Finanzkrise: Amputation des Investmentbankings hilft nicht

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KommentarFinanzkrise: Amputation des Investmentbankings hilft nicht

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Die Finanzaufseher bei der Bundesbank zweifeln daran, dass sich aufgespaltene Institute besser überwachen lassen als die in Deutschland üblichen Universalbanken.

von Mark Fehr

Die Trennung riskanter Spekulationen von den Sparkonten klingt vernünftig, ist aber kein Allheilmittel für die Probleme des Bankensektors.

SPD-Chef Sigmar Gabriel nutzt als frisch gebackener Vater die Babypause für den Anti-Banken-Wahlkampf. In einem Artikel für das Handelsblatt bekräftigt er seine Forderung vom Ende vergangenen Jahres nach einer Trennung des Investmentbankings von den Geschäften großer Institute mit Privat- und Kreditkunden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich am Wochenende in die Diskussion eingeschaltet – allerdings nur halbherzig: Deutschland werde sich bei einer Bankenspaltung nicht sperren, sofern es in Europa Bedarf dafür gebe.

Hinter der Debatte steckt nicht nur Populismus, allerdings dürfte Gabriel nichts dagegen haben, wenn er mit seiner Attacke auf die bei vielen Wählern verhasste Finanzwelt die eine oder andere Stimme einfangen sollte. Für die Forderung der SPD gibt es gute Gründe, jedoch auch Argumente, die dagegen sprechen. In den Augen der politischen Chirurgen, die sich um den kranken Patienten Bankensektor kümmern wollen, ist die Amputation ein verlockender, weil spektakulärer und öffentlichkeitswirksamer Eingriff. Ein Wundermittel für die Abwehr aller Gefahren aus der Finanzbranche ist das Trennsystem aber auf keinen Fall.

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Die Finanzaufseher bei der Bundesbank zweifeln daran, dass sich aufgespaltene Institute besser überwachen lassen als die in Deutschland üblichen Universalbanken. Zwar könnte die Abtrennung von Geschäftsbereichen den Rest der Bank vor Handelsrisiken aus dem Investmentbanking schützen. Gleichzeitig wachsen aber laut Bundesbank dabei die Konzentrationsrisiken etwa von Großkrediten, deren Ausfälle geschrumpfte Institute empfindlicher treffen könnten. Diese Gefahren würden Investoren und Gläubiger noch stärker davon abschrecken, dem ohnehin schon klammen Bankensektor Geld zur Verfügung zu stellen, das dieser für die Finanzierung seiner volkswirtschaftlich erwünschten Aktivitäten braucht.

Probleme für die Realwirtschaft drohen nicht nur wegen der Größe vieler Banken, sondern auch wegen deren dichter finanzieller Vernetzung. Letztere lässt sich durch ein Trennbankensystem nicht abmildern, denn auch brave Geschäftsbanken ohne Investmentbanking und spekulativen Handel hängen an der Finanzierung durch andere Geldhäuser und können bei Systemkrisen in Liquiditätsprobleme geraten. Das haben die Zusammenbrüche bei der Immobilienbank Hypo Real Estate oder der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB gezeigt.

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Die Finanzaufseher müssen daher für zwei wichtige Kursänderungen auf den Finanzmärkten sorgen: Die Größe und Vernetzung der Häuser ist soweit zu reduzieren, bis Pleiten einzelner Banken keinen Dominoeffekt mehr auslösen können. Zudem müssen die Aktionäre dazu gezwungen werden, ihre Banken mit mehr Haftungsmasse ausstatten, damit diese bei finanziellen Schieflagen nicht auf öffentliche Hilfen angewiesen sind.

Dazu beitragen sollen die strengeren Eigenkapitalpolster laut Regulierungswerk Basel III. Obwohl die Banken den Ansatz grundsätzlich unterstützen, haben ihre Lobbyverbände kürzlich Zweifel geäußert, dass die Kapitalaufstockungen in der dafür vorgesehenen Übergangszeit zu stemmen sind. Die Politik sollte hier auf eine schnelle und strenge Umsetzung bestehen, statt mit der Diskussion um ein Trennbankensystem einen überflüssigen Nebenkriegsschauplatz aufzumachen.

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