Erster Auftritt in Berlin: Die Demutsgesten des Anshu Jain

Erster Auftritt in Berlin: Die Demutsgesten des Anshu Jain

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Anshu Jain auf dem Weg zum Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrates

von Max Haerder

Der neue Chef der Deutschen Bank hielt seine erste öffentliche Rede in der Hauptstadt. Es war ein Antrittsbesuch der besonderen Art: Voller Gefälligkeiten, voller Lob und merkwürdig brav.

Die erste spannende Frage des Abends beantwortet der Erwartete ganz auf seine Art. Würde der neue Chef der Deutschen Bank seine Rede auch auf Deutsch halten, halten können? Die Antwort lautete: Jain.

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Die ersten Sätze an das Publikum richtet der Inder auf Deutsch, einstudiert zwar, aber flüssig. Da ist ihm das wohlwollende Raunen im Saal sicher. Dann erst wechselt Jain in seine Muttersprache, garniert mit dem begründenden Lob, dass das Englisch der Anwesenden natürlich besser sei als sein Deutsch.

Der jährliche Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrates, Dienstag 19.15 Uhr. Nicht, dass die Rednerliste auch so schon imposant genug gewesen wäre: Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, Jörg Asmussen. Aber die Fallhöhe bei Jain ist besonders elektrisierend: Der neue Co-Chef der Deutschen Bank, ein Inder, noch dazu ein Investmentbanker, spricht zum ersten Mal in der Hauptstadt und zu der versammelten (konservativen) Politikergilde. Im Hintergrund diese gefühlte Leerstelle nach Josef Ackermann, der in der Finanzkrise für die Deutschen und die Bundesregierung immerzu alles war: Ratgeber und Zocker, Stolz und Vorurteil, Intellektueller und Erzkapitalist, Faust und Mephisto.

Und so hingen die Fragen im Saal des Hotels Interconti: Kann Anshu Jain den Bürgern und der Politik die Finanzmärkte erklären? Traut er sich von Anfang an Programmatisches zur Eurokrise zu oder hält er sich zurück? Kann ein Cricket-Liebhaber der einzigen deutschen Bank von globaler Geltung ein sympathisches, verlässliches Antlitz verleihen? Will er es überhaupt?

Das Londoner Wunderkind, dem stets der Ruf vorauseilte, in London und New York Geld regnen lassen zu können, antwortet voller zur Schau gestellter Demut und Bewunderung für seine neue Heimat. Die Rede ist maßgeschneidert für ihr Publikum - aber schon zu sehr, sie wirkt glatt und geradezu übereifrig entgegenkommend.

Jain lobt das deutsche Politikmodell: Die Strukturreformen, die Agenda 2010, die Investitionen in die Infrastruktur, den globalisierten Mittelstand. Er habe, erzählt Jain, im Internet nach einer Übersetzung für diesen Begriff gesucht, aber er habe nichts gefunden, „ auch Google hat versagt“. Die nächsten Lacher. „Die soziale Marktwirtschaft hat sich bewährt", sagt er weiter. Sätze, die man Bankerjargon als easy wins bezeichnen würde.

Das deutsche Modell, hier streckt er die Hand demonstrativ aus, erscheint in Jains Rede auch als Modell für Europa. Die Union feiert er als „großartiges Friedensprojekt“. Ja, die EU stünde an einem Scheideweg, es stünde weiterhin viel auf dem Spiel. Aber auch: Das amerikanische deficit spending sei kein Weg für den Kontinent, stattdessen müsse es harte Reformen geben.

Natürlich hört man all das gern in Berlin, besonders der anwesende Finanzminister (der danach selbst sehr bissig-launig von den Vorteilen der EU sprechen wird). Man fragt sich bei Jain nur jederzeit, ob das nun tief empfundene Überzeugung oder schlichtes Manuskript-Kalkül ist.

Der Investmentbanker wird erst noch beweisen müssen, dass sein öffentliches Eintreten für den integrierten Bankkonzern und für die intensive Pflege des Heimatmarktes mehr ist, als eine rhetorische Verneigung. Was es konkret bedeutet angesichts von shareholder value und Wachstumschancen, die eher in Schwellenländern statt im Schwäbischen liegen. „Wir sind“, sagt Jain, „in Deutschland tief verwurzelt." Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, was das heißt.

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Jains Rede endet geradezu mit einer Selbstgeißelung. „Unsere Industrie hat Fehler gemacht, die Risiken waren zu hoch", sagt er mit Blick auf die Krise des Jahres 2008. Er zieht die große Linie zum legendären Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen und dessen Anspruch an moralische Unternehmensführung. „Wir müssen unseren Bund mit der Gesellschaft erneuern", sagt Jain am Ende.

Mehr zu sich oder mehr an die Zuhörer? Also hört und beobachtet man einen intelligenten Mann dabei, wie er selbst einen Bund mit der deutschen Öffentlichkeit schließen will. Ist das schon gänzlich überzeugend? Jain.

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