Einlagen bei EZB : Banken sind nervös wie lange nicht mehr

Einlagen bei EZB : Banken sind nervös wie lange nicht mehr

, aktualisiert 30. November 2011, 13:24 Uhr
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Düsterer Ausblick: Die Banken sind nervös.

Quelle:Handelsblatt Online

Es ist eines der sichersten Indizien dafür, wie gering das Vertrauen der Banken derzeit ist: Die eintägigen Einlagen der Geschäftsbanken bei EZB nähern sich der Marke von 300 Milliarden Euro. Die Branche zittert.

FrankfurtDie Lage im europäischen Bankensystem trübt sich weiter ein. Am Mittwoch näherten sich die eintägigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) der Marke von 300 Milliarden Euro. Die sogenannten Übernacht-Einlagen stiegen von 281,4 Milliarden Euro am Dienstag auf zuletzt 297,1 Milliarden Euro, wie die EZB in Frankfurt mitteilte.

Das ist der höchste Stand seit Anfang November. Die Marke von 300 Milliarden Euro hatten die Einlagen zuletzt im Sommer 2010 überschritten. Die eintägigen Ausleihungen der Banken stiegen unterdessen von 1,72 Milliarden auf 2,7 Milliarden Euro. Auch dies ist deutlich mehr als üblich.

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Die eintägigen Einlagen und Ausleihungen der Banken bei der EZB gelten als Indikator für das Misstrauen der Institute untereinander. Normalerweise refinanzieren sich die Geschäftsbanken nur ungern über Nacht bei der Notenbank, da die Konditionen für sie ungünstig sind.

Der direkte Handel zwischen den Banken ist aber - ähnlich wie in der Finanzkrise 2008 - erneut ins Stocken geraten. Hauptgrund ist das starke Engagement einzelner Institute in Staatsanleihen angeschlagener Euro-Staaten. Vor allem das Misstrauen gegenüber der drittgrößten Wirtschaft im Euroraum, Italien, war zuletzt deutlich gestiegen.

Heute spielen die Ergebnisse der neuerlichen Banken-Stresstests eine wichtige Rolle bei der Gesprächsrunde der EU-Finanzminister in Brüssel. Erst nach dem nächsten Treffen der Minister werde man das Datum der Veröffentlichung bekanntgeben, hieß es am Dienstag von der Europäischen Bankenaufsicht EBA in London. Die EBA habe Fortschritte bei der Prüfung gemacht. Wenn der Rat diese festzurre, werde man das Paket zur Rekapitalisierung von Banken fertigstellen und veröffentlichen.


Stress vor neuem Stresstest

Die EBA soll ermitteln, wie viel Geld europäische Banken brauchen, um bis Ende Juni 2012 eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen - wenn alle Staatsanleihen zu Marktpreisen bewertet werden. Kernkapital gilt als Puffer für Krisen.

Am Montag wurde noch damit gerechnet, dass sich die Veröffentlichung der mit Spannung erwarteten Ergebnisse weiter verzögern könnte. „Wir rechnen nicht mehr damit, dass in dieser Woche noch etwas passiert“, hatte es in Finanzkreisen in Frankfurt geheißen. Ursprünglich sollten die Ergebnisse Mitte November vorliegen, dann waren sie für Ende November in Aussicht gestellt worden.

Derweil setzen sich die Banken gegen eine Sündenbock-Rolle in der eskalierenden EU-Schuldenkrise zur Wehr. „Manche Banken haben 2008 ihre Staaten in Schwierigkeiten gebracht, jetzt aber bringen manche Staaten ihre Banken in Probleme“, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Schmitz, dem Anlegermagazin „Börse Online“.

Selbst wenn man die Aufwendungen zur Stützung angeschlagener Banken herausrechne, sei die Staatsverschuldung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Schon 2007, also noch vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman und der folgenden Erschütterung der Weltwirtschaft, hätten acht von 16 EU-Staaten die Schuldengrenzen der EU überschritten: „Mich ärgert, dass wir Banken es der Politik offensichtlich nicht recht machen können“, wird Schmitz zitiert.

„Wir wurden im vergangenen Jahr von der Bundesregierung dazu aufgefordert, unsere Griechenland-Bonds zu halten. Es heute als Spekulation zu bezeichnen, dass Banken stark in diesen Staatsanleihen engagiert sind, ist unfair“, kritisierte Schmitz.

Quelle:  Handelsblatt Online
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