FinTech: Die jungen Wilden müssen um Vertrauen kämpfen

FinTech: Die jungen Wilden müssen um Vertrauen kämpfen

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Wie Verbraucher und Firmenkunden von jungen, digitalen Finanzdienstleistern profitieren.

von Mark Fehr

Junge, digitale Finanzdienstleister elektrisieren die traditionelle Bankenwelt. Aber sind sie auch zuverlässig? Was dran ist am FinTech-Hype und wie Verbraucher und Firmenkunden davon profitieren können.

Yassin Hankir zieht schon sein zweites FinTech-Start-up hoch. Savedroid heißt das aktuelle Baby, was so viel bedeutet wie Sparroboter. Die App für das Mobiltelefon soll den inneren Schweinehund im Nutzer an die kurze Leine nehmen und ihn zum Sparen anregen, wann immer die Möglichkeit dazu besteht.

Die rein finanzielle Dienstleistung des Sparkontos ist dabei nur ein Teil des Geschäftsmodells, erklären Hankir und sein Mitgründer Marco Trautmann am Konferenztisch im Savedroid Büro mitten im rauen Gutleutviertel nicht weit vom Frankfurter Hauptbahnhof. Strategie von Savedroid soll vielmehr sein, anhand der Kontobewegungen der Kunden deren Sparpotenzial zu erkennen. Beispiel: Der Handy- oder Energieversorgungsvertrag ist zu teuer und könnte gegen ein billigeres Angebot bei vergleichbarer Leistung getauscht werden.

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Frankfurt am Main ist der wichtigste deutsche Stützpunkt der klassischen Bankenbranche. Im Schatten der Wolkenkratzer siedeln sich allerdings immer mehr kleine Finanz-Start-ups wie Savedroid an. Immerhin elf FinTechs gibt es hier, in der Kreativhauptstadt Berlin sind es 29. Hankirs erste FinTech-Gründung namens Vaamo ist in einem Hinterhaus an der Mainzer Landstraße im Frankfurter Gallusviertel entstanden. Lage und Einrichtung der Räume des Internetportals für digitalisierte Vermögensanlage gleichen dem Savedroid-Büro: Offene Küche, Fußballtisch, freilaufender Bürohund. Start-up-Feeling eben.

Das Marketinggetöse der Newcomer kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Zahl noch winzig ist im Vergleich zum traditionellen Bankensektor. Rund 200 FinTechs gibt es nach Schätzung des Bankenverbands in Deutschland, viele von ihnen müssen ihren Kundenstamm erst noch aufbauen. Dem gegenüber steht die Finanzgruppe der Sparkassen mit allein rund 50 Millionen Kunden, ganz zu schweigen von den rund 1000 Volksbanken und den privaten Banken mit ihren Filialketten. Obwohl oder gerade weil die FinTechs sich oft als Herausforderer des Establishments stilisieren, ist ihre Akzeptanz bei Verbrauchern noch gering. Firmenkunden dagegen haben weniger Berührungsängste.

Akzeptanz bei Verbrauchern noch gering

Für sich genommen sind die digitalen Finanzdienstleister zu klein, um eine nennenswerte Herausforderung für den etablierten Bankensektor darzustellen. Doch ihre große Zahl und Beweglichkeit machen das Phänomen FinTech zu einem Thema, mit dem sich längst auch die Vorstände der großen Finanzkonzerne auseinandersetzen müssen.

Disruption – englisch für Zerstückelung – lautet die aggressive Kampfparole der FinTech-Branche. Zerlegt werden soll die lange Wertschöpfungskette der Banken, wobei nicht ein großer Hightech-Konzern die bisherigen Finanzdienstleister im Alleingang vom Kunden abschneiden soll.

Nein, Jungunternehmen wollen jeweils kleinste Kompetenzen aus der breiten Palette an Finanzdienstleistungen an sich reißen. Sie alle träumen davon, mit einem spezialisierten Geschäftsmodell zum millionenschweren Einhorn zu werden, also dem Liebling der Investoren.

