Dividende gestrichen: Société Générale schröpft Aktionäre

Dividende gestrichen: Société Générale schröpft Aktionäre

, aktualisiert 08. November 2011, 09:46 Uhr
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Die Zentrale der Societe Generale nahe Paris: Griechenland macht Sorgen.

von Tino AndresenQuelle:Handelsblatt Online

Es kam schlimm, aber es hätte noch schlimmer kommen können: Die Société Générale wurde von der Griechenland-Krise hart getroffen. Doch die Abschreibungen waren nicht so hoch wie erwartet. Die Aktionäre leiden dennoch.

ParisDie Schuldenkrise Griechenlands hat Frankreichs zweitgrößter Bank Société Générale einen überraschend starken Gewinneinbruch eingebrockt. Im vergangenen Quartal rutschte der Gewinn unter anderem wegen Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen um mehr als 30 Prozent auf 622 Millionen Euro ab, wie das Geldhaus am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt 858 Millionen erwartet.

Die Société Générale (SocGen) hat sich ein Beispiel an BNP Paribas genommen und griechische Staatsanleihen wie der Branchenführer in der vergangenen Woche auf 40 Prozent des  Nominalwerts abgeschrieben. Für das dritte Quartal bedeutete das konkret Abschreibungen in Höhe von 239 Millionen Euro. Insgesamt beziffert die Bank ihr Risiko in den besonders von der Schuldenkrise bedrohten Ländern Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien Ende Oktober auf 3,4 Milliarden Euro.

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Frankreichs zweitgrößtes Geldhaus hat sich vom 1. Juli bis 1. November von Aktiva in Höhe von zehn Milliarden Euro in der Sparte Investment-Banking getrennt. Damit sind nach seinen Angaben mehr als zwei Drittel der angekündigten Reduzierung umgesetzt. Bereits zuvor hatte SocGen angekündigt, die Kosten im Investment-Banking um fünf Prozent zu senken. Zusätzlich plant die Bank eine bisher nicht konkretisierte Verkleinerung ihrer Belegschaft. Den Liquiditätsbedarf hat sie seit Ende Juni um 40 Milliarden Euro gesenkt.

Nach Lesart von SocGen zeigt das deutlich positive Nettoergebnis „die Schlagfestigkeit“ ihres Universalbankmodells. Die Beurteilung durch die Ratingagentur Moody’s war Mitte September deutlich schlechter ausgefallen: Sie stufte die Bonität von SocGen um eine Stufe auf Aa3 herab, eine immer noch gute Kreditwürdigkeit. Zusätzlich ist der Ausblick negativ.

Bei einem angeblichen Geheimtreffen im Finanzministerium soll am 11. September eine „softe Verstaatlichung“ von Frankreichs zweitgrößter Bank zur Diskussion gestanden haben. Deren Chef Oudéa hätte eine Milliarden-Kapitalspritze akzeptiert, wenn auch die anderen Institute sie in Anspruch genommen hätten. Doch die BNP verweigerte diesen Schritt.

Das Management kündigte an, die Dividende für 2011 zu streichen, um die Kapitalbasis der Bank zu stärken. Dazu sollen früheren Angaben zufolge auch Geschäftsverkäufe beitragen. Den eigenen Kapitalbedarf bezifferte Societe Generale nun auf 2,1 Milliarden Euro. Dieser solle aus eigenen Mitteln aufgebracht werden. Nach den Beschlüssen der Euro-Krisengipfel hatte die französische Zentralbank den Kapitalbedarf der SocGen noch auf 3,3 Milliarden Euro beziffert.


Frisches Geld ist nötig

Bereits in der vergangenen Woche hatte die BNP Paribas ihre Zahlen vorgelegt: Der Gewinn von Frankreichs größter Bank ist im dritten Quartal wegen hoher Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen eingebrochen. Der Überschuss fiel um knapp 72 Prozent auf 541 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit fast einer Milliarde Euro gerechnet. Nach eigenen Angaben verkaufte BNP im abgelaufenen Quartal Staatsanleihen von Eurozonen-Staaten in Milliardenhöhe und verbuchte eine Abschreibung von zwei Milliarden Euro auf griechische Bonds.

Viele Investoren sind misstrauisch, weil die französischen Institute stärker als andere europäische Banken Bilanzierungsspielräume nutzten, um ihre Griechenland-Anleihen möglichst wenig abzuschreiben. Sie werfen ihnen ungenügende Informationen und mangelnde Transparenz vor. Doch um weitere Abschreibungen werden die Institute nach dem Schuldenschnitt für Griechenland nicht herum kommen.

BNP Paribas hat auf sämtliche griechischen Staatsanleihen Abschreibungen in Höhe von 60 Prozent vorgenommen. Sie stehen jetzt noch mit 1,6 Milliarden Euro in den Büchern. Ende Juni waren es noch vier Milliarden Euro gewesen. Ohne diese Maßnahme wäre der Überschuss im Vergleich zum dritten Quartal 2010 um 2,4 Prozent auf 1,95 Milliarden Euro gestiegen, wie der Chef des Geldhauses, Baudouin Prot, sagte. Er betonte: „Eine Pleite Griechenlands wäre für BNP handhabbar.“ Auf dem Spiel stünden in diesem Fall vor allem die Staatsanleihen, hinsichtlich Kreditvergabe sei das Institut in dem Land wenig engagiert.

Frisches Geld wird auch nötig sein, nachdem die französische Zentralbank den Kapitalbedarf der vier größten nationalen Banken, die einen Anteil von 80 Prozent an der gesamten Branche haben, nach den Beschlüssen des Euro-Krisengipfels beziffert hat: 2,1 Milliarden Euro bei BNP, 3,3 Milliarden Euro bei SocGen und 3,4 Milliarden bei den Banques Populaires Caisses d’Epargne. CA kommt demnach ohne frisches Kapital aus, wird aber im Gegensatz zu den beiden Branchenführern von den Citigroup-Analysten wegen der stärkeren Abhängigkeit vom Südeuropageschäft nur auf „neutral“ eingestuft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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