FinTech, Filiale, Fortschritt: Fünf Thesen für die Bank der Zukunft

ThemaBanken

FinTech, Filiale, Fortschritt: Fünf Thesen für die Bank der Zukunft

Bild vergrößern

Wo sich das Geld wohlfühlen soll: Die Bankfiliale der Zukunft.

von Mark Fehr

Die Zukunft der Banken gilt als düster. Was wird aus Filialen, Mitarbeitern und Kunden? Ein Blick in die Zukunft der Institute.

Riesensofas, Flachbildschirme und Stehtische, angenehm umrahmt von heller Holzvertäfelung: Die Flaggschiff-Filiale der Commerzbank auf der Stuttgarter Königstraße setzt auf eine futuristische und offene Atmosphäre. Kunden werden an Videokassen bedient, können sich aber auch mit dem Berater aus Fleisch und Blut in eine ruhige Ecke zum Gespräch zurückziehen. Sieht so die Bank der Zukunft aus?

Ein Kongress, veranstaltet vom Bankerverband IBF in Frankfurt, zu Beginn der Woche versuchte, die Entwicklung Geldinstitute zu ergründen. Fünf Thesen lassen sich herauskristallisieren.

Anzeige

1.     Die Renaissance der Filiale

Eine Diskussion über die Bank der Zukunft kann sich nicht am Thema Filiale erschöpfen, muss aber bei ihr anfangen. Sie ist das erste, an das viele Kunden beim Wort „Bank“ denken, Kindheitserinnerungen an die erste Sparschweinschlachtung mit anschließender Kontoeröffnung am Schalter inbegriffen.

Vermutlich ist es aber ein Fehler vieler Entscheider, davon auszugehen, das müsse immer so bleiben. Jüngere und internetaffine Kunden legen nämlich weniger Wert auf Filialen, sagen zumindest Umfragen.

So digitalisieren Banken ihr Geschäftsmodell

  • Gezieltere Kundenansprache

    Durch Auswertung des Kundenverhaltens über alle Kanäle (Online, Mobil, Filiale) können Kundenbedürfnisse besser gefiltert werden und so der ideale Zeitpunkt für eine individuelle Kundenansprache identifiziert werden.

    Quelle: Roland Berger

  • Alternative Kundengewinnung

    Die Neukundengewinnung ist in den letzten Jahren sehr schwierig geworden. Banken müssen daher innovative Ideen entwickeln, um Neukunden mit einfachen und digitalisierten Produkten zu überzeugen.

  • Neue Umsatzquellen erschließen

    Es reicht nicht aus, Geschäftsmodelle zu optimieren. Banken müssen auch ihr Wachstum vorantreiben und neue Geschäftsfelder erschließen.

  • Aufbau eines digitalen Ökosystems

    Durch Kooperationen mit branchenfremden digitalen Playern oder FinTech-Unternehmen bekommen Banken direkten Zugang zu innovativen Ideen und lernen die Denkweise der "Digital Natives".

  • Fehler als Chance begreifen

    Fehler müssen erlaubt sein, denn nur so können sich Organisationen in dem sich ständig ändernden digitalen Umfeld weiterentwickeln.

  • Neudefinition des Kundenservice

    Digitalisierung ermöglicht eine neue Art des Kundenservice. Um diese Chancen nutzen zu können, muss ein radikaler Kulturwandel in den Banken stattfinden.

  • Digitalisierung aller Prozesse

    Die Digitalisierung muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zum Back Office stattfinden, damit auch komplexe Finanzprodukte schnell und zuverlässig abgewickelt werden können.

Digitale Hardliner glauben nicht, dass sie überhaupt eine Zukunft hat. Bankvorstände dagegen beteuern, wie wichtig die Filiale zumindest für die persönliche Beratung noch immer sei. Doch selbst bei klassischen Bankern ist die Haltung zur Filiale ambivalent. Sie schließen zumindest trotz ihrer Bekenntnisse immer mehr davon.

