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Kommentar Finanzkrise: Amputation des Investmentbankings hilft nicht

von Mark Fehr

Die Trennung riskanter Spekulationen von den Sparkonten klingt vernünftig, ist aber kein Allheilmittel für die Probleme des Bankensektors.

Bankentürme der Deutschen Bank Quelle: dapd
Die Finanzaufseher bei der Bundesbank zweifeln daran, dass sich aufgespaltene Institute besser überwachen lassen als die in Deutschland üblichen Universalbanken. Quelle: dapd

SPD-Chef Sigmar Gabriel nutzt als frisch gebackener Vater die Babypause für den Anti-Banken-Wahlkampf. In einem Artikel für das Handelsblatt bekräftigt er seine Forderung vom Ende vergangenen Jahres nach einer Trennung des Investmentbankings von den Geschäften großer Institute mit Privat- und Kreditkunden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich am Wochenende in die Diskussion eingeschaltet – allerdings nur halbherzig: Deutschland werde sich bei einer Bankenspaltung nicht sperren, sofern es in Europa Bedarf dafür gebe.

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Hinter der Debatte steckt nicht nur Populismus, allerdings dürfte Gabriel nichts dagegen haben, wenn er mit seiner Attacke auf die bei vielen Wählern verhasste Finanzwelt die eine oder andere Stimme einfangen sollte. Für die Forderung der SPD gibt es gute Gründe, jedoch auch Argumente, die dagegen sprechen. In den Augen der politischen Chirurgen, die sich um den kranken Patienten Bankensektor kümmern wollen, ist die Amputation ein verlockender, weil spektakulärer und öffentlichkeitswirksamer Eingriff. Ein Wundermittel für die Abwehr aller Gefahren aus der Finanzbranche ist das Trennsystem aber auf keinen Fall.

Zeitnot

Beim Beratungsgespräch drängen viele Berater zur Eile. 61 Prozent der Gespräche dauern weniger als eine Stunde. Das ist knapp bemessen. Bei einer seriösen Beratung zur Anlagestrategie müssen Banker unter anderem Risikoneigung, Lebens- und Jobsituation, Steuerstrategie oder vorhandenen Immobilienbesitz ermitteln um daraus Empfehlungen für die Aufteilung des Depots abzuleiten.

Die Ergebnisse stammen aus einer Umfrage des Privat Finance Instituts der EBS Business School unter mehr als tausend Bankberatern dauert jedes vierte Gespräch aber weniger als eine Dreiviertelstunde. Lesen Sie, wie frustriert die Berater sind und warum Provisionen bei der Beratung nach wie vor entscheidend sind.

Bild: AP

Die Finanzaufseher bei der Bundesbank zweifeln daran, dass sich aufgespaltene Institute besser überwachen lassen als die in Deutschland üblichen Universalbanken. Zwar könnte die Abtrennung von Geschäftsbereichen den Rest der Bank vor Handelsrisiken aus dem Investmentbanking schützen. Gleichzeitig wachsen aber laut Bundesbank dabei die Konzentrationsrisiken etwa von Großkrediten, deren Ausfälle geschrumpfte Institute empfindlicher treffen könnten. Diese Gefahren würden Investoren und Gläubiger noch stärker davon abschrecken, dem ohnehin schon klammen Bankensektor Geld zur Verfügung zu stellen, das dieser für die Finanzierung seiner volkswirtschaftlich erwünschten Aktivitäten braucht.

Probleme für die Realwirtschaft drohen nicht nur wegen der Größe vieler Banken, sondern auch wegen deren dichter finanzieller Vernetzung. Letztere lässt sich durch ein Trennbankensystem nicht abmildern, denn auch brave Geschäftsbanken ohne Investmentbanking und spekulativen Handel hängen an der Finanzierung durch andere Geldhäuser und können bei Systemkrisen in Liquiditätsprobleme geraten. Das haben die Zusammenbrüche bei der Immobilienbank Hypo Real Estate oder der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB gezeigt.

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Die Finanzaufseher müssen daher für zwei wichtige Kursänderungen auf den Finanzmärkten sorgen: Die Größe und Vernetzung der Häuser ist soweit zu reduzieren, bis Pleiten einzelner Banken keinen Dominoeffekt mehr auslösen können. Zudem müssen die Aktionäre dazu gezwungen werden, ihre Banken mit mehr Haftungsmasse ausstatten, damit diese bei finanziellen Schieflagen nicht auf öffentliche Hilfen angewiesen sind.

Dazu beitragen sollen die strengeren Eigenkapitalpolster laut Regulierungswerk Basel III. Obwohl die Banken den Ansatz grundsätzlich unterstützen, haben ihre Lobbyverbände kürzlich Zweifel geäußert, dass die Kapitalaufstockungen in der dafür vorgesehenen Übergangszeit zu stemmen sind. Die Politik sollte hier auf eine schnelle und strenge Umsetzung bestehen, statt mit der Diskussion um ein Trennbankensystem einen überflüssigen Nebenkriegsschauplatz aufzumachen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.07.2012, 19:25 UhrCuibono

    Es wäre ein Anfang und politisch insofern sinnvoll als dass nicht schon wieder fetten zugekoksten Bankern Steuergeldern geschenkt werden muss, weil diese "Risiken falsch eingeschätzt haben", damit sich erneut davon mit Boni die Weihnachtsferien vergoldet, während der kleine Michel von durchschnittlich 1.200 Netto leben muss.

  • 30.07.2012, 17:33 Uhrmelitaz

    Endlich einmal ein vernünftiger Kommentar, der das Kind beim Namen nennt! Den Bürgern verkauft man, dass Investmentbanking nur von Zockern betrieben wird, und das Publikum springt dankbar auf diesen Zug auf.Denn was sich wirklich dahinter verbirgt, ist zu mühsam zu ermitteln. Weil einige Banken über das Ziel hinaus schossen, schert man alle über einen Kamm. Mit einem Trennbankensystem baut man auf der einen Seite Risiken ab, während man auf der anderen Seite neue aufbaut. Was wir brauchen ist eine bessere Aufsicht, mehr Eigenkapital bei den Banken und einen funktionierenden Interbankenhandel.

  • 30.07.2012, 16:40 Uhrpedro

    Vertrauen das durch Erpressung und Betrug zerstört wurde, wird durch Trennbankensystem nicht wieder hergestellt.
    Erpresser gehören hinter Gitter, selbst Falschparker kommen in den Genuss von Knast bei Uneinsichtigkeit. Falschpinkeln kostet ca.75.- Euro. Existenzvernichtung wird in der Bängsterwelt belohnt.

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