Deutsche Bank: Zeugen sagen im Prozess gegen Manager aus

Deutsche Bank: Zeugen sagen im Prozess gegen Manager aus

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Jürgen Fitschen steht zu Beginn des Strafprozesses gegen ihn und weitere Ex-Manager der Bank wegen versuchten Betrugs im Kirch-Prozess im Gerichtssaal des Landgerichts München I.

Die Deutsche Bank hatte bereits Monate vor der Kirch-Pleite Pläne für eine Restrukturierung der Mediengruppe. Ging es der Bank dabei um eine Zerschlagung oder um Arbeitsnachweise der zuständigen Banker?

Die Deutsche Bank hatte nach Darstellung eines ehemaligen Bankers bereits Monate vor der Kirch-Pleite Pläne für eine Restrukturierung der Mediengruppe in der Schublade. Unter dem Geheimnamen „Barolo“ nach dem italienischen Wein seien diese bei der Deutschen Bank erarbeitet worden, sagte er als Zeuge im Prozess gegen fünf Top-Banker des Frankfurter Geldhauses vor dem Landgericht München.

Es habe sich aber nur um Gedankenspiele gehandelt, nicht um konkrete Pläne etwa für eine Zerschlagung der Kirch-Gruppe.

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Chronologie: Kirch und die Deutsche Bank

  • Februar 2002

    Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer stellt die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe infrage. In einem TV-Interview sagt er: „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“

  • April 2002

    Die Kirch-Gruppe stellt Insolvenzantrag für ihr Kerngeschäft. Später folgt die Dachgesellschaft Taurus-Holding.

  • Januar 2006

    Der Bundesgerichtshof (BGH) stellt fest, die Bank und Breuer seien dem Medienunternehmer Leo Kirch grundsätzlich zur Zahlung von Schadenersatz verpflichtet. Eine Haftung der Bank für den Zusammenbruch des gesamten Medienimperiums verneinen die Richter.

  • 14. Juli 2011

    Leo Kirch stirbt im Alter von 84 Jahren.

  • November 2011

    Die Staatsanwaltschaft München verdächtigt den damaligen Bank-Chef Josef Ackermann, im Kirch-Prozess falsche Angaben gemacht zu haben. Auch Ex-Chef Breuer und andere Manager sind im Visier der Behörde - später auch der heutige Co-Chef Jürgen Fitschen.

  • 14. Dezember 2012

    Das Oberlandesgericht (OLG) München verurteilt die Deutsche Bank zu Schadenersatz für Verluste in Folge der Pleite des Kirch-Imperiums. Die Höhe soll von zwei Gutachtern bestimmt werden.

  • 20. Februar 2014

    Die Deutsche Bank zahlt den Kirch-Erben in einem Vergleich 925 Millionen Euro.

  • 23. September 2014

    Die Münchner Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Fitschen, seine Vorgänger Breuer und Ackermann, den ehemaligen Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Clemens Börsig, sowie Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck. Sie wirft ihnen unrichtige Zeugenaussagen vor und geht von versuchtem Betrug in einem besonders schweren Fall aus.

  • 2. März 2015

    Das Landgericht München lässt die Anklage in vollem Umfang zu.

  • 28. April 2015

    Prozessbeginn vor dem Landgericht München. Für die Verhandlung hat das Gericht zunächst 16 Verhandlungstage bis zum 22. September angesetzt.

Letztlich sei es auch um Tätigkeitsnachweise gegangen, um bei Bedarf zu belegen, dass die zuständigen Banker ihre Arbeit gemacht hatten. „Kirch war damals in aller Munde. Wenn wir uns nicht angestrengt hätten und Planspiele erstellt, wären wir gefeuert worden.“ Den Projektnamen hatte sich der Banker selbst ausgedacht. „Weil ich ein leidenschaftlicher Weinsammler bin.“

Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Projekt „Barolo“ hingegen einen Beweis dafür, dass die Bank damals auf dem Höhepunkt der Krise des Medienunternehmens im Jahr 2002 Interesse an einem Beratungsauftrag von Kirch hatte. In einem Prozess um Schadenersatzforderungen für die Pleite des Unternehmens vor vier Jahren hatten die Ex-Vorstände Rolf Breuer, Josef Ackermann, der amtierende Co-Chef Jürgen Fitschen sowie zwei weitere Top-Banker dies aber anders dargestellt und damit aus Sicht der Anklage die Richter getäuscht.

Die Staatsanwaltschaft sieht darin einen Fall von Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall, für den jahrelang Haftstrafen drohen. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Der Medienunternehmer Leo Kirch hatte Breuer und die Deutsche Bank sein Leben lang für die Pleite seines Konzerns verantwortlich gemacht. In einem Fernseh-Interview hatte Breuer im Jahr 2002 öffentlich die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt. Kurz darauf meldete die Mediengruppe Insolvenz an.

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Aus Sicht von Kirch wollte Breuer ihn mit dem Interview in die Pleite treiben und dann Geld an der Zerschlagung des Unternehmens verdienen. Kirch und später seine Erben hatten dafür Schadenersatz in Milliardenhöhe gefordert - letztlich einigten sich beide Seiten auf 925 Millionen Euro.

Mit Äußerungen von Breuer hatte die Deutsche Bank nach Darstellung ihres ehemaligen Chef-Juristen auch schon in anderen Fällen Ärger. „Es ist schon ein paar Mal vorgekommen, dass er etwas suboptimale Antworten gegeben hat“, sagte er als Zeuge. In drei Fällen habe es deshalb gerichtliche Auseinandersetzungen gegeben.

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