
Auf eine zentrale Sicherung der Spareinlagen haben sich die europäischen Regierungschefs beim Gipfel in der vergangenen Woche nicht geeinigt. Doch aus der Welt sind die Brüsseler Vorschläge damit nicht. Vorerst dürfte der Widerstand vor allem aus dem Lager der deutschen Sparkassen dafür gesorgt haben, dass die heiß diskutierte EU-Einlagensicherung in der Gipfelerklärung geflissentlich übergangen wurde. Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon lobt das Ergebnis als „große Verhandlungsleistung von Bundeskanzlerin Angela Merkel“. Es wird aber noch viele EU-Gipfel geben, bei denen erneut der Versuch unternommen werden könnte, die deutsche Einlagensicherung für die Euro-Rettung anzuzapfen.
Vergemeinschaftung der Risiken
Gegen diese Begehrlichkeit wehren sich vor allem die Sparkassen, denn bei ihnen sind fast 48 Prozent der Guthaben von Verbrauchern und Unternehmen deponiert - so viel wie bei keiner anderen Bankengruppe (siehe Grafik). Der heftige Protest der Sparkassen entlarvt, was hinter der wohlklingenden Brüsseler Parole von der Bankenunion steckt. Es geht dabei nicht nur um eine zentrale Aufsicht über die Finanzbranche, sondern auch um die Vergemeinschaftung von Risiken. Das Finanzpolster, das deutsche Geldinstitute zur Sicherung der Guthaben von Unternehmen und Privatkunden aufgebaut haben, soll die Schockwellen der europäischen Bankenkrise abfedern.

Im deutschen Bankensektor argumentiert vor allem der Sparkassenverband offensiv gegenüber der Politik, denn er weiß die 50 Millionen Kunden seiner Institute hinter sich, die als Wähler erheblichen Druck auf Berlin ausüben können. Der Sparkassenchef hat seinen Hebel geschickt angesetzt: Die Bundeskanzlerin soll sich im Interesse des eigenen Machterhalts hüten, deutsche Spareinlagen in Brüssel als Rettungsmasse für Europas Krisenbanken zu opfern. Zwar steht auch die Bundesregierung den Plänen für eine zentrale Sicherung der Sparguthaben europäischer Bankkunden grundsätzlich skeptisch gegenüber.
Bild: dapdDie Krise in Europa ängstigt die Anleger. Eine Umfrage unter Privatanlegern* im Auftrag der britischen Vermögensverwaltung Schroders zeigt, dass viele die Euro-Krise als größte Gefahr für ihr Vermögen sehen. Auch steigende Steuern, Inflation und Turbulenzen an den Märkten verunsichern die Menschen.
Was sehen Sie als größte Gefahr für ihr Vermögen?
Euro-Krise: 43 Prozent
Steigende Steuern: 25 Prozent
Marktunsicherheit: 28 Prozent
Niedrigzinsumfeld: 15 Prozent
Höhere Inflation: 27 Prozent
Je nach Land fallen die Ergebnisse aber durchaus unterschiedlich aus. Ausgerechnet in den Ländern, die am stärksten dastehen, haben die Menschen die größte Angst - in Deutschland und Österreich.
*Umfrage unter rund 1.300 Privatanlegern in zwölf europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, Schweden, Schweiz, Spanien, Niederlande, Belgien, Italien, Frankreich, Portugal, Israel und Großbritannien), durchgeführt von YouGov. Das Anlagevermögen der befragten Personen liegt bei 60.000 Euro (ohne Wohnimmobilien). Der Umfragezeitraum war April-Mai 2012.
Bild: ReutersFrankreich
Die Grande Nation kommt in der Schuldenkrise ordentlich ins Straucheln. Vor allem die französischen Banken geraten zunehmend in Schieflage. Auf der europäischen Bühne hingegen zeigt Frankreich weiterhin Stärke. Der neue Staatspräsident Francois Hollande bietet bei den Verhandlungen in der Euro-Krise Deutschland die Stirn. Dennoch bleibt die Sorge um die Euro-Krise bei Frankreichs Privatanlegern groß. Auch steigende Steuern sind für die Franzosen ein Graus.
Euro-Krise: 43 Prozent
Steigende Steuern: 41 Prozent
Marktunsicherheit: 23 Prozent
Niedrigzinsumfeld: 16 Prozent
Höhere Inflation: 21 Prozent
Bild: ReutersSpanien
Viele Analysten befürchten, dass Spanien das zweite Griechenland wird. Der Unterschied jedoch ist, dass eine Rettung Spaniens schwer zu stemmen wäre. Im Land selbst ist die Sorge um den Euro jedoch nicht die größte. Vielmehr fürchten sich die Spanier vor steigenden Steuern. Das ist kein Wunder. Schließlich muss der Staat Geld von den Bürgern holen, um seine Schulden abzubauen muss.
