Dividende: UBS will sich mit den Aktionären versöhnen

Dividende: UBS will sich mit den Aktionären versöhnen

, aktualisiert 17. November 2011, 22:21 Uhr
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Der neue UBS-Chef Sergio Ermotti (rechts) will die Investmentbank drastisch verkleinern.

von Holger AlichQuelle:Handelsblatt Online

Nach dem Händlerskandal will die Schweizer Großbank UBS das Vertrauen ihrer Aktionäre zurückgewinnen - und wieder eine Dividende ausschütten. Das Investment-Banking soll drastisch verkleinert werden.

New YorkDie USA waren für die Schweizer Großbank UBS das Land, indem ihr Niedergang begann: Subprime-Verlust über 50 Milliarden Dollar und Ärger wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. In den USA will nun der neue UBS-Chef Sergio Ermotti den ersten Schritt auf dem Weg zu einer Skandalfreien Bank machen. In New York stellte er Analysten seine neue Strategie vor – und hatte dabei eine Überraschung im Gepäck. 

Denn Ermotti kündigte an, dass UBS in diesem Jahr eine Dividende zahlen will; 10 Rappen je Aktie. Und es soll noch mehr geben – in den nächsten Jahren will UBS einen „progressiven Kapital-Rückzahlplan“ vorlegen. „Damit wollen wir signalisieren, dass wir optimistisch sind, unsere Ziele zu erreichen“, sagte Ermotti.  

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Die Ankündigung ist eine Ansage an die Konkurrenz: Denn wegen der Krise und aufgrund der neuen Eigenkapitalregeln kämpfen Banken derzeit um jeden Euro, mit dem sie ihr Eigenkapital auspolstern können. So hat die französische Société Générale ihre Aktionäre erst einmal auf Diät gesetzt. Und Unicredit muss in einem hochnervösen Markt eine Kapitalerhöhung über 7,5 Milliarden Euro durchdrücken, um Abschreibungen auf die Osteuropa-Töchter auszubügeln. UBS dagegen will ihren Aktionären etwas Kapital zurückgeben. 

Das kann auch als eine Art Wiedergutmachung gesehen werden. Denn die Aktionäre der UBS mussten zuletzt viel aushalten. Im September enthüllte die Bank, dass ein Londoner Händler monatelang unerlaubt mit Index-Derivaten herumzockte und so 2,3 Milliarden Dollar versenkte. Zu diesem Händler-Skandal, der letztlich Ermotti an die Spitze der Bank spülte, zeigte sich der neue CEO zugeknöpft. „Wir werden die Details unserer internen Untersuchung erst vorlegen, wenn alle Ermittlungen, auch jener der Aufseher, abgeschlossen sind“, sagte er. 

Auch wie die weitere Ausschüttungspolitik aussehen soll, wollte Ermotti auf Nachfragen nicht kommentieren. „Wir halten uns unsere Optionen offen“, sagte er lediglich. Soviel Vorsicht kann aber vor dem Hintergrund der Eurokrise nicht wirklich verwundern. Immerhin: Er nannte Aktienrückkäufe als eine mögliche Option. 

Trotz der Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen verspricht UBS, mit den neuen Eigenkapitalanforderungen keine Probleme zu haben. Die Eigenkapitalquote unter den neuen, strengen Basel-III-Regeln soll 13 Prozent erreichen. Die Schweizer Regulierung sieht indes angesichts der Größe von UBS einen Kapitalzuschlag vor, so dass UBS eine Eigenkapitalquote 19 Prozent erreichen muss. Um diese Hürde zu schaffen, will UBS so genannte „Contigent convertible debts“, genannt CoCos ausgeben. Das sind Anleihen, die im Krisenfall zu haftenden Eigenkapital verwandelt werden. 


Vermögensverwaltung als Zugpferd

Im Mittelpunkt der Präsentation stand der mit Spannung erwartete Schrumpfkurs der Investmentbank. Wie erwartet, soll sie nun primär dem Stammgeschäft der Vermögensverwaltung als Produktzulieferer dienen. Konkret will Ermotti in den nächsten fünf Jahren die Bilanz der Investmentbank um 145 Milliarden Franken so genannte Risikogewichteter Aktiva erleichtern. Sprich, die Investmentbank baut massiv Risiken ab. 

Dazu sieht sich die Bank aus bestimmten Geschäftsbereichen zurück: So will UBS den Aktien-Handel auf eigenes Risiko mit Aktien einstellen – das haben andere Banken wie Credit Suisse allerdings schon vor Jahren gemacht. Aufhören will UBS auch damit, aus Krediten synthetische Wertpapiere zu basteln. Das Geschäft, Kunden langfristige Zinsrisiken abzunehmen, soll ebenfalls zurück gefahren werden. „Oder die Kunden müssen uns einen Zuschlag zahlen“, erklärte Investmentbank-Chef Carsten Kengeter. Die Schrumpfkur wird auch Umsatz kosten; rund 500 Millionen Franken Einnahmen würden künftig wegfallen, prognostizierte er. Bezogen auf das dritte Quartal würde das heißen, dass UBS auf rund ein Drittel der Einnahmen verzichten will. 

Daher geht auch der Jobbau weiter. Bis dato hat UBS angekündigt, in der Investmentbank 1.600 Stellen zu streichen. „Dazu werden in den nächsten zwei bis drei Jahren noch 400 dazu kommen, hierbei setzten wir aber auch auf natürliche Fluktuation“, sagte Ermotti. Sprich, der Personalstamm wird von derzeit 18.000 auf dann 16.000 herunter gefahren. Auf die Frage eines Analysten, warum die Bank nicht noch mehr Leute rauswirft, sagte Ermotti: „Die Bereiche, die wir zurückfahren, brauchen viel Kapital aber vergleichsweise wenig Leute.“ 

UBS schließt sich damit den Reigen der Großbanken an, die vor allem im Anleihe-Geschäft auf die Bremse treten. Dass alle Banken zur gleichen Zeit ähnliche Aktiva loswerden wollen, sorgt Ermotti nicht. Die Schweizer Großbank habe Erfahrung damit, unerwünschte Aktiva loszuwerden. So sitzt UBS wegen des Subprime-Debakel immer noch auf einen Berg an so genannten „Legacy-Assets“ (Altlasten) von 70 Milliarden Franken. 2009 waren es 120 Milliarden Franken. 

Großes Zugpferd der Bank soll wieder die Vermögensverwaltung werden. Hier zählen die Schweizer unbestritten zu den Weltmarktführern. Doch auch hier gibt es Risiken. So könnte Druck auf das Bankgeheimnis dazu führen, dass Kunden weiter Gelder abziehen. In Europa zogen Kunden bis dato 3,4 Milliarden Franken ab, im Vorjahreszeitraum waren es fast 16 Milliarden. „Wir glauben, dass zwölf bis 30 Milliarden zusätzlich gefährdet sind“, sagte  Jürg Zeltner, Chef des Wealth Managements. Für europäische Kunden verwaltet UBS 273 Milliarden Franken. Insgesamt haben Kunden der Bank 720 Milliarden Franken anvertraut. 

Um der Zahl eine Dimension zu geben: Das ist ungefähr so viel, wie die Niederlande in einem Jahr an Gütern und Dienstleistungen produzieren. 

Die Marke UBS sei daher trotz aller Skandale intakt. „Und das war letztlich der Grund, warum ich im April zur UBS gewechselt bin“, erklärte Ermotti.

Quelle:  Handelsblatt Online
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