Eigenkapitalregeln: Kann die Allianz die Commerzbank retten?

Eigenkapitalregeln: Kann die Allianz die Commerzbank retten?

von Mark Fehr

In letzter Minute könnte der Versicherer Allianz das Geldinstitut vor neuen Staatshilfen retten. Das wirft Fragen auf.

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Rückendeckung für die Commerzbank: Vorstandschef Martin Blessing (im Vordergrund) hofft auf die Unterstützung durch Allianz-Chef Michael Diekmann (im Hintergrund)

Warum ist die Commerzbank in Not?

Bis Freitag muss Bankchef Martin Blessing der Bankenaufsicht erklären, wie er das harte Kernkapital (Stammaktien, Rücklagen), das für Notfälle gebraucht werden kann, auf einen Anteil von neun Prozent am Risikovermögen (Wertpapiere, Kredite) aufstocken will. Dafür muss die Bank 5,3 Milliarden Euro zusammenkratzen.

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Warum geht die Allianz jetzt ins Risiko?

Um ihr eigenes Geld zu retten: Die Allianz hält seit dem Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank eine stille Einlage von 750 Millionen Euro an dem Frankfurter Institut. Zinsen in Höhe von neun Prozent fließen nur dann an die Allianz, wenn die Commerzbank einen nach deutschem Handelsrecht ermittelten Gewinn ausweist. Zudem ist die Versicherung selbst mit fünf Prozent zweitgrößter Aktionär der Commerzbank nach dem Bund.

Wie kann die Allianz einspringen?

Die Allianz könnte ihre 750-Millionen-Einlage in hartes Kernkapital umwandeln, indem sie sie in Aktien der Bank tauscht. Oder aber sie akzeptiert härtere Bedingungen für ihre Einlage, etwa den Verzicht auf die feste Verzinsung. Beides wäre für die deutsche und die europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA akzeptabel. Es bleibt aber eine Einzelfallentscheidung der EBA. Die Allianz steckt in der Zwickmühle: Chef Michael Diekmann könnte sich später mit Schadensersatzvorwürfen durch seine Aktionäre konfrontiert sehen, weil er das Engagement bei der Krisenbank ausgeweitet hat. Hilft er nicht, geht das Investment aber womöglich auch den Bach hinunter.

Geht der Plan auf?

Bis zum 20. Januar bleibt der Bank nur nicht mehr viel Zeit, um der EBA darzulegen, wie sie ihr Eigenkapital erhöhen will. Aus Sicht von Experten ist das viel zu wenig, um die Umwandlung der stillen Einlage bis ins letzte juristische Detail wasserdicht zu machen. Die Last-Minute-Aktion der Commerzbank erinnert an die hektischen Rettungsmaßnahmen der abgewickelten Landesbank WestLB, um deren EU-Auflagen in Brüssel zu erfüllen. Auch die Landesbanker reichten aus Zeitnot Vorschläge ein, bei denen manch Beteiligtem unklar war, ob sie rechtlich je zu realisieren wären.

Bei der Allianz ist noch die Frage offen, welches Mitspracherecht die rund 486 000 Aktionäre haben. Institutionelle Investoren, mehrheitlich Ausländer, halten 83 Prozent des Grundkapitals.

Anschließend haben die Behörden Mitspracherecht: Der Amtsweg sieht vor, dass die Commerzbank mit der deutschen Bankenaufsicht BaFin verhandelt, die ihr Votum an die EBA weiterleitet. Sie muss die Pläne aus Frankfurt auch im Vergleich zu ihren Entscheidungen bei anderen europäischen Banken beurteilen.

Springt der Staat wieder ein?

Selbst wenn die Umwandlung der Allianz-Einlage klappt, fehlt immer noch knapp eine Milliarde Euro, um das harte Kern-kapital um 5,3 Milliarden Euro aufzustocken (siehe Grafik). „Diese Lücke könnte die Commerzbank mit einbehaltenen Gewinnen schließen“, sagt der Bankenexperte Dieter Hein vom unabhängigen Analystenhaus Fairesearch in Kronberg. Laut Analystenschätzungen könnte die Commerzbank 2011 tatsächlich einen Gewinn von bis zu einer Milliarde Euro erwirtschaftet haben. Fließt das Geld in die Kapitalaufstockung, wären die Regulierungsvorschriften zwar erfüllt, doch für Dividenden an Aktionäre bliebe nicht mehr viel übrig.

Bleibt Blessing?

Der Commerzbank-Chef hat ausgeschlossen, neue Staatshilfen in Anspruch zu nehmen. Er kämpft also nicht nur für die Commerzbank, sondern auch um sein berufliches Schicksal. Sollte es am Ende nicht ohne öffentliche Hilfen etwa durch den wiederbelebten Bankenrettungsfonds Soffin gehen, wäre Blessing bei der Commerzbank wohl Geschichte.

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