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Euro-Rettung: Brüssel will deutsche Einlagensicherung plündern

von Mark Fehr

Brüssel könnte den Schutz deutscher Kontoguthaben für die Euro-Rettung anzapfen. Die Sparkassen wehren sich an der Regulierungsfront weiter gegen die mögliche Plünderung ihrer Sicherungsfonds.

Zerschlagene Spardose mit Sparkassenlogo Quelle: dpa/Montage
Die deutschen Sparkassen fürchten, dass sie ihr bisheriges System der Einlagensicherung für eine EU-weite Lösung opfern sollen Quelle: dpa/Montage

Auf eine zentrale Sicherung der Spareinlagen haben sich die europäischen Regierungschefs beim Gipfel in der vergangenen Woche nicht geeinigt. Doch aus der Welt sind die Brüsseler Vorschläge damit nicht. Vorerst dürfte der Widerstand vor allem aus dem Lager der deutschen Sparkassen dafür gesorgt haben, dass die heiß diskutierte EU-Einlagensicherung in der Gipfelerklärung geflissentlich übergangen wurde. Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon lobt das Ergebnis als „große Verhandlungsleistung von Bundeskanzlerin Angela Merkel“. Es wird aber noch viele EU-Gipfel geben, bei denen erneut der Versuch unternommen werden könnte, die deutsche Einlagensicherung für die Euro-Rettung anzuzapfen.

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Vergemeinschaftung der Risiken

Gegen diese Begehrlichkeit wehren sich vor allem die Sparkassen, denn bei ihnen sind fast 48 Prozent der Guthaben von Verbrauchern und Unternehmen deponiert - so viel wie bei keiner anderen Bankengruppe (siehe Grafik). Der heftige Protest der Sparkassen entlarvt, was hinter der wohlklingenden Brüsseler Parole von der Bankenunion steckt. Es geht dabei nicht nur um eine zentrale Aufsicht über die Finanzbranche, sondern auch um die Vergemeinschaftung von Risiken. Das Finanzpolster, das deutsche Geldinstitute zur Sicherung der Guthaben von Unternehmen und Privatkunden aufgebaut haben, soll die Schockwellen der europäischen Bankenkrise abfedern. 

Zuflucht bei den Sparkassen. Private Spareinlagen je Bankengruppe (in Prozent)
Zuflucht bei den Sparkassen. Private Spareinlagen je Bankengruppe in Prozent (Für eine vergrößerte Ansicht bitte auf die Grafik klicken)

Im deutschen Bankensektor argumentiert vor allem der Sparkassenverband offensiv gegenüber der Politik, denn er weiß die 50 Millionen Kunden seiner Institute hinter sich, die als Wähler erheblichen Druck auf Berlin ausüben können. Der Sparkassenchef hat seinen Hebel geschickt angesetzt: Die Bundeskanzlerin soll sich im Interesse des eigenen Machterhalts hüten, deutsche Spareinlagen in Brüssel als Rettungsmasse für Europas Krisenbanken zu opfern.  Zwar steht auch die Bundesregierung den Plänen für eine zentrale Sicherung der Sparguthaben europäischer Bankkunden grundsätzlich skeptisch gegenüber.

Die Krise in Europa ängstigt die Anleger. Eine Umfrage unter Privatanlegern* im Auftrag der britischen Vermögensverwaltung Schroders zeigt, dass viele die Euro-Krise als größte Gefahr für ihr Vermögen sehen. Auch steigende Steuern, Inflation und Turbulenzen an den Märkten verunsichern die Menschen.

Was sehen Sie als größte Gefahr für ihr Vermögen?

Euro-Krise: 43 Prozent

Steigende Steuern: 25 Prozent

Marktunsicherheit: 28 Prozent

Niedrigzinsumfeld: 15 Prozent

Höhere Inflation: 27 Prozent

Je nach Land fallen die Ergebnisse aber durchaus unterschiedlich aus. Ausgerechnet in den Ländern, die am stärksten dastehen, haben die Menschen die größte Angst - in Deutschland und Österreich.

*Umfrage unter rund 1.300 Privatanlegern in zwölf europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, Schweden, Schweiz, Spanien, Niederlande, Belgien, Italien, Frankreich, Portugal, Israel und Großbritannien), durchgeführt von YouGov. Das Anlagevermögen der befragten Personen liegt bei 60.000 Euro (ohne Wohnimmobilien).  Der Umfragezeitraum war April-Mai 2012.

