Deutsche Bank: Zukunft im Nebel

Deutsche Bank: Zukunft im Nebel

Bild vergrößern

Die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (l) und Anshu Jain (r). Zwar lief das Jahr für die Deutsche Bank besser als von vielen erwartet, aber trotzdem stehen noch viele Maßnahmen an

von Cornelius Welp

Das vierte Quartal 2014 ist für die Deutsche Bank überraschend positiv gelaufen. Dennoch sind harte Schnitte unausweichlich.

Ganz so schlimm ist es doch gar nicht. Mit ihren heute vorgestellten Zahlen für das vierte Quartal 2014 hat die Deutsche Bank ausnahmsweise positiv überrascht. Statt eines von Analysten erwarteten Verlusts verdiente sie 441 Millionen Euro. Das hat vor allem zwei Gründe: Im Investmentbanking lief es besser als erwartet, für Rechtsstreitigkeiten musste sie weniger als befürchtet zurückstellen.

Die Bankchefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain bemühten sich denn auch, zumindest vorsichtigen Optimismus zu verbreiten. Dafür zählten sie auf, was sie in den gut zweieinhalb Jahren seit ihrem Amtsantritt alles erreicht haben. Die Bank sei stabiler, stärker, besser ausbalanciert, sicherer und verantwortungsvoller, lobten sie sich selbst. Als Beleg dafür verwiesen sie auf die gestiegenen Erträge in Geschäften wie der Vermögensverwaltung, den Abbau von Risikogeschäft und vor allem auf die deutlich bessere Kapitalausstattung. Tatsächlich blieb ihre Botschaft auch an der sonst so skeptischen Börse nicht ungehört. Um immerhin 2,5 Prozent legte der Kurs bis zum Mittag zu.  

Anzeige

Investoren und Mitarbeiter vermissen eine klare Strategie

Doch Fitschen und Jain ließen zu Recht keinen Zweifel daran, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt. Und sie machten auch nicht den Fehler, das insgesamt enttäuschende Abschneiden der Bank allein auf widrige äußere Umstände wie strenge Regulierer und niedrige Zinsen zu schieben. An etlichen Stellen seien sie noch nicht da, wo sie sein wollten, ließen sie wissen. Wo das genau ist, bleibt allerdings offen. Investoren wie Mitarbeiter vermissen derzeit vor allem eine klare Strategie. Die will die Bank nun liefern, vor der Hauptversammlung im Mai soll sie stehen.

Eigentlich sollte die neue Strategie erst im zweiten Quartal 2015 verkündet werden. Experten sprechen aber schon jetzt von radikalen Änderungen. Besonders das Privatkundengeschäft sei von den Reformen betroffen.

Bis dahin bleibt die Bank auf Sinnsuche, liegt die Zukunft im Nebel. Die Topmanager trugen wie erwartet wenig dazu bei, dass der sich lichtet. Immerhin machten sie klar, dass die Kosten weiter sinken müssen.  Ob dazu wie vielfach vermutet ein größerer Stellenabbau gehört, ließen sie offen. Ob sie die Postbank oder Beteiligungen aus andern Geschäftszweigen verkaufen wollen, ebenso. So bekannten sie sich dazu, die Führungsposition aus dem Heimatmarkt und im Privatkundengeschäft halten zu wollen und verteidigten das Modell der Universalbank. Dazu zählen für sie aber vor allem der globale Anspruch und ein bereits Produktangebot. 

Banker wünschen sich radikale Schnitte

Weitere Artikel

Bis Mai dürfte sich an der Unsicherheit und der angespannten Stimmung in der Bank so kaum etwas ändern. Die Unzufriedenheit ist überall zu spüren. Viele Deutschbanker wünschen sich radikale Schnitte und einen großen Befreiungsschlag. So wenig die Banker aus den verschiedenen Sparten sonst auch gemeinsam haben, eint sie derzeit doch die Erkenntnis, dass es so wie bisher nicht weiter gehen kann. Vielen ist es fast schon egal, was passiert. Hauptsache, es passiert überhaupt etwas.

Zur Zukunft der Postbank hat da jeder seinen eigenen Plan. Wirkliche Argumente für oder gegen den Verbleib im Konzern lieferte das Bonner Institut Ende 2014 nicht. Das gesamte Privatkundengeschäft schnitt da ungewohnt schlecht ab. In Deutschland machten sowohl die Deutsche Bank als auch die Postbank im Schlussquartal 2014 Verlust. Nur dank der internationalen Präsenz rutschte das Geschäft nicht komplett in die roten Zahlen. Der Einbruch liegt weniger am schlechten Marktumfeld als an einem BGH-Urteil, mit dem Kunden vor Jahren gezahlte Kreditgebühren zurückfordern können. Die  Erträge blieben weitgehend stabil. Genau deshalb hatte die Deutsche Bank das Segment vor ein paar Jahren mit den Zukäufen ausgebaut. Zwar werden niedrige Zinsen und Digitalisierung des Geschäfts es vor allem der Postbank in den kommenden Jahren sicher nicht leichter machen. Dennoch kann sie eine wichtige Säule der Bank bleiben, die deren Verantwortliche nicht voreilig abreißen sollten.     

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%