf.


Viele Baustellen für Jain und Fitschen

Um die Abhängigkeit vom Investment-Banking zu verringern, hat bereits Ackermann die weniger zyklischen Geschäftsbereiche durch Übernahmen der Postbank und der Privatbank Sal. Oppenheim gestärkt. Im Privatkundengeschäft, das der Deutschen Bank als einziges Segment wirklich Freude bereitet, muss Rainer Neske als zuständiges Vorstandsmitglied die Postbank stärker integrieren und profitabler machen. Der Ärger mit den Beschäftigten schwelt. Neske kann bei der neuen Tochter in diesem Jahr über einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag erstmals richtig durchgreifen. Immerhin ist ihm im dritten Quartal mit 310 Millionen Euro ein fast so hoher Vorsteuergewinn gelungen wie den Investmentbankern. Das entspricht der mittelfristigen Zielsetzung eines ausbalancierten Geschäftsmodells. Allerdings fehlt im Trio Jain, Fitschen, Achleitner ein Vertreter des Privatkundengeschäfts.

Die Deutsche Bank hat Ende November einen Großteil der kriselnden institutionellen Vermögensverwaltung auf dem Prüfstand gestellt. Bis Anfang Januar mussten 50 potenzielle  Käufer ein erstes unverbindliches Angebot abgeben. Grund für die angestrebte Trennung ist, dass ihr hier die kritische Größe fehlt. Ingesamt stehen verwaltete Vermögen von 410 Milliarden Euro und rund 1500 Mitarbeiter zur Disposition. Der Chef des Asset Managements, Kevin Parker, wird aller Voraussicht nach zum Käufer der Sparte wechseln. Er gehört auch dem Group Executive Committee an, dem wichtigsten Führungsgremium der Deutschen Bank nach dem Vorstand. Das dürfte Anshu Jain und Jürgen Fitschen nicht ungelegen kommen, denn Parkers Verhältnis mit der künftigen Doppelspitze gilt als angespannt.

Auch Pierre de Weck, der das Geschäft mit vermögenden Privatkunden verantwortet und ebenfalls im Group Executive Committee sitzt, wird die Bank wohl verlassen. Der Schweizer erreicht jedes Alter, von dem seine Landsleute sagen, dass dann die „Alterguillotine“ zuschlägt.

Auf Eis liegt derzeit auch der Verkauf der BHF-Bank. Sie hat sich die Deutsche Bank mit dem Erwerb des Bankhauses Sal Oppenheim vor zwei Jahren eingehandelt. An sich sollte sie längst weiter veräußert sein. Doch es mangelt an soliden Käufern. Der Finanzinvestor Ripplewood, der vom ehemaligen Dresdner Banker Leonhard Fischer geleitet wird, hatte Interesse signalisiert, bislang aber kein solides Angebot vorgelegt.

Jede Menge Arbeit also für Jürgen Fitschen und Anshu Jain.

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