„Die Öffnungszeiten von Filialen sind für Arbeitnehmer genauso unrealistisch wie für Jugendliche, die eine Ausbildung machen oder zur Schule gehen“, sagt André Bajorat, Experte für digitale Finanzdienstleistungen und Manager bei mehreren FinTech-Unternehmen. So könne die Filiale ihren Trumpf nicht ausspielen, nämlich die Nähe zum Kunden.

Der Schlüssel zur Wiederbelebung der Filiale liegt vielleicht in der Verknüpfung von traditionellem und digitalem Banking. Davon ist etwa Martin Zielke, Vorstand für das Privatkundengeschäft der Commerzbank, überzeugt. „Die Zukunft der Filiale ist persönlich und digital“, sagt Zielke.

Zumindest in ihren Vorzeigefilialen wie der in Stuttgart setzt die Bank dieses Konzept um. Giro- und Kreditkarte samt Geheimnummern können Kunden dort direkt nach der Kontoeröffnung mitnehmen, statt tagelang auf die Post zu warten.

Das ist keine Jahrhundertinnovation, aber ein erster Schritt zu mehr Bequemlichkeit. Der Weg in die Zukunft dürfte aus vielen kleinen Schritten wie diesem bestehen.

FinTech Die jungen Wilden müssen um Vertrauen kämpfen

Junge, digitale Finanzdienstleister elektrisieren die traditionelle Bankenwelt. Aber sind sie auch zuverlässig? Was dran ist am FinTech-Hype und wie Verbraucher und Firmenkunden davon profitieren können.

Wie Verbraucher und Firmenkunden von jungen, digitalen Finanzdienstleistern profitieren. Quelle: Getty Images

2.     Mehr Kreativität wagen

„Banker, FinTech-Gründer, Finanzregulierer und andere Experten sind sich einig, dass die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen bei den Bedürfnissen der Kunden ansetzen muss“, sagt Michael Kötter, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management und Forschungsprofessor am IWH Halle. Dieses Bekenntnis lässt sich natürlich auch auf alle anderen Branchen übertragen und gilt heute wie künftig. Entscheidend ist die Frage, wie es umgesetzt wird  - und mit welchen Inhalten.

Die zehn wichtigsten jungen Finanzdienste aus dem Internet

  • Erläuterung

    Die zehn wichtigsten jungen Internet-Finanzdienste

    Quelle: Unternehmen, eigene Recherche

  • Avuba

    Geschäftsmodell: Girokonto auf dem Smartphone

    Sitz: Berlin

    gegründet: 2013 von Jonas Piela, Oliver Lukesch und Wilken Bruns

    größte Geldgeber: Business Angels

    Nutzer: nicht veröffentlicht

    Mitarbeiter: 9

  • Ayondo

    Geschäftsmodell: Social Trading: ambitionierte Anleger folgen erfahrenen Spekulanten