Die zehn wichtigsten jungen Finanzdienste aus dem Internet

  • Erläuterung

    Die zehn wichtigsten jungen Internet-Finanzdienste

    Quelle: Unternehmen, eigene Recherche

  • Avuba

    Geschäftsmodell: Girokonto auf dem Smartphone

    Sitz: Berlin

    gegründet: 2013 von Jonas Piela, Oliver Lukesch und Wilken Bruns

    größte Geldgeber: Business Angels

    Nutzer: nicht veröffentlicht

    Mitarbeiter: 9

  • Ayondo

    Geschäftsmodell: Social Trading: ambitionierte Anleger folgen erfahrenen Spekulanten

    Sitz: Frankfurt, London

    gegründet: 2009 von Robert Lempka und Thomas Winkler

    größte Geldgeber: Luminor Capital

    Nutzer: 80.000

    Mitarbeiter: 47

  • Klarna

    Geschäftsmodell: Internet-Zahldienst und Festgeld

    Sitz: Stockholm, Köln

    gegründet: 2005 von Sebastian Siemiatkowski

    größte Geldgeber: Sequoia Capital, Atomico

    Nutzer: 25 Millionen

    Mitarbeiter: 1.100

  • Kreditech

    Geschäftsmodell: Scoring-Algorithmus zum Aufbau einer digitalen Bank

    Sitz: Hamburg

    gegründet: 2012 von Sebastian Diemer

    Investoren: Värde Partners, Blumberg Capital, Pont Nine Capital 

    Kunden: 2 Millionen Nutzer gescored, bei 9 Niederlassungen

    Mitarbeiter: mehr als 200

    Stand:Oktober 2014

  • Moneymeets

    Geschäftsmodell: Private Finanzplanung über soziales Netzwerk

    Sitz: Köln

    gegründet: 2012 von Dieter Fromm und Johannes Cremer

    größte Geldgeber: Dieter von Holtzbrinck Ventures, Family Offices

    Nutzer: etwa 5000

    Mitarbeiter: 12

  • Smava

    Geschäftsmodell: Vermittlung von Bank- und Privatkrediten

    Sitz: Berlin

    gegründet: 2007 von Alexander Artopé und Eckart Vierkant

    größte Geldgeber: Earlybird

    Nutzer: nicht veröffentlicht

    Mitarbeiter: über 100

  • Stockpulse

    Geschäftsmodell: Kursprognosen durch Auswertung sozialer Netzwerke

    Sitz: Köln

    gegründet: 2011 von Jonas Krauß und Stefan Nann

    größte Geldgeber: Ayondo, eigenes Management

    Nutzer: 2.700

    Mitarbeiter: 7

  • Vaamo

    Geschäftsmodell: Automatisierte Geldanlage

    Sitz: Frankfurt

    gegründet: 2013 von Thomas Bloch, Yassin Hankir und Oliver Vins

    größte Geldgeber: Business Angels

    Nutzer: 200 Testkunden, Ziel bis 2018: 100.000

    Mitarbeiter: 14

  • Weltsparen

    Geschäftsmodell: Festgeldanlagen bei internationalen Banken

    Sitz: Berlin

    gegründet: 2013 von Tamaz Georgadze, Frank Freund, Michael Stephan

    größte Geldgeber: Index Ventures

    Nutzer: Etwa 5.000

    Mitarbeiter: 30

  • Wikifolio

    Geschäftsmodell: Social Trading: Anleger folgen erfahrenen Händlern und Profis

    Sitz: Wien

    gegründet: 2011 von Andreas Kern

    größte Geldgeber: Speedinvest, Verlagsgruppe Handelsblatt

    Nutzer: 28.000

    Mitarbeiter: 24

Wie das geht, hat der Ex-Banker Carlo Kölzer mit seinem Unternehmen 360T vorgemacht. Bei der digitalen Devisenhandelsplattform können Unternehmen Währungsgeschäfte billiger abwickeln als bei Banken. Im Sommer 2015 griff die Deutsche Börse zu und kaufte die Anteile für 725 Millionen Euro von Kölzer und dem Frankfurter Finanzinvestor Brockhaus Private Equity.

Ihre enge Spezialisierung macht die Angreifer nicht weniger gefährlich für die herkömmliche Konkurrenz. „Auch Ameisen können einen Elefanten töten, wenn jede nur einmal zubeißt“, tönte ein Gründer auf einem Finanzkongress vor zwei Jahren.

Doch diese martialische Rhetorik legt sich, vor allem bei FinTechs, die schon länger am Markt sind. Sie haben erkannt, dass die ihnen von Investoren und frustrierten Bankkunden entgegengebrachte Euphorie ihre alternativen Geschäftsmodelle nicht zum Selbstläufer macht.

Kooperieren statt konkurrieren

Trotz des technischen Vorsprungs haben die Neuen es schwer, schnell auf eine kritische Masse an Kunden zu kommen. Viele erkennen daher ihr Heil in der Kooperation mit den Banken. Die Zusammenarbeit mit den Etablierten hilft auch, die strengen Regulierungsauflagen zu meistern, deren Komplexität viele Gründer unterschätzen.

