
DüsseldorfKeine fünf Jahre ist es her, da waren Deutschlands Banken beliebt: Das Fundament der heimischen Wirtschaft. Kapitalstark, verlässlich, was Gewinne und Dividenden betraf, ein Traum für Aktionäre. Immerhin vier Kreditinstitute gehörten seinerzeit zum Club der größten deutschen Unternehmen, dem Deutschen Aktienindex (Dax). Deutsche Bank, Postbank, Commerzbank und der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate, kurz HRE.
Dazu die ehemaligen Dax-Mitglieder Hypovereinsbank und Dresdner Bank. Sie waren bei der italienischen Unicredit sowie dem Versicherungskonzern Allianz untergekommen – in sicheren Häfen also. Es war die späte Hochphase der deutschen Großbanken. Nur Wenige ahnten damals, dass eine Zeitenwende bevorstünde. Der Beginn einer Finanzkrise, wie sie die Menschen Jahrzehnte nicht mehr erlebt hatten.
Die Deutsche Bank hatte für das Jahr 2007 noch einen Gewinn nach Steuern von gut 6,5 Milliarden Euro vermeldet – eine Steigerung um mehr als 450 Millionen Euro. Mit mehr als 1,9 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern schloss die Commerzbank ihr Rekordjahr 2007 ab. Auch die Landesbanken präsentierten sich groß und stark. Auch wenn sich der Niedergang der WestLB bereits abzeichnete: die deutsche Bankenwelt schien in Ordnung.
Doch der Schein trog. Als am 15. September, weit entfernt in New York, die US-Investmentbank Lehman Brothers pleiteging, sollte nichts mehr so sein wie früher. Auch für die deutschen Banker nicht.
Die Geschichte der Hypo Real Estate (HRE) wird dabei gern erzählt, wenn es ums Scheitern geht. Als erstes deutsches Institut erhielt die HRE staatliche Garantiezusagen in dreistelliger Millionenhöhe. Ende 2008 flog die Bankenholding aus dem Dax, 2009 wurde sie verstaatlicht. Ende 2010 lagerte die HRE Risikokredite und Randgeschäfte im Wert von 175 Milliarden Euro in eine Bad Bank aus. Die HRE ist ein Milliardengrab – mit ungewissem Einebnungsdatum.
Die Postbank hat zwar keine Beerdigung hinter sich, aber auch die ehemalige Deutsche-Post-Tochter gehört längst nicht mehr zum „Who is Who“ der deutschen Unternehmen. Im Frühjahr 2009 stieg die Deutsche Bank ein und die Postbank wurde im deutschen Leitindex wenig später durch den höher kapitalisierten Gesundheitskonzern Fresenius ersetzt. Heute firmiert die Postbank nur noch als kleine Tochter der Deutschen Bank.
Deutsche Bank halbiert in fünf Jahren Gewinn
Doch auch Deutschlands Vorzeigeinstitut ist längst nicht mehr so groß wie einst 2007. Obwohl die Deutsche Bank als einer der wenigen Global Player von der Finanzkrise weitestgehend verschont blieb, kommt sie nun nicht mehr richtig in Fahrt. Die aktuellen Zahlen bestätigen dies. Die Deutsche Bank vermeldete vorläufige Eckdaten für das zweite Quartal – und einen Gewinn von lediglich rund 700 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal waren es noch 1,2 Milliarden Euro.
Der Gewinn vor Steuern brach sogar noch stärker von 1,8 Milliarden Euro auf eine Milliarde Euro ein. Analysten hatten zumindest 1,4 Milliarden Euro erwartet. Für das Gesamtjahr hatten die Experten dem deutschen Branchenprimus einen Nettogewinn von zumindest drei Milliarden Euro zugetraut. 2011 waren es noch 4,3 Milliarden Euro.
Nach den Quartalszahlen von Dienstag wird das Institut die Drei-Milliarden-Euro-Latte nun wohl reißen. Innerhalb von fünf Jahren hätte die Deutsche Bank damit ihren Gewinn mehr als halbiert, während die großen US-Institute bereits wieder kräftig zulegen.
