Finanzaufsicht: Banken ziehen blank

Finanzaufsicht: Banken ziehen blank

, aktualisiert 14. Dezember 2011, 20:03 Uhr
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Was heute nur glatte Fassade ist, soll in Zukunft zunehmend sichtbar werden: Die Gesetzgeber wollen es so.

von Yasmin Osman und Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Ob sie wollen oder nicht: Die Kreditinstitute müssen sich bei Eigenkapital, Boni oder Kundenprovisionen immer tiefer von den Behörden in die Bücher schauen lassen. Das bringt Vorteile für die Investoren.

Frankfurt, LondonLange war das Bankensystem eine große Blackbox. Nur Kenner wussten, wie Banken verdienen, was sie verdienen, und welche Risiken sie fahren. In den fetten Jahren kamen die Kreditinstitute mit ihrer Geheimniskrämerei gut durch. In der Krise wurde sie zur Ursache eines immensen Vertrauensverlusts. Nun sollen neue Regeln für mehr Transparenz und auch für mehr Vertrauen bei den Investoren sorgen. „Die Banken werden deutlich gläserner. Das gilt für die Eigenkapitalzusammensetzung, für Gehälter und Boni und auch für Provisionen im Kundengeschäft“, sagt Martin Faust, Bankprofessor an der Frankfurt School of Finance.

Mit einem wichtigen, bislang wenig beachteten Projekt beschäftigt sich heute der mächtige Baseler Bankenausschuss. Die Beschlüsse dieses internationalen Gremiums, dem Bankaufseher und Notenbanker aus 27 Ländern angehören, dienen meist als Blaupause für europäische und nationale Gesetze für Banken. In dieser Woche will der Ausschuss nun ein Konsultationspapier verabschieden, das Investoren besser über die Kapitalstärke einer Bank informieren soll, erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtskreisen.

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Im Kern geht es darum, wie viel Eigenkapital eine Bank wirklich hat. Denn das, was Banken als Eigenkapital in der Bilanz ausweisen, stimmt nicht unbedingt mit dem überein, was die Aufsichtsbehörden auch tatsächlich als Eigenkapital anerkennen. Und nicht jede Form des Eigenkapitals hat die gleiche Qualität. „Deshalb sollen die Banken künftig genau aufschlüsseln, welche Eigenkapitalpositionen in ihrer Bilanz in welchem Ausmaß von der Bankenaufsicht angerechnet werden“, sagt ein Aufseher. „Im Prinzip müssen die Banken neben der handelsrechtlichen noch eine aufsichtsrechtliche Bilanz erstellen.“

Mindestens ebenso wichtig: Die Banken sollen auch offenlegen, welche Bilanzposten ihnen die Aufseher in den behördeninternen Berechnungen wieder vom Eigenkapital abziehen. Das können immaterielle Vermögenswerte, Beteiligungen an Finanzdienstleistern oder auch latente Steuerpositionen sein. Das Transparenzpaket ist Teil der großen Eigenkapitalreform für Banken (Basel III), die ab 2013 eingeführt wird. Es soll vor Weihnachten als Konsultationspapier veröffentlicht werden und vor allem Investoren helfen.

Bankenexperte Faust hält die Pläne für einen großen Fortschritt. „Das würde es einem breiteren Publikum ermöglichen, besser abzuschätzen, wie stabil eine Bank nun wirklich dasteht. Das ist für Investoren vor allem dann wichtig, wenn es einem Institut nicht so besonders gut geht“, sagt er. Denn der Unterschied zwischen dem Eigenkapital in der Bilanz und dem, was die Behörden anerkennen, war bislang zwar groß, aber bestenfalls für echte Bilanzkenner ersichtlich. „In der Krise hat sich das gerächt“, sagt Faust. Ratingagenturen und Investoren stellten zunehmend eigene, ungeheuer strenge Berechnungen an oder hielten sich gleich ganz von Bankaktien fern. „Daher ist dieser Schritt eine vertrauensbildende Maßnahme“, erklärt Faust.


Spitzen-Banker sollen Gehälter veröffentlichen

Auch über ihre eigenkapitalähnlichen Anleihen sollen Banken besser informieren. Künftig müssen die Banken die wichtigsten Eigenschaften solcher risikobehafteter Papiere tabellarisch auflisten. So können alle Anleger erfahren, wann die Wertpapiere für Verluste der Bank mithaften, wann wie hohe Zinsen bezahlt werden und wie lange die Aufsicht die Wertpapiere noch als Kapital anerkennt. Bislang wussten das zum Teil nur die Käufer dieser Wertpapiere.

Nicht nur die Kapitalbasis wird gläsern: Auch in Sachen Gehälter kommen auf die Banken härtere Transparenzforderungen zu. Die britische Regierung will dabei eine Vorreiterrolle übernehmen. Ein neuer Gesetzentwurf von Finanzminister George Osborne sieht vor, dass führende Banker in der Londoner City ihr Gehalt schon bald öffentlich machen müssen. Das Gesetz soll nicht nur für britische Geldhäuser gelten, sondern für die 15 wichtigsten Banken am Finanzplatz London. Die Regeln würden also auch große Wall-Street-Häuser und die Deutsche Bank treffen.

Die Institute sollen nach Osbornes Willen die Gehaltspakete ihrer jeweils acht am besten bezahlten Mitarbeiter publizieren. Diese neuen, schärferen Transparenzklauseln sollen Investoren erlauben, das Risikoprofil der Institute besser einschätzen zu können. „Wir wollen, dass die Aktionäre die Banken für ihre Bonuskultur zur Rechtfertigung ziehen können“, betont der für die Finanzbranche zuständige Staatssekretär, Mark Hoban. Die Briten wollen ihre Banken zudem zwingen, ihre Verschuldung schon zwei Jahre früher offenzulegen, als das Reformpaket von Basel III vorsieht. Das Financial Policy Committee (FPC), der neue für die Stabilität des Finanzsystems zuständige Regulierer, will die Banken zwingen, bereits 2013 die Leverage Ratio, die die gesamte Verschuldung der Institute misst, transparent zu machen. Nur so lasse sich das Vertrauen in das Finanzsystem wieder herstellen, so das FPC.

Auch im Kleinen gibt es Fortschritte, wie ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs zum Thema Pflichtmitteilung gestern zeigte. So muss die IKB einem Anleger womöglich Schadensersatz zahlen, weil sie nicht rechtzeitig über ihre Fehlspekulationen mit Schrottimmobilien in den USA informierte.

Ist also damit alles in Butter? Nicht ganz. „In einem Punkt gibt es aber noch gravierende Defizite“, mahnt Bankprofessor Faust. Die internationalen Bilanzregeln geben den Banken in seinen Augen noch viel zu viele Wahlmöglichkeiten. „Man muss sich wirklich fragen: Wie aussagekräftig ist die Bilanz einer Bank? Wenn man den Geschäftsbericht der UBS neben den der Deutschen Bank legt, dann vergleicht man Äpfel mit Birnen“, ärgert sich der Wissenschaftler. So bilanzierten viele Banken ihre Schulden zum Beispiel zum Marktwert, andere würden das dagegen nicht tun.

Quelle:  Handelsblatt Online
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