Espírito Santo: Pleitebank mit Heiligenschein lässt Steuerzahler bluten

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AnalyseEspírito Santo: Pleitebank mit Heiligenschein lässt Steuerzahler bluten

von Mark Fehr

Die Krise um das portugiesische Skandalinstitut Espírito Santo enthüllt eine bittere Wahrheit: Ohne Steuergeld lässt sich keine Bank retten.

Heilig ist die familiengeführte Privatbank Espírito Santo nur ihrem Namen nach. Denn beim Zusammenbruch des portugiesischen Unternehmens wirkt die gleiche unheilvolle Mechanik wie beim Crash aller anderen irdischen Banken, die für ihre Zockereien normalerweise keinen symbolischen Schutz durch den Heiligen Geist in Anspruch nehmen. Helfen würde das sowieso nicht.

Die Misere von Espirito Santo ist hausgemacht und selbstverschuldet. Ursache sind undurchschaubare Kreditbeziehungen zu Unternehmen, die zum weit verzweigten Beteiligungsnetz der Eigentümerfamilie gehören. Nicht Marktverwerfungen zwangen die einst angesehene Bank in die Knie, sondern Misswirtschaft und Interessenkonflikte. Bluten müssten daher eigentlich allein diejenigen, die für diese Fehlentscheidungen verantwortlich sind, also die Eigentümer, die bei der Kontrolle des Managements versagt haben oder dieses sogar zu riskanten Geschäften angestachelt haben.

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Rettung der Espirito Santo Musste das sein?

Mit rund fünf Milliarden Euro rettet Portugal seine größte Bank Espirito Santo. Wieder muss der Steuerzahler Risiken übernehmen. Dabei will die EU eigentlich die privaten Gläubiger heranziehen. Das gelingt aber nur halb.

Quelle: Handelsblatt Online

Trotzdem kommt der größte Rettungsbeitrag für die heilige Bank aus öffentlichen Geldquellen – mal wieder. Zwar arbeitet Europa gerade mit viel Energie daran, Bankenrettungen auf Kosten der Steuerzahler nie wieder vorkommen zu lassen. Doch der Espirito-Santo-Skandal zeigt, wie utopisch dieser Plan ist.

Immerhin sollen Aktionäre und Gläubiger mit nachrangigen Schuldansprüchen gegenüber der Bank ihr Geld verlieren. Für die Rettung der Ansprüche von Sparern und vorrangigen Gläubiger reichen die vom Markt zur Verfügung gestellten Finanzmittel allerdings bei weitem nicht. Selbst der von den portugiesischen Banken zusammengesparte Notfonds ist mit seinem angesichts des Schadens lächerlich geringen Volumen von 380 Millionen Euro zu schwach, um einen nennenswerten Beitrag zu leisten.

Weil der portugiesische Staat eine Krise verhindern will, bleibt ihm nichts anderes übrig, als in den mit öffentlichem Geld gefüllten Rettungstopf zu greifen. Europa winkt die Entscheidung durch, denn auch Brüssel will mit aller Macht verhindern, dass die hausgemachten Probleme einer Skandalbank zu einem neuen Ausbruch der Eurokrise führen.

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So fließen 4,9 Milliarden Euro Kredit an den portugiesischen Abwicklungsfonds, der die gesunden Teile von Espirito Santo über Wasser halten soll. Das Geld stammt aus den Mitteln, die Europas Mitgliedstaaten, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds zuvor für die Bewältigung der Probleme im Finanzsektor bereitgestellt haben. Im öffentlich finanzierten Rettungstopf ESM war glücklicherweise noch Geld für Portugal übrig.

Anders als bei der Zypernkrise im Frühjahr vergangenen Jahres sollen in Portugal große Kontoguthaben über 100.000 Euro verschont bleiben. Das soll Sparern die Angst vor Bankpleiten nehmen und das massenhafte Abheben von Einlagen in Südeuropa verhindern. Aus der Perspektive des Bürgers bleiben Bankrettungen aber teuer, so oder so. Entweder verlieren sie ihr Geld, das nicht durch die Einlagensicherung geschützt werden kann. Oder sie zahlen in Form von Steuern drauf, damit ihre Einlagen ausreichend Schutz genießen können.

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