Bild: REUTERSEuropäische Banken – Credit Suisse
Der Schweizer UBS-Wettbewerber Credit Suisse reklamiert die Vorreiterrolle in Sachen Strategie-Anpassungen gerne für sich. Denn auch die Credit Suisse schrumpft kräftig die eigene Bilanz, um sich den neuen Kapitalvorgaben von Basel III anzupassen. Allein in der Anleihesparte innerhalb der Investmentbank hat Credit Suisse das Volumen der risikogewichteten Aktiva innerhalb eines Jahres um 43 Prozent auf 131 Milliarden Dollar gekürzt.
Bild: REUTERSUnd die Umbauarbeiten gehen weiter: In der Investmentbank soll die Bilanz nochmals um zehn Prozent gestutzt werden. Das Einsparziel wurde von drei auf vier Milliarden Franken erhöht. Wie viele Jobs das kosten wird, darüber schweigt sich Bank-Chef Brady Dougan (Bild) indes aus. Trotz der Kürzungen haben sich die Umsätze dieses Geschäftsbereichs im Jahresvergleich im dritten Quartal verdreifacht - was Analysten als die positive Überraschung hervorstrichen.
Bild: dapdFür Finanzchef David Mathers zeigt das Ergebnis, dass die Bilanzausdünnung nicht auf die Erträge durchschlagen muss. Credit Suisse erzielte im Investment-Banking im dritten Quartal eine Eigenkapitalrendite von knapp zehn Prozent. „Das wird die UBS wohl nicht erreichen, was den Druck auf das Management hoch halten wird“, sagt Christian Stark, Analyst bei Cheuvreux.
Bild: dapdJim O'Neill nahm kein Blatt vor den Mund, als er sich vor kurzem zur Zukunft der Royal Bank of Scotland (RBS) äußerte: „Unserer Ansicht nach sollte die Form und Größe der Investmentbank am Ende kleiner sein als heute.“ Die Meinung von O'Neill hat Gewicht, denn er ist der Chef von UKFI, jener Organisation, die die Bankenbeteiligungen der britischen Regierung verwaltet, und die RBS gehört seit ihrer Rettung durch die Steuerzahler 2008 zu 81 Prozent dem Staat.
Bild: REUTERSDie Investmentbank des Geldhauses soll also weiter schrumpfen. Dabei ist Vorstandschef Stephen Hester (Bild) bereits kräftig auf die Bremse getreten. Anfang dieses Jahres hatte Hester den Abbau von rund 4000 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Bank zog sich aus großen Teilen des Aktiengeschäfts und einigen anderen Bereichen zurück und verkaufte den traditionsreichen Broker Hoare Govett.
Bild: dapdSeit Hester Ende 2008 sein Sanierungsprogramm für das damals schwer angeschlagene Geldhaus auf den Weg brachte, hat er die Investmentbank der RBS um mehr als die Hälfte verkleinert. Einen völligen Rückzug hielte aber auch UKFI-Chef O'Neill für eine falsche Entscheidung. Zu wichtig seien die Dienste der Investmentbanker für das Wachstum und das Wohlergehen britischer Unternehmen.
Bild: dpaDeutsche Bank
Bei der Deutschen Bank müssen Tausende Investmentbanker um ihren Job fürchten. Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain wollen sparen, um Ertragseinbußen im Zuge der Schuldenkrise und der härteren Regulierung aufzufangen. Das Investment-Banking dürfte zwar zuletzt wieder gut gelaufen sein. Doch das Geschäft gilt als sehr volatil - und Volatilität steht bei der Bank derzeit nicht hoch im Kurs.
Bild: dapdBis 2015 will die Deutsche Bank rund 4,5 Milliarden Euro einsparen - vor allem im Investment-Banking. Im Juli teilte die Bank mit, dass in diesem Jahr 1900 Arbeitsplätze gestrichen werden, 1500 davon im Investment-Banking. Im Moment beschäftigt die Deutsche Bank insgesamt noch gut 100.000 Mitarbeiter, davon 47.000 in Deutschland. Zunächst wird der Stellenabbau aber Kosten verursachen. Schon in den Zahlen zum dritten Quartal waren Sonderbelastungen wegen des Stellenabbaus, anhängiger Rechtsstreitigkeiten und dem Abbau von Risikopositionen zu erwarten.
Bild: REUTERS„Es gibt auf der Kostenseite Gegenwind“, hatte Co-Chef Anshu Jain kürzlich gewarnt. Die Geschäfte liefen aber „sehr solide - vor allem im Investment-Banking“. In den vergangenen Jahren hatte die Sparte „Corporate & Investment Bank“ über die Hälfte der Erträge beigesteuert.
Bild: dpaUS-Banken – Goldman Sachs
Goldman Sachs hat auch im dritten Quartal wieder die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die legendäre Investmentbank meldete einen Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar - nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Verlust von 428 Millionen Dollar angefallen war. Grund dafür ist vor allem das profitable Kerngeschäft, das Investment-Banking: Bei Goldman stiegen die Einnahmen aus dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen um 49 Prozent. Der Investment-Arm allein trug 1,16 Milliarden Dollar zu den Gesamterlösen von 8,35 Milliarden Dollar bei.
