
Frankfurt/DüsseldorfAnfang der Woche schien der jahrelange Rechtsstreit zwischen den Erben Leo Kirchs und der Deutschen Bank erledigt. Man habe sich auf einen Vergleich geeinigt, hieß es. Es sei der Deutschen Bank rund 800 Millionen Euro wert, die Sache endlich zu Ende zu bringen.
Jetzt sind die Anwälte der Deutschen Bank gefragt. Sie müssen den millionenschweren Vergleich mit den Erben des Medienunternehmers noch gegen mögliche Klagen von Aktionären absichern. Zudem liefen Gespräche mit den Manager-Haftpflichtversicherungen des Instituts, die je nach Ausgestaltung möglicherweise einen Teil der Vergleichssumme von gut 800 Millionen Euro übernehmen. Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt von einer Versicherungssumme in Höhe von 500 Millionen Euro.
Mit im Boot bei den Verhandlungen ist laut einem Insider auch der Mann, der die Affäre einst ins Rollen gebracht hatte. Ex-Bankchef Rolf Breuer hatte in einem Interview vor zehn Jahren Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs geweckt und damit die Klagewelle des Unternehmers ausgelöst, der die Bank für den Zusammenbruch seines Medienimperiums verantwortlich machte.
Dabei handelt Breuer jetzt nicht aus Schuldgefühlen, sondern aus handfesten eigenen Interessen. Er dürfte dabei insbesondere daran interessiert sein, dass er nach dem Vergleich nicht selbst mit neuen Klagen rechnen muss.
Zwar hat die Deutsche Bank noch nie einen ehemaligen Vorstand verklagt, allerdings könnte sie dazu gezwungen werden. In einem ähnlichen Fall hat das Bundesverfassungsgericht 1997 entschieden, dass der Aufsichtsrat Schadensersatzansprüche gegen Vorstandsmitglieder prüfen und bei Aussicht auf Erfolg auch klagen muss. Sonst könnten bei Klagen von Aktionären die Mitglieder des Aufsichtsrats schadensersatzpflichtig werden.
Aktionärsvertreter begrüßen zwar grundsätzlich das Ende des zähen und kostspieligen Konflikts, sprechen aber von einem teuren Schritt. „Ob man für einen lockeren Spruch des früheren Bankchefs mal eben 800 Millionen Euro auf den Tisch legt, kann man kritisch hinterfragen“, sagt Klaus Nieding von der Aktionärsvereinigung DSW. Wenn die Bank die Sache schon früher geregelt hätte, wäre es eventuell weniger teuer gewesen, moniert der Anwalt.
Summe kann noch im vierten Quartal verbucht werden
Offen ist, ob alle Aktionäre den Vergleich widerstandslos hinnehmen. Die Vergleichssumme schmälert den Gewinn von 4,3 Milliarden Euro 2011 um rund 20 Prozent. Die Kosten des Vergleichs könnte das Geldhaus Finanzkreisen zufolge noch im vierten Quartal 2011 verbuchen. Dann würde das erste Jahr des neuen Führungsduos Anshu Jain und Jürgen Fitschen damit nicht belastet. Der Geschäftsbericht für das vergangene Jahr wird am 20. März veröffentlicht. Das Institut und die Kirch-Seite kommentierten die Informationen nicht.
Dass die Grundsatzvereinbarung zwischen der Bank und Kirchs Erben noch mal aufgeschnürt wird, sei unwahrscheinlich, heißt es im Umfeld beider Verhandlungsparteien. „Dafür ist man schon zu weit“, betonte einer der Insider.
Mit der Zahlung von mehr als 800 Millionen Euro würde das größte deutsche Geldhaus einen Schlussstrich unter einen zehnjährigen Rechtsstreit mit der Kirch-Familie setzen. Der Medienunternehmer war im vergangenen Sommer mit 84 Jahren gestorben. Er hatte bei Dutzenden Verfahren bis zu 3,5 Milliarden Euro Schadenersatz gefordert.
Aktionärsvertreter Nieding rechnet aber nicht damit, dass der Vergleich die Deutsche Bank anfälliger für Klagen in der Zukunft macht. „Die Bank hat wiederholt gezeigt, dass sie Prozesse durchficht. Da darf man sich nicht vertun.“













