Expansionsstrategie in der Kritik: Nomura erleidet historischen Verlust

Expansionsstrategie in der Kritik: Nomura erleidet historischen Verlust

, aktualisiert 01. November 2011, 08:57 Uhr
Bild vergrößern

Nomura hat schwere Zeiten vor sich.

von Jan KeuchelQuelle:Handelsblatt Online

Nomura hat sich offenbar übernommen: Japans größtes Brokerhaus musste im abgelaufenen Quartal hohe Verluste hinnehmen. Jetzt muss sich Konzernchef Watanabe einiges anhören.

TokioDie Investmentbank, die als Folge der weltweiten Finanzkrise die Asien- und Europa-Sparte der pleite gegangenen Bank Lehman Brothers übernommen hatte, baut Stellen ab und will insgesamt 1,2 Milliarden US-Dollar einsparen. Wie der Konzern bei  Vorstellung der Zahlen für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres bekannt gab, folgt die Entscheidung auf hohe Verluste, die in der Zeit von Juli bis September auf 46,1 Milliarden Yen (429 Millionen Euro) angewachsen sind. „Wir standen vor einem schwierigen Quartal, da die Marktbedingungen sich infolge der anhaltenden Schuldenkrise der Eurozone verschlechtert haben“, sagte Konzernchef Kenichi Watanabe zur Begründung der erschreckenden Zahlen.

Es sind die ersten Verluste innerhalb von zweieinhalb Jahren bei den erfolgsverwöhnten Japanern. Marktbeobachter hatten bereits einen Absturz von Nomura prophezeit, aber die erwarteten Verluste übersteigen die Vorhersagen deutlich. Von Bloomberg und Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit rund 35 Milliarden Yen gerechnet.

Anzeige

Nomura folgt damit dem Trend sowohl auf dem Heimatmarkt wie auch im  Ausland. Ende Oktober hatte bereits Japan-Rivale Daiwa Securities, Nummer zwei nach Nomura, vermeldet, dass sich seine Verluste ausgeweitet haben auf 19,4 Milliarden Yen (180 Millionen Euro), ein Minus im dritten Quartal in Folge. Rund 300 Jobs in Übersee will Daiwa abbauen, um Kosten zu sparen. Einen ordentlichen Verlust im selben Quartal im Handelsgeschäft und Investment-Banking mussten aber auch die großen ausländischen Brokerhäusern hinnehmen. Darunter JP Morgan Chase, Goldman Sachs und Citigroup.


War die Expansionsstrategie richtig?

Nomura-Präsident Kenichi Watanabe muss sich nun fragen lassen, ob seine Expansionsstrategie die richtige ist. Noch im vergangenen September hatte Watanabe selbstbewusst sogar den Weggang des Unternehmens aus Tokio als Möglichkeit ins Spiel gebracht, um noch internationaler zu werden. „Soll unser Hauptsitz in Japan bleiben?“, fragte Watanabe provokativ, um die zunehmende Internationalisierung seines Konzerns herauszustreichen. „Einige unserer Mitarbeiter sind Briten, andere kommen aus Indien. Und 44 Prozent unserer Anteilseigner sind Ausländer.“

Das könnte sich nun ändern. Nomura hatte bereits im September in Aussicht gestellt, 400 Stellen weltweit zu streichen, vor allem in Europa, wo das Geschäft besonders schlecht läuft. Man werde Management-Ressourcen nach Asien und Amerika verlagern, so der Konzern nun gestern.

Analysten glauben schon länger, ob Watanabes Kurs wohl in die falsche Richtung geht. „Wir machen uns Sorgen, dass Nomuras Übersee-Geschäft in der Zukunft nichts zum Umsatz beitragen kann, wenn der Markt weiter abrutscht“, sagte Maki Hanatate, Marktbeobachter bei der Ratingagentur Moody’s im Vorfeld der Nomura-Ergebnisse.

Die Ergebnisse zeigen, dass ihre Sorgen berechtigt sind. Nahezu in allen Geschäftsbereichen gab es Einbrüche. Nomuras Übersee-Business machte einen Vorsteuer-Verlust im zweiten Quartal von 52,42 Milliarden Yen (488 Millionen Euro).

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%