Europäische Zentralbank: Was wusste Draghi über den Griechen-Deal von Goldman Sachs?

KommentarEuropäische Zentralbank: Was wusste Draghi über den Griechen-Deal von Goldman Sachs?

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Mario Draghi - wieviel wusste er wirklich?

von Frank Doll

Von Goldman Sachs entwickelte Finanztransaktionen könnten am Beginn der griechischen Schuldenkrise gestanden haben. Ein ehemaliger Mitarbeiter der US-Investmentbank will auspacken.

Das war knapp. Am vergangenen Montag, morgens um sechs Uhr, wäre der Grexit fast Realität geworden. Angela Merkel war schon kurz davor, den Verhandlungsraum ohne Ergebnis zu verlassen. Dass die Kanzlerin dann doch blieb, lag an EU-Ratspräsident Donald Tusk, der sich ihr in den Weg stellte und sie zum Bleiben bewog. Die harte Linie der Bundesregierung hatte sich bereits am Samstag abgezeichnet, als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und EZB-Präsident Mario Draghi kurz und heftig aneinander geraten waren. Draghi habe vehement, wie kein anderer in der Runde, für den Verbleib Griechenlands im Euro gekämpft, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Derweil rückt die Rolle von Draghis Ex-Arbeitgeber Goldman Sachs beim Euro-Eintritt der Hellenen wieder ins öffentliche Interesse. Draghi war von 2002 bis 2005 in führender Position bei Goldman Sachs International in London tätig und dürfte Kenntnis gehabt haben über die Begleitumstände des griechischen Beitritts zur Eurozone.

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Über Swap-Geschäfte hatte Goldman von 2001 an dafür gesorgt, die Schuldenlast Griechenlands um etwa zwei Prozent zu drücken. Auf Dollar und Yen lautende Schulden wurden in Euro getauscht. Durch die Verwendung historischer Wechselkurse ließ sich die Schuldensumme elegant reduzieren. Goldman soll 500 Millionen Dollar an dem Deal verdient haben, berichtet jetzt der britische „Independent“. Das Blatt berichtet auch, der ehemalige Goldman-Mitarbeiter Jaber George Jabbour habe der griechischen Regierung jetzt Hilfe im Kampf gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber angeboten. Die Provision für die Swap-Deals seien überhöht gewesen, so der Vorwurf. 

Jabbour hat inzwischen die Seiten gewechselt. Mit seiner Beratungsfirma Ethos Capital Advisors hat er bereits für die portugiesische Regierung Kompensationszahlungen von Londoner Banken erstritten. Auch dabei ging es um komplexe Finanztransaktionen, die Portugal während der Finanzkrise eingegangen ist.

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Es könnte also für Goldman Sachs und deren ehemaligen Mitarbeiter Draghi noch ungemütlich werden. Pikant auch: Die EZB hält immer noch zwei Dokumente unter Verschluss, die Goldmans Rolle bei den Geschäften untersuchen. Der Nachrichtendienst „Bloomberg News“ hatte 2010 erfolglos auf Herausgabe geklagt. Die Papiere lösten eine negative Wahrnehmung der Fähigkeit Griechenlands aus, seine Schulden zu begleichen, lautete damals die Begründung für die Ablehnung.

Ein Argument, das heute nicht mehr sticht. Der Veröffentlichung steht damit eigentlich nichts mehr im Weg.

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