Europäische Banken – Credit Suisse
Der Schweizer UBS-Wettbewerber Credit Suisse reklamiert die Vorreiterrolle in Sachen Strategie-Anpassungen gerne für sich. Denn auch die Credit Suisse schrumpft kräftig die eigene Bilanz, um sich den neuen Kapitalvorgaben von Basel III anzupassen. Allein in der Anleihesparte innerhalb der Investmentbank hat Credit Suisse das Volumen der risikogewichteten Aktiva innerhalb eines Jahres um 43 Prozent auf 131 Milliarden Dollar gekürzt.
Überdimensionierte Banken
Europas Geldinstitute sitzen auf einem so hohen Schuldenberg, dass man sich wundert, warum Politiker und Steuerzahler überhaupt noch ruhigen Schlaf finden. Ebenso schwindelerregend ist die Dimension der Kredite, die die Banken mit dem geliehenen Geld vergeben haben und auf deren Rückzahlung sie warten. Ihre Bilanzen sind daher hoffnungslos mit Risiken überladen. „Die europäischen Geldhäuser sind so groß, dass sie die finanzielle Stabilität ihrer Heimatländer bedrohen“, warnten jüngst die Analysten der britischen Barclays Bank.
Im krisengeplagten Irland etwa belaufen sich die Schulden des Bankensektors auf das Siebenfache der jährlichen Wirtschaftsleistung der grünen Insel. Die Banken dort müssen also nur einen leichten Schnupfen erwischen, und schon wird der irische Staat mindestens von einer schweren Grippe heimgesucht. Auch in Spanien oder Deutschland ist die Dimension der vom Bankensektor angehäuften Schulden mit dem Dreifachen des Bruttoinlandsprodukts schwindelerregend.
Bild: REUTERSBanco Santander (Spanien)
Bilanzsumme: 1293 Milliarden Euro
Marktkapitalisierung: 56 Milliarden Euro
Bild: REUTERSUBS (Schweiz)
Bilanzsumme: 1176 Milliarden Euro
Marktkapitalisierung: 34 Milliarden Euro
Bild: dapdLloyds Banking (Großbritannien)
Bilanzsumme: 1192 Milliarden Euro
Marktkapitalisierung: 30 Milliarden Euro
Bild: dapdING (Niederlande)
Bilanzsumme: 1237 Milliarden Euro
Marktkapitalisierung: 23 Milliarden Euro
Bild: dpaSociété Générale (Frankreich)
Bilanzsumme: 1247 Milliarden Euro
Marktkapitalisierung: 16 Milliarden Euro
Bild: dapdRoyal Bank of Scotland (Großbritannien)
Bilanzsumme: 1754 Milliarden Euro
Marktkapitalisierung: 32 Milliarden Euro
Bild: dpaCrédit Agricole (Frankreich)
Bilanzsumme: 1802 Milliarden Euro
Marktkapitalisierung: 54 Milliarden Euro
Bild: REUTERSBNP Paribas (Frankreich)
Bilanzsumme: 1970 Milliarden Euro
Marktkapitalisierung: 44 Milliarden Euro
Bild: ReutersBarclays (Großbritannien)
Bilanzsumme: 2022 Milliarden Euro
Marktkapitalisierung: 28 Milliarden Euro
Bild: REUTERSHSBC (Großbritannien)
Bilanzsumme: 2097 Milliarden Euro
Marktkapitalisierung: 127 Milliarden Euro
Banco Santander (Spanien)
Bilanzsumme: 1293 Milliarden Euro
Marktkapitalisierung: 56 Milliarden Euro
Dabei ist hierzulande jedoch der Anteil der stabilisierenden Kundeneinlagen auf Bankkonten oder Sparbüchern an den gesamten Schulden der Kreditinstitute deutlich höher als in Irland. Das ist gut für die Banken, denn Kontoguthaben werden bei Krisen nicht so schnell abgezogen, weil Haushalte und Unternehmer ihre Bankverbindung für den Zahlungsverkehr brauchen. Für die Sparer heißt das aber, dass sie die Abenteuer so mancher Institute finanzieren. Verzettelt sich ihre Bank auf den Finanzmärkten, müssen sich die Kunden beim Einlagensicherungsfonds in die Schlange stellen.
Schwache Aufpasser
Seit Ausbruch der europäischen Schuldenkrise will Brüssel die Banken strenger kontrollieren, doch ein Rezept dafür hat die EU-Kommission noch nicht gefunden. Neben den nationalen Aufpassern – in Deutschland sind das die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sowie die Bundesbank – sollte ursprünglich die in London angesiedelte Behörde EBA den systemrelevanten Instituten in der EU auf die Finger schauen.
Doch das EBA-Experiment scheiterte. Die Stresstests sahen in der Papierform streng aus, gaben aber grünes Licht für einige Banken, die kurz darauf von den Steuerzahlern ihrer Heimatländer vor dem Zusammenbruch gerettet werden mussten.
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