Finanzkrise: Neuer Streit um Giftpapiere

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Finanzkrise: Neuer Streit um Giftpapiere

von Mark Fehr

Finanzriesen aus den USA wollen von internationalen Geldinstituten wie der Deutschen Bank Milliarden einklagen. Dahinter steckt viel taktisches Verhalten.

Faule Hauskredite haben die Finanzkrise ausgelöst. Das ist bekannt. Die Deutsche Bank hat immer wieder teure Rechtsstreitigkeiten am Hals. Auch das ist nichts Neues. Jetzt aber wollen amerikanische Großinvestoren wegen ihrer Verluste aus verbrieften Hypothekenpapieren umgerechnet 184 Milliarden Euro von internationalen Banken zurück. Zu den zahlreichen Beklagten zählt auch die Deutsche Bank. Der juristische Ansatz bei der Klage ist bemerkenswert, nicht nur wegen der Mammutdimension der Schadenersatzforderung.

Was gegen einen Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain spricht

  • 1. Verantwortung für Fehler

    Als oberster Investmentbanker trägt er zumindest die politische Verantwortung für Verfehlungen der Vergangenheit.

  • 2. Unglaubwürdigkeit bzgl. eines Neustarts

    Bei Politikern und Aufsehern ist er ein wenig glaubwürdiger Vertreter eines Neustarts.

  • 3. Seine Sprachkenntnisse

    Obwohl er sich bemüht, spricht Jain nach wie vor nur wenig Deutsch.

Nach der gleichen Logik hätten Privatanleger ihre Depotbank verklagen können, weil sie im Hype des Neuen Markts mit den populären Aktien der Telekom Verluste gemacht haben. Auf diese Prozessidee würde allerdings kein seriöser Anlegeranwalt kommen. Die Argumentation der Finanzriesen Blackrock und Pimco geht so: Die Banken haben die Schrottpapiere zwar nur im Auftrag der Investoren verwahrt, hätten aber die schlechte Bonität der Schuldner kennen müssen, die hinter den verbrieften Immobilienkrediten standen. Wohlgemerkt handelt es sich bei den nun in den USA verklagten Geldhäusern nicht um die Emittenten der Verbriefungen.

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Von denen lässt sich nämlich nichts mehr zurückholen, weil mögliche Ansprüche sechs Jahre nach der Emission verjährt sind. Dieser Richterspruch gilt aber nicht für die Treuhänder. Bleiben für Klagen also noch die Banken, bei denen die Investoren ihre faulen Papiere verwahren ließen.

Was für einen Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain spricht

  • 1. Fachkompetenz

    Jain gilt fachlich weltweit unbestritten als einer der besten Banker seiner Generation.

  • 2. Seine Erfahrung und Pläne

    Nach fast 20 Jahren kennt er sich in der Bank mehr als bestens aus und hat einen klaren Plan für deren Umbau.

  • 3. Seine Führungsqualitäten

    Jain ist ein sehr fordernder, aber auch motivierender Chef, dem seine Mitarbeiter vertrauen.

Verbriefte Immobilienkredite haben während der Finanzkrise traurige Berühmtheit als finanzielle Massenvernichtungswaffen erlangt. Nicht nur einfältige deutsche Landesbanker versenkten Steuermilliarden beim Kauf der undurchsichtigen Wertpapiere, für die in diesem Fall die Bezeichnung Verlustpapiere besser gepasst hätte. Auch sonst mit allen Wassern gewaschene Investmentprofis wie Blackrock oder die Allianz-Tochter Pimco holten sich blutige Nasen.

Die nebulöse Bezeichnung als Asset-Backed-Securities – forderungsbesichert Wertpapiere – suggeriert Verlässlichkeit. Anders als bei Pfandbriefen fehlen aber keine Sicherheiten, auf die Investoren zurückgreifen können, wenn die Schuldner nicht zahlen können. Der Trick bei den Finanzkrisenverbriefungen lag in der Aufspaltung in Tranchen mit hohen und niedrigeren Risiken, wobei auch die verlustträchtigen Teile von den Ratingagenturen zunächst passable Bonitätsnoten erhielten.

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Die Investoren, die jetzt auf Schadenersatz klagen, haben mit den Giftpapieren allerdings nicht nur Verluste gemacht. Bei den Aufräumarbeiten im Anschluss an die Finanzkrise sprangen sie oft als Experten ein, wenn es um die Entsorgung des Giftmülls in den Bilanzen ging. Dabei erhielten sie von den Banken lukrative Beraterverträge oder kamen beim Kauf von stark abgeschriebenen Wertpapierpaketen billig zum Zuge. Es liegt allerdings nicht in der Natur der großen Fonds, sich damit zufrieden zu geben. Wenn es die Chance auf zusätzlichen Schadenersatz gibt, klagen sie daher nur zu gern. Und wenn sich die prozessgeplagten Banken zu einem Vergleich breit schlagen lassen, bevor die Richter ihr Urteil sprechen, ist aus Sicht der Kläger auch schon viel gewonnen.

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