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Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Wie sehen Kooperationen zwischen Herausforderern und Platzhirschen aus? Dass etwa Hankirs Savedroid die Sparkonten der Nutzer von einer Bank verwalten lässt, ist noch keine Zusammenarbeit in diesem Sinne. Fast alle FinTechs kaufen solche Basisdienste von Banken ein. Ziel einer engen Kooperation ist dagegen, dass die Großen den Kleinen Zugang zu ihren Millionen Privat- und Firmenkunden bieten und im Gegenzug Zugriff auf die technischen Innovationen der Start-ups erhalten.

Brutkasten für die Kleinen

Vorreiter bei diesem Modell ist die Frankfurter Commerzbank mit ihren Beteiligungstöchtern Commerzventures und Main Incubator. In ihrem Frankfurter Brutkasten betreut die Großbank junge FinTechs, damit sie sich unter den Fittichen der Großbank zur Marktreife entwickeln können.

Zum Portfolio des Commerzbank-Inkubators gehören mittlerweile vier Beteiligungen, alle mit den FinTech-typischen kryptisch-modernen Markennamen: Der Firmenkundenbezahldienst Traxpay, der digitale Rechnungsabwickler Gini, der Gehaltsabrechner Optiopay oder BuyBye, mit dem Unternehmen und Verbraucher flexibel die jeweils neuesten IT-Geräte mieten können.

Die Commerzbank-Beteiligungen richten sich vorwiegend an Geschäftskunden, die mit diesen Lösungen wiederum ihre Endkundschaft besser bedienen können. Das ist kein Zufall, denn Christian Hoppe, der den Inkubator ins Leben gerufen hat, kommt aus dem Mittelstandsbanking der Commerzbank.

Es gibt aber vor allem FinTechs, die sich direkt an Sparer und Verbraucher richten. Das gilt etwa für das in Großbritannien entstandene Unternehmen Azimo. Das Geschäftsmodell lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Wir sind Western Union auf dem Smartphone“, sagt Azimo-Gründer Michael Kent. Gastarbeiter aus Schwellenländern sollen per App schneller Geld in die Heimat schicken können als es Western Union schafft – und vor allem billiger.

Kredit vom FinTech

Aufsehen erregen auch Schwarmfinanzierer wie Auxmoney aus Düsseldorf. Sie bringen private Schuldner und Privatanleger zusammen, nehmen also Banken als klassische Kreditvermittler aus dem Spiel. Wer Geld braucht, etwa um ein neues Motorrad zu finanzieren, findet über Auxmoney Gläubiger, die das Geld dafür gegen entsprechende Zinsen vorstrecken.

Dieses in Großbritannien und den USA entstandene Prinzip des Crowdlendings wurde erstmals vom Berliner Kreditportal Smava nach Deutschland importiert. Smava allerdings hat sich mittlerweile hauptsächlich zur Vermittlungsplattform entwickelt, auf der Kreditnehmer die Zins- und Tilgungskonditionen der Banken vergleichen und das aus ihrer Sicht günstigste Angebot abschließen können.

Der amerikanische Schwarmfinanzierer Lending Club hat im vergangenen Jahr bei seinem Börsengang Rekorde gebrochen. Rund neun Milliarden Dollar an Krediten hat das Unternehmen aus dem Silicon Valley schon vergeben. Das ist viel, doch selbst alle Lendingportale zusammen können es noch längst nicht mit den Banken aufnehmen, wenn es darum geht, ganze Volkswirtschaften mit Geld zu versorgen.

Bei Privatkunden umstritten

Nutzen schaffen die Vermittler für die Kreditgeber nur, wenn sie bonitätsschwache Schuldner gründlicher und effizienter aussieben als es die Banken schaffen. Das ist für sie besonders wichtig, schließlich werben die Neulinge damit, dass sie auch Kunden bedienen, die bei herkömmlichen Banken abblitzen. Das dürfte auch Schuldner mit schlechter Bonität anlocken, die wegen oder geringen Einkommens oder wegen Altschulden keine klassischen Bankkredite bekommen. Was die langfristigen Ausfallraten der Schwarmkredite betrifft, liegen kaum verlässliche Daten vor. Die Plattformen lassen sich hier ungern in die Karten schauen, weil sie der Konkurrenz keinen Einblick in ihr Risikomanagement geben wollen.

Nicht nur bei US-Investoren genießen FinTech-Firmen breite Akzeptanz. Der Kleinkreditanbieter Ferratum, gegründet von dem Finnen Jorma Jokela, ging im Frühjahr 2014 erfolgreich in Frankfurt an die Börse. Bei Ferratum können Kunden in zahlreichen Ländern Finanzspritzen über das Mobiltelefon beantragen, um im Alltag besser über die Runden zu kommen. Das geht schnell und unkompliziert, den Nutzern fällt die recht hohe Effektivverzinsung nicht so stark auf, weil sie das Geld nur kurzfristig leihen und die Beträge relativ niedrig sind.

