
LondonFür einige prominente Politiker ist die Finanzwelt der Feind, der „erobert“ werden muss. Aus Brüssel und aus anderen Hauptstädten kommen immer neue Regulierungswellen, die der Finanzindustrie Schwierigkeiten bereiten, liquide zu bleiben. Berlin und Paris versuchen weiterhin, eine Transaktionssteuer einzuführen. Das sind Symptome für das Grundproblem, das die europäische Finanzindustrie und die Teilnehmer des Kapitalmarktes haben: der große und andauernde Vertrauensverlust.
Der Ruf aller Institutionen hat gelitten, seit die Krise 2008 ausbrach. Investmentbanken und Ratingagenturen waren betroffen, am meisten aber die Bankindustrie. Und es gibt Anzeichen dafür, dass es noch schlimmer wird.
Doch ein flüssiger Kapitalmarkt und ein gut funktionierendes Bankensystem sind das Herz jeder modernen Wirtschaft. Ohne Vertrauen in das Finanzsystem wird es schwierig werden, zurück zu mehr ökonomischer Zuversicht zu kommen und damit zu einem dauerhaften Aufschwung.
In den Essays dieses soeben erschienenen Buches, herausgegeben von der Afme (Association for Financial Markets in Europe), werden das Ausmaß des Problems und die Elemente einer Lösung behandelt. Das Fazit: Um das Vertrauen wieder herzustellen, müssen die politischen Entscheidungsträger ein stabiles und nachhaltiges neues Regelwerk etablieren. Die Banker wiederum müssen die fehlerhaften Aktionen von Regierungen und Management in der Vergangenheit zur Sprache bringen.
Dieser Prozess wird lange dauern, und obwohl seit 2008 schon signifikante Veränderungen stattgefunden haben, muss noch mehr kommen.
Beispiel Regulierungen: Paul Tucker, Deputy Governor der Bank of England und führendes Mitglied des FSB, schreibt, dass das Problem „too big to fail“ angegangen werden muss, das systemische Risiko, dass führende Banken in mehreren Ländern von den Steuerzahlern gerettet werden müssen.
Nach einer Zeit, in der Investmentbanken in der boomenden Wirtschaft eine äußerst prominente Rolle gespielt haben, ist es nun an der Zeit, dahin zurückzukehren, dass Banker nicht länger als „Meister des Universums“ gesehen werden, sondern als Diener der Realwirtschaft.
Investing in Change. The Reform of Europe's Financial Markets Profile, London 2012, 156 Seiten, 10 brit. Pfund