    Sitz: Frankfurt, London

    gegründet: 2009 von Robert Lempka und Thomas Winkler

    größte Geldgeber: Luminor Capital

    Nutzer: 80.000

    Mitarbeiter: 47

  • Klarna

    Geschäftsmodell: Internet-Zahldienst und Festgeld

    Sitz: Stockholm, Köln

    gegründet: 2005 von Sebastian Siemiatkowski

    größte Geldgeber: Sequoia Capital, Atomico

    Nutzer: 25 Millionen

    Mitarbeiter: 1.100

  • Kreditech

    Geschäftsmodell: Scoring-Algorithmus zum Aufbau einer digitalen Bank

    Sitz: Hamburg

    gegründet: 2012 von Sebastian Diemer

    Investoren: Värde Partners, Blumberg Capital, Pont Nine Capital 

    Kunden: 2 Millionen Nutzer gescored, bei 9 Niederlassungen

    Mitarbeiter: mehr als 200

    Stand:Oktober 2014

  • Moneymeets

    Geschäftsmodell: Private Finanzplanung über soziales Netzwerk

    Sitz: Köln

    gegründet: 2012 von Dieter Fromm und Johannes Cremer

    größte Geldgeber: Dieter von Holtzbrinck Ventures, Family Offices

    Nutzer: etwa 5000

    Mitarbeiter: 12

  • Smava

    Geschäftsmodell: Vermittlung von Bank- und Privatkrediten

    Sitz: Berlin

    gegründet: 2007 von Alexander Artopé und Eckart Vierkant

    größte Geldgeber: Earlybird

    Nutzer: nicht veröffentlicht

    Mitarbeiter: über 100

  • Stockpulse

    Geschäftsmodell: Kursprognosen durch Auswertung sozialer Netzwerke

    Sitz: Köln

    gegründet: 2011 von Jonas Krauß und Stefan Nann

    größte Geldgeber: Ayondo, eigenes Management

    Nutzer: 2.700

    Mitarbeiter: 7

  • Vaamo

    Geschäftsmodell: Automatisierte Geldanlage

    Sitz: Frankfurt

    gegründet: 2013 von Thomas Bloch, Yassin Hankir und Oliver Vins

    größte Geldgeber: Business Angels

    Nutzer: 200 Testkunden, Ziel bis 2018: 100.000

    Mitarbeiter: 14

  • Weltsparen

    Geschäftsmodell: Festgeldanlagen bei internationalen Banken

    Sitz: Berlin

    gegründet: 2013 von Tamaz Georgadze, Frank Freund, Michael Stephan

    größte Geldgeber: Index Ventures

    Nutzer: Etwa 5.000

    Mitarbeiter: 30

  • Wikifolio

    Geschäftsmodell: Social Trading: Anleger folgen erfahrenen Händlern und Profis

    Sitz: Wien

    gegründet: 2011 von Andreas Kern

    größte Geldgeber: Speedinvest, Verlagsgruppe Handelsblatt

    Nutzer: 28.000

    Mitarbeiter: 24

Aus Sicht von Franz Welter, Abteilungsdirektor Innovation und Digitalisierung bei der DZ Bank, soll dabei die Zusammenarbeit mit den Kunden eine wichtigere Rolle spielen. „Neue Formate wie Hackatons werden in den Regelbetrieb der Banken integriert“, sagt Welter. Auf solchen Veranstaltungen treffen sich interne und externe Experten, um neue Ideen mit potenziellen Kunden zu entwickeln und gleich vor Ort gemeinsam zu testen. Nicht mehr nur Banker und Juristen sollen dann an der Entwicklung beteiligt werden, auch Mitarbeiter anderer Disziplinen werden integriert.

Anzeige

2 Kommentare zu FinTech, Filiale, Fortschritt: Fünf Thesen für die Bank der Zukunft

  • es gibt in Deutschland zu viele Banken, von denen einige zudem noch mit Steuergeldern "gerettet" wurden. Es muß sich die Erkenntnis durch setzen, dass auch Banken Wirtschaftsunternehmen sind. Selbst wenn Richter dies bestimmen, kann eine Bank die Dienstleistung nicht kostenlos bereit stellen. Dann zahlen halt alle Kunden mit. Das wird sich aber nicht dauerhaft durchhalten lassen. Wie in anderen Wirtschaftssektoren wird es auch in den Banken zu einer Selektion kommen. Bestimmte Dienstleistungen werden dann nicht mehr angeboten. Die Quersubventionierung durch Gewinne im Zinsbereich wird es bald nicht mehr geben. Es ist nicht zu erwarten, dass die EZB ihre verfehlte Politik überdenkt.

  • Es ist nur noch eine Frage, welche als erste das Handtuch werfen muß. Und wenn es eine große ist, reißt sie den Rest mit.

    Die Deutsche Bank hat Derivate im bereits fiktiven Buchwert von 50 Billionen € in den Büchern. Das deutsche BIP beträgt rd. 3.6 Billionen €. Dieses Verhältnis muß man auf der Zunge zergehen lassen. Geschmäckle?

Alle Kommentare lesen
Unternehmer stellen sich vor
WiWo Guide Unternehmenssuche

Finden Sie weitere Unternehmen aus der für Sie relevanten Branche. z.B.

  • Branchenführer: Hogan Lovells
  • Branchenführer: Rödl & Partner
  • Branchenführer: Luther Rechtsanwaltgesellschaft
WiWo Guide Personensuche

Finden Sie weitere Spezialisten auf dem für Sie relevanten Fachgebiet, z.B.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%