Und der Ausblick ist mau: Der Deutschen Bank drohen empfindliche Strafzahlung im Libor-Manipulationsskandal. Zwei ehemalige Banker sollen in den Zinsskandal verwickelt sein. Analysten von Morgan Stanley sagten dem Finanzinstitut in einer ersten groben Schätzung bereits eine Strafe von rund 850 Millionen Euro voraus. Rückstellungen dafür hat die Bank bisher noch nicht gebildet.
Noch dazu stockt die Aufklärung. Das bringt Anshu Jain in Bedrängnis. Der heutige Co-Chef der Deutschen Bank leitete zwar 2010 die interne Untersuchung des Libor-Skandals ein, bis heute gibt es jedoch kein Ergebnis, keinen Zwischen- oder Abschlussbericht. Jain, seit Juni zusammen mit Jürgen Fitschen als Vorstandsvorsitzender in Amt und Würden, erschwert der Manipulationsskandal, den Neuanfang bei der Deutschen Bank glaubhaft zu verkörpern.
Die Bank darbt, auch an den Aktienmärkten. Vom diesjährigen Höchststand bei knapp 40 Euro Mitte März sind die Deutsche-Bank-Papiere mittlerweile auf knapp 22,50 Euro gefallen. Allein heute hat die Aktie gut fünf Prozent verloren.
Commerzbank kurz vor Penny-Stock-Aktie
Deutschlands Bankenbranche liegt darnieder. Am Aktienkurs lässt sich auch der Abstieg des zweitgrößten deutschen Instituts verdeutlichen. Die Papiere der einstmals stolzen Commerzbank notieren gerade einmal knapp über einem Euro. Noch ein paar Cent und das Papier wird zum Penny-Stock, eine Aktie, die weniger wert ist als ein Euro. An der Börse gelten solche Papiere als windig, geeignet für Hasardeure, bestenfalls. Ein Trauerspiel, sagt einer, der früher mal zu den Top-Managern der Bank zählte.
Im August 2008 kaufte die Commerzbank zur Unzeit kurz vor Lehman die Dresdner Bank für knapp zehn Milliarden Euro. Das hängt ihr bis heute nach. Dazu kommen Strategie-Entscheidungen, die kaum einer mehr nachvollziehen kann. Die letzte Kehrtwende ist erst wenige Wochen her. Ende Juni stampfte Coba-Chef Martin Blessing die Sparten gewerbliche Immobilien und Schiffsfinanzierung ein. Und das, obwohl das Institut die beiden Sparten eigentlich in einem Kernbanksegment zusammenfassen wollte. Es hagelte Kritik von allen Seiten, die Reeder schalteten die Politik ein. Eine unverständliche Entscheidung, wo sich die Commerzbank doch als Mittelstandsbank sieht.
Bleibt die Rolle der Landesbanken in der Geschichte des Niedergangs. Diese richteten sich mit Fehlentscheidung oftmals selbst zu Grunde. Die Westdeutsche Landesbank ist dabei der Extremfall. Alles begann mit Aktien-Fehlspekulationen 2007, in der Finanzkrise gingen die angehäuften Schrottpapiere hoch. Die Milliardenverluste summierten sich, Ende 2009 war die WestLB die erste Bank, die eine Bad Bank für ihre faulen Papiere gründete. 77,5 Milliarden Euro wurden darin ausgegliedert – ein weiteres Milliardengrab. Fusions- und Verkaufsversuche scheiterten, schließlich wurde das Institut auf Druck der EU-Kommission zerschlagen. Am 1. Juli 2012 wurde die WestLB zu Grabe getragen.
BayernLB, LBBW, Bremer LB, LB Berlin, Helaba, SaarLB, NordLB oder HSH Nordbank: Nicht allen restlichen Landesbanken geht es schlecht, ihre Größe und Bedeutung haben sie jedoch verloren. Die Geschichte des Niedergangs der deutschen Bankenwelt, sie ist noch nicht zu Ende geschrieben.
























