Dietrich Voigtländer: Der WestLB-Chef rechnet ab

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Dietrich Voigtländer: Der WestLB-Chef rechnet ab

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WestLB-Chef Voigtländer sieht in der Nachfolgerin Portigon eine spannende Herausforderung; unter bestimmten Voraussetzungen

von Anke Henrich

Dietrich Voigtländer, der Chef der zerschlagenen Landesbank WestLB, geht mit den Sparkassen, den Ministerpräsidenten und der Bundesregierung hart ins Gericht. Gerade aus Berlin hätte er mehr Hilfe gebraucht.

WirtschaftsWoche: Herr Voigtländer, welche Chancen geben Sie den verbleibenden Landesbanken nach der Schließung der WestLB nächste Woche?

Voigtländer: Ich bin fest davon überzeugt, dass der Landesbankensektor in der jetzigen Aufstellung langfristig nicht überlebensfähig ist. Um Strukturen anzupassen und Kapazitäten abzubauen, sind Fusionen am sinnvollsten, auch wenn sie leider einen unvermeidbaren und schmerzhaften Personalabbau bedeuten. Schon vor Jahren gab es Ankündigungen von Ministerpräsidenten, sich diesem Thema zu widmen. Aber passiert ist nichts. Bis heute werden überkommene Strukturen einzementiert, und regionale Interessen bleiben im Vordergrund.

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Sie haben als Vorstand im Genossenschaftsbereich erfolgreiche Bankzusammenschlüsse erlebt. Warum klappt das bei den Sparkassen und Landesbanken nicht?

Anders als Sparkassen stehen Genossenschaftsbanken unter denselben ökonomischen Sachzwängen wie Privatbanken. Und Genossen ringen so lange auf der Basis von Zahlen, Fakten, Kundenbedürfnissen und Bilanzen, bis sie einen vernünftigen Kompromiss finden – und das in einer offenen Feldschlacht. Bei den Sparkassen wird hinter den Kulissen telefoniert und die beschriebenen Fragen kommen, soweit ich das erlebe, erst am Ende. Dort ist am wichtigsten: Wie kann ich den Ist-Zustand bewahren?

Zerschlagung am 1. Juli Wie sich die WestLB selbst abwickelt

Noch nie machte in Deutschland eine so große Bank dicht. Bei der WestLB wird der Weg ans Ende begleitet von Schmerz, Streit und der vagen Hoffnung, dass doch noch ein gewisser Rest überlebt.

Quelle: dpa

Kann das größte deutsche Bundesland auf eine eigene Landesbank verzichten?

Die Zeiten, in denen ein Bundesland die eigene Bank braucht, sind doch seit Jahrzehnten vorbei. Ein Land braucht, gerne in Kooperation mit anderen Bundesländern, leistungsfähige Dienstleister für den regionalen Mittelstand und die Sparkassen. So wie es mit der Helaba für Hessen und Thüringen längst funktioniert. Aber ich warne davor, sich zu sehr auf diejenigen zu verlassen, die immer nur erklären, was alles nicht geht. Das killt sämtliche Initiativen.

Sie sind 2008 angetreten, um die WestLB zu retten. Sind Sie gescheitert?

Ich habe die WestLB nicht retten können. Die ganze Bank hat im Jahr 2011 hart an einem Gegenentwurf zur Umstrukturierung gearbeitet, wie sie die EU wollte. Statt einer Zerschlagung wollten wir die überalterten Strukturen im Landesbankensektor aufbrechen und über Bundeslandgrenzen hinweg Kräfte bündeln. Das wäre Erfolg versprechend gewesen. Aber ich habe die externen Einflüsse und die Veränderungsresistenz unterschätzt.

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