Euro-Krise: 39 Prozent
Steigende Steuern: 47 Prozent
Marktunsicherheit: 37 Prozent
Niedrigzinsumfeld: 23 Prozent
Höhere Inflation: 25 Prozent
Bild: dpaDeutschland
Die deutschen Privatanleger geht es bislang gut. Sie haben mehr auf der hohen Kante als alle anderen in Europa. Man könnte auch sagen: Sie haben viel zu verlieren. Die größten Sorgen machen sich die Deutschen um den Euro und die Inflation.
Euro-Krise: 48 Prozent
Steigende Steuern: 21 Prozent
Marktunsicherheit: 21 Prozent
Niedrigzinsumfeld: 27 Prozent
Höhere Inflation: 37 Prozent
Bild: dpaÖsterreich
Noch mehr Angst vor der Euro-Krise als die Deutschen haben die Österreicher. Mehr als die Hälfte der Befragten sorgt sich um den Euro. Inflation ist dagegen in unserem Nachbarland etwas weniger gefürchtet.
Euro-Krise: 56 Prozent
Steigende Steuern: 32 Prozent
Marktunsicherheit: 25 Prozent
Niedrigzinsumfeld: 29 Prozent
Höhere Inflation: 33 Prozent
Bild: dpaItalien
Ähnlich wie die Spanier fürchten die Italiener vor allem höher Steuern. Dass daran kein Weg vorbei führt, ist beinahe sicher, wenn man die Staatsverschuldung des südeuropäischen Euro-Staats sieht. Im letzten Jahr betrug der Schuldenberg 120 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts. Anders als in Spanien kommt in Italien noch die Furcht vor Inflation hinzu.
Euro-Krise: 44 Prozent
Steigende Steuern: 63 Prozent
Marktunsicherheit: 41 Prozent
Niedrigzinsumfeld: 24 Prozent
Höhere Inflation: 38 Prozent
Bild: dpaSchweden
Das skandinavische Land ist gar nicht Mitglied der Euro-Zone. Trotzdem haben die Menschen Angst vor der Euro-Krise. Abgesehen davon lebt der schwedische Sparer offenbar ziemlich sorglos. Steigende Inflation oder niedrige Zinsen bereiten den Menschen kaum Angst.
Euro-Krise: 48 Prozent
Steigende Steuern: 17 Prozent
Marktunsicherheit: 28 Prozent
Niedrigzinsumfeld: 10 Prozent
Höhere Inflation: 11 Prozent
Die Krise in Europa ängstigt die Anleger. Eine Umfrage unter Privatanlegern* im Auftrag der britischen Vermögensverwaltung Schroders zeigt, dass viele die Euro-Krise als größte Gefahr für ihr Vermögen sehen. Auch steigende Steuern, Inflation und Turbulenzen an den Märkten verunsichern die Menschen.
Was sehen Sie als größte Gefahr für ihr Vermögen?
Euro-Krise: 43 Prozent
Steigende Steuern: 25 Prozent
Marktunsicherheit: 28 Prozent
Niedrigzinsumfeld: 15 Prozent
Höhere Inflation: 27 Prozent
Je nach Land fallen die Ergebnisse aber durchaus unterschiedlich aus. Ausgerechnet in den Ländern, die am stärksten dastehen, haben die Menschen die größte Angst - in Deutschland und Österreich.
*Umfrage unter rund 1.300 Privatanlegern in zwölf europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, Schweden, Schweiz, Spanien, Niederlande, Belgien, Italien, Frankreich, Portugal, Israel und Großbritannien), durchgeführt von YouGov. Das Anlagevermögen der befragten Personen liegt bei 60.000 Euro (ohne Wohnimmobilien). Der Umfragezeitraum war April-Mai 2012.
Doch Kompromisse zwischen Berlin und Brüssel sind nicht ausgeschlossen, da die Kanzlerin vor allem die gemeinsamen Schuldscheine für Euro-Länder verhindern will. Das deutsche Nein zu Euro-Bonds könnte Zugeständnisse bei der Bankenunion notwendig machen.
Höhere Risiken für deutsche Sparer
Zudem hat der Chef der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) den Druck in Sachen europäischer Einlagensicherung erhöht. "Alle Sparer in der Währungsunion sollten sich gleich sicher fühlen, egal, in welchem Land ihre Einlagen liegen", sagte Jaime Caruana in einem Interview. Dafür sei ein Sicherungssystem für die gesamte Euro-Zone notwendig.
Was der BIZ-Chef und Brüssel verschweigen: Gerade für deutsche Sparer hätte ein zentraler Einlagenschutz höhere Risiken zur Folge statt mehr Sicherheit. Die Schieflage im Bankensektor Südeuropas könnte schnell dazu führen, dass deutsche Institute Haftungsmasse zur Rettung der dortigen Spareinlagen beisteuern müssen. Die Regierung in Spanien etwa hat gerade erst EU-Hilfen für die maroden Banken des Landes beantragt.
- Seite 1: Brüssel will deutsche Einlagensicherung plündern
- Seite 2: Deutsche Sparkassen fühlen sich bestätigt
- Seite 3: Auffangmechanismus bisher erfolgreich


