Sicherheit bei Banken

  • Doch wie konnte der Einbruch überhaupt gelingen?

    Wände müssen mit Schutzmechanismen wie Erschütterungsmeldern oder einbetonierten Drahtschleifen ausgestattet sein. Wenn dies nicht der Fall ist, ertönt beim Eindringen in das Mauerwerk kein Alarm.

    Im Normalfall sollten Bewegungsmelder immer über die ganze Fläche des Raumes verteilt sein, so dass jeder Winkel unter Beobachtung steht. Die Sensoren sollten keinerlei Sichtbehinderungen ausgesetzt sein. Infrarotkameras reagieren auf Körperwärme. Sobald also jemand den Raum betritt, geht der Alarm los. Das war bei den Tunnelräubern nicht der Fall.

  • Hätte das Sicherheitspersonal den Bankraub verhindern können?

    In der Regel müsste jeder Unregelmäßigkeit nachgegangen werden. Dies ist im Falle der Berliner Tunnelräuber nicht geschehen. Möglicherweise hätte man aufmerksam werden müssen, wenn über Monate hin ein Bruch durch eine Wand gebohrt wird. Im Vorfeld des Bankraubs habe es einen ersten Einbruch gegeben, der vom Sicherheitspersonal nicht weiter nachgegangen worden sei.

  • Muss das Geldinstitut für den Schaden aufkommen?

    In der Regel ist der Inhalt eines Schließfaches nicht versichert. Wenn die Bank jedoch grob fahrlässig keine entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen einleitet, könnten es in einem gerichtlichen Verfahren darauf hinauslaufen, dass das Bankinstitut den Schaden ersetzen muss.

Ferratum hat sein Angebot jedoch auch um Kredite für kleine und mittlere Unternehmen erweitert. Daher wollen die Finnen jetzt die FCB Firmen-Credit Bank in Frankfurt übernehmen, sobald die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank ihre Zustimmung gegeben haben. Der Geschäftsbereich Ferratum Business soll dann Kredite bis 50.000 Euro mit einer Laufzeit von bis zu zwölf Monaten an kleine und mittlere Unternehmen vergeben.

Ferratum-CEO Jokela und sein Finanzchef Clemens Krause wollen mit der geplanten Akquisition den Finanzplatz Frankfurt zum Zentrum ihres Firmenkundengeschäfts machen. Das soll der Bedeutung der deutschen Wirtschaft mit ihrer mittelständischen Struktur Rechnung tragen.

Mittelstand beißt an

Eine aktuelle Umfrage durchgeführt vom Kreditportal creditshelf und der Technischen Universität Darmstadt bestätigt den finnischen Vorstoß in den Mittelstand. Danach erwägen drei von vier Mittelständlern, kurzfristige Kredite für das operative Geschäft über digitale Anbieter anzufragen. Befragt wurden immerhin 100 Finanzentscheider aus mittelständischen Unternehmen verschiedener Branchen. Dafür erwarten die Unternehmer allerdings, dass die FinTechs unkomplizierter und billiger arbeiten als traditionelle Kreditinstitute.

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Weniger positiv sieht die Akzeptanz bei Privatkunden aus. Das jedenfalls ergab Umfrage durch die internationale Unternehmensberatung Prophet aus dem November. Danach sind 90 Prozent der 1000 befragten Bundesbürger skeptisch gegenüber Finanzdienstleistern aus der FinTech-Branche und wollen daher lieber bei ihrer Hausbank bleiben. „Die Kunden möchten ihr Kapital ungern unbekannten Start-ups anvertrauen, von denen sie selten wissen, wer dahintersteckt und ob es sie morgen noch gibt“, begründete Prophet-Partner Felix Stöckle damals das Ergebnis.

FinTechs wie Ferratum aus Finnland oder Yassin Hankirs Savedroid haben dem Finanzplatz Frankfurt den Vorzug gegenüber der Start-up-Hauptstadt Berlin gegeben. Die hessische Politik will, auch ermutigt durch solche Ansiedlungen, den Rückstand zum Platzhirsch aufholen. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hat einen Wettbewerb ausgerufen, bei dem die besten Konzepte für ein FinTech-Gründerzentrum am Main gesucht werden. Nach Ansicht des Ministers bietet Frankfurt mit seiner IT-Kompetenz und der Präsenz internationaler Banken die besten Standortvoraussetzungen dafür.

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