Ermittlungen gegen Vorstand: Deutsche Bank in der Dunstglocke des Verdachts

KommentarErmittlungen gegen Vorstand: Deutsche Bank in der Dunstglocke des Verdachts

von Mark Fehr

Libor-Skandal, Fehlbilanzierung von Schrottpapieren, jetzt Steuerhinterziehung: Die Chefs der Deutschen Bank rücken tiefer ins Zwielicht. Kunden und Öffentlichkeit fürchten sich vor dem, was noch herauskommen könnte.

Kolonnen von Polizeiautos vor der Frankfurter Zentrale, eine Razzia mitten in den heiligen Hallen und die Verhaftung von Mitarbeitern rücken Deutschlands größte Bank ins Zwielicht. Staatsanwälte in der Mainmetropole gehen dem Verdacht nach, dass die Deutsche Bank bei millionenschwerer Steuerhinterziehung ihre Hände im Spiel gehabt haben könnte. Es geht um den Handel mit Emissionszertifikaten, die nach dem Willen von Umweltpolitikern den Ausstoß von Kohlendioxid durch Industrieunternehmen begrenzen sollen.

Ob die Zertifikate tatsächlich für weniger Smog in der Luft gesorgt haben, muss für diesen Fall offen bleiben. Sicher ist dagegen, dass jetzt eine Dunstglocke des Verdachts über der Deutschen Bank und ihrer Doppelspitze aus Jürgen Fitschen und Anshu Jain schwebt.

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Die Kernpunkte der neuen Deutsche-Bank-Strategie

  • Einsparungen

    Bis 2015 sollen die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro sinken - das ist rund ein Sechstel der Kostenbasis für 2012 von gut 27 Milliarden Euro. Von den Einsparungen sollen 2,8 Milliarden aus dem operativen Geschäft kommen, 1,9 Milliarden allein aus der Investmentbank. Das heißt: 1500 gestrichene Investmentbanker-Stellen, drastisch sinkende Boni und eine noch unbekannte Zahl von Arbeitsplätzen, die in der Vermögensverwaltung wegfallen. 1,7 Milliarden Euro soll die "Infrastruktur" der Bank beisteuern. Zunächst wird das Sparprogramm allerdings erst einmal vier Milliarden Euro kosten.

  • „Bad Bank“

    Der deutsche Branchenprimus will Risikopapiere im Wert von 135 Milliarden Euro und nicht zum Kerngeschäft zählende Anlagen in eine Art konzerninterne „Bad Bank“ schieben, wo sie möglichst ohne Verluste abgewickelt werden sollen. So soll die risikogewichtete Bilanzsumme (RWA) der Bank um mehr als ein Drittel schrumpfen, und die Eigenkapitalquote steigt auch ohne Kapitalerhöhung. 100 Milliarden Euro der Summe kommen allein aus der Investmentbank. 45 Milliarden - ein Drittel - sollen schon Ende März aus der Bilanz verschwunden sein, Ende 2013 schon 80 Milliarden Euro.

  • Renditeziele

    Bis 2015 wird eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 12 Prozent angestrebt. Im ersten Halbjahr 2012 lag sie bei 7,4 Prozent. Unter Führung von Josef Ackermann hatte die Bank sich 25 Rendite vorgenommen - vor Steuern. Die Erwartungen des neuen Vorstands entsprechen einer Vorsteuerrendite von 17 bis 18 Prozent.

  • Vergütung

    Die Boni für Führungskräfte sollen sinken - und sie werden später ausbezahlt. Anstatt sie über drei Jahre in Raten ausgeschüttet zu bekommen, müssen die Banker nun fünf Jahre warten. Und nur wenn sich der Erfolg, der mit den Bonus belohnt wurde, dann als dauerhaft herausstellt, sollen die Bonus-Aktien fließen. Ein Gremium externer Experten soll regelmäßig das allgemeine Gehaltsniveau überprüfen.


