Dispo-Zinsen: Zinsanpassung im Schneckentempo

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KommentarDispo-Zinsen: Zinsanpassung im Schneckentempo

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Eine aktuelle Studie zeigt: Für das Überziehen des Girokontos müssen Kunden oft viel zu hohe Zinsen zahlen - obwohl Banken und Sparkassen so günstig an Geld kommen wie nie

von Martin Gerth

Der niedrigste Zins ist der, den man erst gar nicht zahlen muss. Geht der Kunde mit seinem Girokonto ins Minus, freut sich die Bank. Geldhäuser passen die Dispo-Zinsen nur zögerlich an die gesunkenen Marktkonditionen an - zum Schaden der Kunden.

Kaum eine Bank kann es sich heute noch leisten, Gebühren für ein Girokonto zu nehmen. Derzeit wirbt beispielsweise die Postbank massiv um Kunden für ein gebührenfreies Konto. Natürlich sind auch Gehaltskonten für die Bank nicht kostenlos. Was sie auf der einen Seite an Gebühren streicht, holt sie sich an anderer Stelle wieder. Schließlich sind Banken keine Wohlfahrtsinstitute.

Dass merken die Bankkunden spätestens wenn am Ende des Geldes noch Monat übrig ist. Ist das Konto im Minus, bieten Banken zwar Dispositionskredite an, aber zu deutlich höheren Zinsen als für Konsumentenkredite. Einzelne Banken gehen mit ihren Konditionen für Überziehungskredite bis knapp an die 15-Prozent-Marke. Konsumentenkredite sind dagegen deutlich günstiger: Nach einer aktuellen Übersicht der FMH-Finanzberatung kostet ein Darlehen von 10.000 Euro über zwölf Monate bei den zehn günstigsten Anbietern effektiv zwischen 3,95 und 5,99 Prozent pro Jahr.

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Kaum eine Bank senkt Zinsen

Nicht allein die Höhe des Dispo-Zinses ist ärgerlich. Die Banken lassen sich viel Zeit, die Konditionen anzupassen, wenn sie sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) billiger Geld leihen können. So senkte die EZB kurz nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers den Leitzins von 3,75 Prozent im Oktober auf 2,5 Prozent im Dezember. Die durchschnittlichen Konditionen für Dispositionskredite blieben 2008 dagegen unverändert. Dies ist kein Sonderfall. Nach einer Umfrage von Iff-Institut für Finanzdienstleistungen und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 34 Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken, passten im Zeitraum November 2008 bis November 2011 vier Institute ihre Dispo-Zinsen gar nicht an, weitere zwei erhöhten sogar ihre Konditionen. Zehn Banken senkten ihre Dispo-Zinsen lediglich um einen Prozentpunkt. Zum Vergleich: die EZB senkte ihren Leitzins im gleichen Zeitraum von 3,25 auf 1,25 Prozent, also um ganze zwei Prozentpunkte.

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Wer als Bank seine Kreditkonditionen im Schneckentempo anpasst, greift sich zwangsläufig höhere Margen ab. Aktionäre mag das freuen, für Bankkunden ist es ein echtes Ärgernis. Auch die Zinsen für Dispositionskredite sollten die Marktentwicklung widerspiegeln. Banken, die mit überzogenen Dispo-Zinsen an anderer Stelle Lockangebote subventionieren, handeln kurzsichtig. Bisher konnten sich die Banken weitgehend auf die Bequemlichkeit ihrer Kunden verlassen. Kaum jemand vergleicht alle Konditionen im Kleingedruckten. Je mehr Transparenz jedoch in den Markt kommt, desto empfindlicher werden die Bankkunden auf Abzocke reagieren.

Die beste Methode gegen überzogene Zinsen sind solide Finanzen. Wir schimpfen gerne auf überschuldete Staaten, schauen aber viel zu selten auf die eigenen Kontoauszüge. Der niedrigste Zins ist der, den man erst gar nicht zahlen muss.

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