Eurohypo: Bad Bank als nützlicher Kompromiss

KommentarEurohypo: Bad Bank als nützlicher Kompromiss

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Ein Kompromiss macht es der Commerzbank möglich, ihre defizitäre Tochter der Eurohypo intern abzuwickeln.

von Mark Fehr

Die Commerzbank darf mit Erlaubnis der EU ihr Sorgenkind Eurohypo intern verarzten. Löst das Finanzinstitut das Problem, kann der Staat endlich aussteigen.

Wettbewerbskommissar Almunia hat dem von der Commerzbank angestrebten Kompromiss zugestimmt: Er erlaubt Deutschlands zweitgrößtem Kreditinstitut, seine defizitäre Tochter Eurohypo intern abzuwickeln.

Ursprünglich hatte die Wettbewerbsaufsicht von Commerzbank-Chef Martin Blessing verlangt, die Beteiligung bis 2014 zu verkaufen. Damit sollte eigentlich der Vorteil kompensiert werden, den die Bank in Form von massiven öffentlichen Hilfen im Zuge der Finanzkrise erhalten hatte. Doch der mächtige Wettbewerbskommissar scheint sich zu erbarmen. Das Problem darf jetzt intern gelöst werden, was die Commerzbank vom Verkaufsdruck befreit.

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Der Kompromiss ist daher eine gute Lösung für die Bank, obwohl Brüssel die interne Abwicklung an zusätzliche Bedingungen knüpft. So muss die Bilanzsumme der Commerzbank bis Ende des Jahres auf 600 Milliarden Euro schrumpfen, wobei bis Ende März 2014 keine Beteiligungen hinzu gekauft werden dürfen. Zudem bleiben die Risiken etwa aus südeuropäischen Staatsanleihen bei diesem Modell im Unternehmen.

Schon vor der EU-Entscheidung befand sich die Commerzbank auf Schrumpfkurs, um Risikovermögen abzubauen. Die Problemtochter Eurohypo etwa hatte ihr Neugeschäft zurückgefahren. Wie die Commerzbank mitteilte, muss sie die Finanzierungen der öffentlichen Hand und Kredite für Gewerbeimmobilien aus dem Bestand ihres Tochterunternehmens nun vollständig abbauen.

Ausstieg des Staats

Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, sollen zu diesem Zweck 150 Milliarden Euro aus dem Eurohypo-Portfolio in eine interne Bad Bank abgeschoben werden. Allerdings betreibt die Commerzbank bereits eine umfangreiche interne Abbaubank, die unter anderem Schrottpapiere aus der Finanzkrisenhistorie der übernommenen Dresdner Bank recycelt. Auch bei anderen Instituten boomt das Bad-Bank-Modell.

Neben dem internen Abbau steht Banken die Möglichkeit offen, Schrottpapiere und Randgeschäft auf staatlich finanzierte Abwicklungsvehikel zu übertragen. Blessing hat sich gegen dieses Modell entschieden, um nicht erneut die Steuerzahler in Anspruch nehmen zu müssen.

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Die interne Lösung des Eurohypo-Problems wird angesichts des umfangreichen Portfolios viel Zeit in Anspruch nehmen. Dabei dürften Blessing und seine Leute froh darüber sein, dass der staatliche Bankenrettungsfonds nach wie vor mit einem Viertel am Kapital der Bank beteiligt ist. Doch zumindest haben potenzielle Investoren nun eine Perspektive, die den Ausstieg des Staats irgendwann in greifbare Nähe rücken lassen. Dafür muss die Aktie allerdings ihre Kursverluste nach dem Einstieg der öffentlichen Hand erst wieder aufholen.

Ob die Staatsaktien dann in Streubesitz übergehen oder an einen strategischen Investor, ist offen. Doch beim Verkauf des Gesamtpakets könnte ein Preiszuschlag fällig werden. Das wäre ein Argument für den Bundesfinanzminister und die klammen öffentlichen Kassen.

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