Deutsche Bank: Wohin mit der Postbank?

Deutsche Bank: Wohin mit der Postbank?

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Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan. Der Plan sich in diesem Jahr von der Postbank zu trennen, wurde ad acta gelegt.

von Melanie Bergermann und Cornelius Welp

Deutschlands größtes Kreditinstitut wird die Postbank nicht so schnell los wie erhofft, mögliche Käufer gibt es kaum. 2016 wird allenfalls ein kleiner Teil der Deutsche Bank-Tochter an die Börse gehen.

Beim Managementtreffen der Postbank im Dezember in Berlin war die Stimmung so gut wie schon lange nicht mehr. Viele der mehreren Hundert Anwesenden hätten wie befreit gewirkt, berichtet ein Teilnehmer. Nach sieben Jahren im Eigentum der Deutschen Bank lockt die Postbanker eine Zukunft fernab von den Skandalen des Mutterkonzerns und dessen als arrogant empfundenen Managern. Mancher träumt da von einer Rückkehr alter Zeiten, als die Postbank sogar im Dax notiert war.

Die freudige Aufbruchstimmung dürfte jedoch bald einen Dämpfer bekommen. Wie die WirtschaftsWoche von Aufsichtsratskreisen und dem Management des Deutsche-Bank-Konzerns erfuhr, haben die Führungskräfte den Plan, sich in diesem Jahr von der Postbank zu trennen, ad acta gelegt. Allenfalls ein kleiner Teil werde an der Börse platzierbar sein, heißt es. Ohnehin würde Vorstandschef John Cryan das Bonner Institut lieber an einen einzelnen Konkurrenten verkaufen. Die Deutsche Bank erklärte hierzu, dass die Entkonsolidierung der Postbank erklärtes Ziel bleibe.

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Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

  • Geldwäsche in Russland

    Im Juni wurde bekannt, dass Ermittler rund um den Globus dem Verdacht nachgehen, russische Kunden könnten über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Die Bank hat versprochen, zur Aufarbeitung der Affäre mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Mehrere Mitarbeiter in der Moskauer Niederlassung wurden deshalb vor die Tür gesetzt, darunter auch der ehemalige Chef-Händler in Russland, Tim Wiswell.

    Inzwischen hat die Affäre eine neue Dimension erreicht: Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS) prüfen laut einem Medienbericht, ob die Bank gegen Sanktionen verstoßen hat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden und ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hat, um solche Verstöße zu verhindern.

  • US-Sanktionen gegen den Iran

    Schon länger steht die Deutsche Bank im Verdacht, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA gegen Länder wie den Iran verhängt haben. Die Gespräche über einen Vergleich laufen, wie Insider berichten. Intern gab es zuletzt die Hoffnung, dass dieses Thema zeitnah abgeschlossen werden kann. Die Bank hat betont, sie habe sich bereits 2007 aus Iran-Geschäften zurückgezogen. Einige andere Finanzinstitute mussten für Vergleiche in der Sache bereits tief in die Tasche greifen: Die französische BNP Paribas zahlte knapp neun Milliarden Dollar, die Commerzbank 1,45 Milliarden Dollar.

  • US-Hypotheken

    Ende 2013 zahlte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro für die Beilegung ihres größten Rechtsstreits im Zusammenhang mit fragwürdigen Hypothekengeschäften in den USA. Das Institut soll vor der Finanzkrise beim Verkauf von Wertpapieren, die mit Hypotheken unterlegt sind, falsche Angaben gemacht haben. Andere Verfahren, die die amerikanischen Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen die Deutsche Bank und weitere Häuser angestrengt hatte, sind aus dem Vergleich jedoch ausgeklammert. Auch andere Klagen liegen noch auf dem Tisch und könnten potenziell viel Geld kosten.

  • Kirch

    Die Bank ist nach Ansicht des Oberlandesgerichts München mitverantwortlich für die Pleite des Medienkonzerns im Jahr 2002. Grund ist ein Interview des damaligen Bankchefs Rolf Breuer, in dem dieser Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit gesät hatte. Anfang 2014 einigten sich die Streitparteien in einem Vergleich zwar auf Schadenersatz von 925 Millionen Euro. Doch die strafrechtlichen Ermittlungen gegen einzelne Spitzenmanager der Bank wegen versuchten Prozessbetrugs liefen weiter. Die Staatsanwaltschaft München erhob schließlich Anklage gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen sowie die früheren Spitzenmanager Josef Ackermann, Rolf Breuer und Clemens Börsig. Prozessauftakt war im April, das Verfahren zieht sich. Die Ermittlungen wurden zudem auf den heutigen Rechtsvorstand Stephan Leithner und die Anwälte der Bank ausgeweitet.

  • CO2

    Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Bank wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten. Rund 500 bewaffnete Polizisten und Steuerfahnder hatten deshalb Ende 2012 den Hauptsitz der Bank in Frankfurt und andere Büros durchsucht. Co-Chef Fitschen und der langjährige Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu ursprünglich 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Denn Fitschen und Krause hatten die auf dem CO2-Betrug basierende Steuererklärung unterzeichnet. Im August diesen Jahres erhob die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schließlich gegen acht beteiligte Kundenbetreuer und Händler der Deutschen Bank Anklage wegen "bandenmäßiger Steuerhinterziehung".

