EZB-Zinsentscheid: Die Lunte zum Kauf von Staatsanleihen ist gelegt

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KommentarEZB-Zinsentscheid: Die Lunte zum Kauf von Staatsanleihen ist gelegt

von Angela Hennersdorf

EZB-Präsident Mario Draghi dreht nicht weiter an der Zinsschraube, trotz anhaltend niedriger Inflation. Doch der Zentralbank-Chef denkt über schweres Geschütz nach.

Die Psychologie spielt in der Wirtschaft eine große Rolle: Ist die Stimmung bei den Konsumenten positiv? Glauben Sie an eine stabile Konjunktur? Wenn ja, dann hoffen die Unternehmen mehr Produkte verkaufen zu können. Sind die Unternehmen zuversichtlich, steigt auch das Vertrauen der Konsumenten. So schließt sich der Kreis. Die Frage, wie stabil die wirtschaftliche Erholung tatsächlich ist, die spielt dann gar nicht mehr die entscheidende Rolle.  

Geldpolitik hat dagegen wenig mit Psychologie zu tun, da liegen die Dinge ernster: Geldpolitik ist Psychoanalyse. Der Patient, „die Wirtschaft“, liegt auf der Couch, und der Psychiater, die EZB, versucht den Patienten zu helfen, in dem er nicht mehr tut, als zuzuhören und hier und da mal ein paar Worte fallen zu lassen, die aufmuntern sollen. Tatsächlich die Probleme des Patienten lösen, das kann der Psychiater aber nicht. Der Patient muss sich letztlich selbst aus dem Loch helfen.  

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Auf die Geldpolitik übertragen sieht das dann so aus: Patient Wirtschaft kämpft mit ernsthaften Problemen. Wie ernst sie sind, wer will das so genau wissen? Wer will denn gleich von Deflation sprechen? Sehr niedrige Teuerungsrate, das hört sich schon gleich besser an. Die ist gefährlich, schon klar, das sieht auch Zentralbank-Chef Draghi so. Je länger die Phase niedriger Preissteigerung anhalte, umso größer sei die Gefahr, dass Unternehmen und Verbraucher in Erwartung noch weiter sinkender Preise Anschaffungen aufschöben.

Trotz niedriger Inflation EZB belässt Leitzins bei 0,25 Prozent

Die Inflation sinkt immer tiefer, die Konjunkturerholung ist labil und der Eurokurs hoch - deshalb bleibt die EZB in Lauerstellung. Vorerst lockern die Geldpolitiker die Zinsschraube aber nicht noch weiter.

Neubau der EZB und Frankfurter Bankenviertel Quelle: dpa

Und welchen Schluss zieht die EZB daraus? Der EZB-Rat sehe trotz der extrem niedrigen Teuerungsrate im Euroraum von 0,5 Prozent im März derzeit nicht die Gefahr einer Deflation. „Das heißt aber nicht, dass sich der EZB-Rat darüber keine Gedanken machen muss.“

Die Gedanken sind frei, mag man darauf erwidern. Doch was tut denn jetzt die Geldpolitik? Tatsächlich erst einmal gar nichts. EZB-Präsident Draghi belässt den Leitzins bei 0,25 Prozent, trotz der Gefahr fallender Preise auf breiter Front, der die Konjunktur abwürgen könnte. Dazu bekräftigt er das Zinsversprechen der EZB: Der wichtige Zins für Zentralbankgeld im Euroraum werde noch für einen längeren Zeitraum auf diesem Niveau bleiben oder könnte sogar nochmals gesenkt werden.

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