  • Kapital

    Die meisten Analysten halten die Kapitalausstattung der Bank für zu niedrig. Auf 7,2 Prozent kommt sie nur, wenn Anfang 2013 die schärferen Eigenkapitalvorschriften von Basel III in Kraft treten. Bis März 2013 sollen daraus acht Prozent werden, zwei Jahre später soll das Kapitalpolster in Form von Aktien und Gewinnrücklagen auf zehn Prozent wachsen. Das wäre mehr als die rund neun Prozent, die die Deutsche Bank langfristig nach dem Willen der Aufseher haben muss. Auf Kapitalerhöhungen will das Institut weiterhin verzichten.

  • Regionale Aufstellung

    Wachsen will die Deutsche Bank künftig vor allem in Asien. Dort seien jährliche Zuwachsraten von mehr als 20 Prozent beim operativen Gewinn möglich, in Deutschland und Amerika immerhin noch 10 bis 20 Prozent. In Deutschland will die Bank bis 2015 zehn Milliarden Euro mehr Kredite vergeben. Dagegen rechnet die Deutsche Bank damit, dass ihr Ergebnis im Rest von Europa in den nächsten drei Jahren schrumpft.

  • Kulturwandel

    Die Deutsche Bank will künftig nicht mehr alle Geschäfte machen, nur weil juristisch nichts dagegen einzuwenden ist. Sie war unter anderem wegen Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen und Rüstungsunternehmen in die Kritik geraten.

  • Geschäftsbereiche

    Zwei Sparten sollen kräftig zulegen: Die Sparte Asset & Wealth Management (AWM) soll den Gewinn vor Steuern bis 2015 auf 1,7 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Ein Verkauf großer Teile der Sparte war gescheitert. Das Global Transaction Banking (GTB) soll bis 2015 einen Gewinn von 2,4 (2011: 1,0) Milliarden Euro vor Steuern abliefern. Die Privatkundensparte (PBC) hat für einen Gewinn vor Steuern von drei Milliarden Euro nun ebenfalls bis 2015 Zeit. Für die Investmentbank gilt nun das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent nach Steuern - etwas mehr als im Konzern.

Bisher sah es so aus, als beschädigten die Altlasten bei Deutschlands größtem Geldhaus vor allem den Investmentbanker Jain und weniger den als bieder und integer geltenden Fitschen. Die Ermittlungen internationaler Finanzaufseher wegen der Manipulation des Interbankenzinses Libor und der kürzlich bekannt gewordene Vorwurf, bei der Bilanzierung von US-Hypothekenpapieren Verluste versteckt zu haben, fielen vor allem in Jains Verantwortungsbereich als ehemaliger Leiter des Investmentbankings.

Doch nun steht auch Co-Chef Fitschen unter Feuer. Er hätte eigentlich das Vertrauen von Sparern und Unternehmern in die Bank stärken sollen, während der knallharte Banker Jain vor allem für die Renditeträume der Investoren steht. Die Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwälte richten sich laut Mitteilung des Instituts auch gegen Fitschen und seinen Vorstandskollegen Stefan Krause, weil beide die Umsatzsteuererklärung für 2009 unterzeichnet haben.

Aktuell ist unklar, warum die Steuererklärung der Bank selbst Gegenstand der Ermittlungen ist. Bisher sah es so aus, als ob Mitarbeiter des Instituts nur bei der Ausführung von Handelsgeschäften beteiligt waren, mit denen Betrüger außerhalb des Hauses die Erstattung von Umsatzsteuer durch die Finanzämter erschlichen haben sollen.

Ungeachtet dessen leidet das Image der Deutschen Bank erheblich unter dem Vorwurf, dass ihre Top-Manager Steuerbetrügereien im eigenen Haus übersehen oder gar geduldet haben könnten. Was wird noch alles ans Licht kommen, fragen sich Öffentlichkeit und Kunden, wenn selbst der hoch angesehene Co-Chef Fitschen nicht frei von Verdächtigungen ist.

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