  • Zinsskandal

    Wegen der Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor musste die Deutsche Bank viel Geld abdrücken. Die EU-Kommission verhängte Ende 2013 eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken, davon entfiel mit 725 Millionen Euro der Löwenanteil auf das Frankfurter Geldhaus. Die Behörden in Großbritannien und den USA brummten der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar auf. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat in ihrem Bericht zur Zinsaffäre eine Reihe von Top-Managern scharf angegriffen und ihnen zu laxe interne Kontrollen beziehungsweise eine mangelnde Aufklärung der Tricksereien vorgeworfen. Darunter war auch Co-Vorstandschef Anshu Jain, der im Frühsommer sein Amt zur Verfügung stellte. Einen Zusammenhang zwischen dem Rücktritt und dem BaFin-Bericht wies die Bank allerdings zurück.
    Mit vier mutmaßlich in den Zinsskandal verwickelten Händlern hat sich die Deutsche Bank in Frankfurt nach langem Hin und Her auf einen Vergleich geeinigt, der ebenfalls Geld kostete.
    Ob das Zinskapitel wirklich abgeschlossen ist, ist offen. In den USA könnten auch Sammelklagen von Anlegern gegen die Bank zugelassen werden. Sie müssen aber eindeutig nachweisen, dass ihnen durch die Manipulationen Nachteile entstanden sind.

  • Devisen und Derivate

    Aufseher, darunter auch die BaFin, gehen dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt ebenfalls getrickst haben. Einige internationale Großbanken haben in der Sache bereits milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt nicht. Sie hat Finanzkreisen zufolge aber mehrere Händler vom Dienst suspendiert. Sie stehen offenbar im Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Deutsche Bank hat erklärt, dass sie zur Aufklärung des Skandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet und zudem eine interne Untersuchung gestartet hat. Diese Untersuchung ergab nach Angaben aus Finanzkreisen, dass es bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen gibt, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso.
    Vom Haken sind die Frankfurter aber nicht: In der US-Niederlassung der Bank installierte die New Yorker Finanzaufsicht DFS einen Kontrolleur, der sich Finanzkreisen zufolge nun schon seit einigen Monaten das elektronische Devisenhandelssystem genauer anschaut. Demnach sind Algorithmen der Plattform "Autobahn" Teil der Ermittlungen.
    Amerikanische und deutsche Aufseher gehen zudem dem Verdacht nach, dass Geldhäuser den viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte (Isdafix) zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Sie haben auch dazu Informationen von der Deutschen Bank angefordert.

  • US-Steuerstreit

    Das US-Justizministerium ermittelt seit mehr als fünf Jahren gegen Finanzinstitute in der Schweiz wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Am Haken haben die Behörden seit 2013 auch die Deutsche Bank. Deren Schweizer Tochter erstatte Selbstanzeige. Finanzkreisen zufolge hat sich die Deutsche Bank bei den US-Behörden gemeldet, weil sie den Verdacht hegte, einige US-Kunden könnten ihr Vermögen in der Schweiz vor dem heimischen Fiskus versteckt haben. Seither würden Daten an die USA geliefert und Anfragen beantwortet. Eine Strafzahlung könne die Bank damit aber wohl nicht abwenden, sondern nur auf einen Rabatt hoffen. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Bußgeld kann sich auf bis zu 50 Prozent der versteckten Gelder belaufen.

Den Abschied von der Postbank hatte der Vorstand Ende April noch unter Cryans Vorgänger Anshu Jain beschlossen. Die geplante Trennung war das wichtigste Ergebnis einer monatelangen Strategiedebatte – und eine Rolle rückwärts.

Ab 2008 hatte die Deutsche die Postbank schrittweise übernommen. Die Banken hatten in der Finanzkrise Schwierigkeiten, sich Geld für ihre Geschäfte am Kapitalmarkt zu leihen. Der damalige Bankchef Josef Ackermann strebte an, sich mit der Postbank, bei der viele Privatkunden ihr Erspartes horten, eine weitere Refinanzierungsquelle zu erschließen. Zudem wollte er sein Haus unabhängiger von den Erträgen der Investmentbanker machen.

Kaum Käufer

Der Plan ging jedoch nur ansatzweise auf. Zwar lieferte die Postbank stabile Erträge, doch die Finanzaufsicht BaFin hatte der Deutschen Bank untersagt, das Geld der Postbankkunden vollumfänglich zu nutzen.

Nun zwingen die Aufseher die Banken auch noch, ihr Eigenkapital hochzufahren. Um die Anforderungen zu erfüllen, muss die Deutsche Bank Geschäft loswerden, was den Ausschlag für den Rückzug aus Bonn gab. Eine Rückkehr der Tochter an die Börse kündigten Jain und sein Co-Chef Jürgen Fitschen für spätestens Ende 2016 an.

Das wird nicht einfach. Zwar wird sich die Deutsche Bank voraussichtlich bis Ende Juni technisch von der Postbank trennen können, nachdem in den vergangenen Jahren etwa die IT zusammengelegt worden war. Doch das derzeitige Zinsumfeld macht einen mehrheitlichen Verkauf der Postbank zu einem attraktiven Preis unmöglich. Vor einem Jahr hatte die Deutsche Bank ihre Beteiligung noch mit rund sechs Milliarden Euro bewertet. Cryan hat diesen Wert mittlerweile wohl um rund zwei Milliarden Euro nach unten korrigiert. Doch selbst die dürften bei Investoren nur schwer zu erzielen sein. Abschreibungen wären die Folge.

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