Bild: dapd

Doch Kompromisse zwischen Berlin und Brüssel sind nicht ausgeschlossen, da die Kanzlerin vor allem die gemeinsamen Schuldscheine für Euro-Länder verhindern will. Das deutsche Nein zu Euro-Bonds könnte Zugeständnisse bei der Bankenunion notwendig machen. 

Höhere Risiken für deutsche Sparer

Zudem hat der Chef der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) den Druck in Sachen europäischer Einlagensicherung erhöht. "Alle Sparer in der Währungsunion sollten sich gleich sicher fühlen, egal, in welchem Land ihre Einlagen liegen", sagte Jaime Caruana in einem Interview. Dafür sei ein Sicherungssystem für die gesamte Euro-Zone notwendig. 

Was der BIZ-Chef und Brüssel verschweigen: Gerade für deutsche Sparer hätte ein zentraler Einlagenschutz höhere Risiken zur Folge statt mehr Sicherheit. Die Schieflage im Bankensektor Südeuropas könnte schnell dazu führen, dass deutsche Institute Haftungsmasse zur Rettung der dortigen Spareinlagen beisteuern müssen. Die Regierung in Spanien etwa hat gerade erst EU-Hilfen für die maroden Banken des Landes beantragt. 

26 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.07.2012, 06:39 UhrJoselyn

    Jetzt sollen den Menschen im Land auch noch ihre paar Ersparnisse weggenommen werden. Die Priviligierten haben ihr Geld schön ins Nicht-EU-Ausland geschafft.

    Das sowas überhaupt zulässig ist ! Darüber kann man nur mit dem Kopf schütteln. Die Regierung Merkel kommt mir kopflos vor, weis nicht was sie tut und scheint hoffnungslos überfordert zu sein mit der Situation.

    Die Regierung Merkel gehört einfach nur weg. Aber eine vernünftige Alternative sehe ich leider auch nicht ....

  • 06.07.2012, 16:46 UhrKauffrau

    Als ordentliche Kauffrau, kann ich den Sinn des Ganzen nicht nachvollziehen, warum neue Schulden gemacht werden sollen und zwar in Höhe von 2.500 Mrd. €. Das bedeutet doch, dass das Geld erst einmal erwirtschaftet werden muß und somit für die nächsten 20 Jahre kein Zuckerschlecken und Wohlstand sondern weiterer Abbau des Mittelstandes und Zunahme der Geringverdiener insbesondere in Deutschland bedeutet, nicht wahr?
    Bitte kucken Sie das Video auf youtube: Wie funktioniert Geld:
    http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ
    Das ist das Geschäft der Banken.
    Lesen Sie
    Von Camen nach Corleone - über die Maffia, Bank, Banker, Bankrott von Rene Zeyer
    Der Schwur von Pyräus und Bad Banker von Markus A. Will Banker Verhalten als Thriller geschrieben
    und The ecconomic hit man von Steve Perkins.
    Und dann legen Sie Ihr heutiges Wissen noch dazu und überlegen wie sich die insbesondere Investmentbanker verhalten haben und heute noch verhalten. Es hat sich nichts geändert !!!
    Bei Eigenkapitalquoten von 4-8 % wird auf Steuerzahlerkosten weiter gezockt. Ohne Kontrolle.
    Das bedeutet doch das der BETRUG am Bürger nicht mehr zu übersehen ist oder wie ich schon vor 4 Jahren zu meinem Mann gesagt habe: Einer weiß wies geht, einer erzählt es dem anderen und ALLE MACHEN MIT!
    Als Systemiker sage ich dazu nur noch Pfuia Di - oder die Spinnen alle.
    Den Politikern und Bankern ist das Volk vollkommen egal!
    Meine Aufforderung an alle : KEINE WEITEREN KREDITE VERGEBEN!!!!! UND GEHIRN EINSCHALTEN!!!

  • 05.07.2012, 18:18 Uhranonymouse

    Schön und gut, aber ich will man konkrete Wahlempfehlungen für die Bundestagswahl 2013. Irgendwas extremes, um die Herrschaften mal aufzuwecken?

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