Fosun kauft Hauck & Aufhäuser: Chinesischer Konzern auf Einkaufstour in Deutschland

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Fosun kauft Hauck & Aufhäuser: Chinesischer Konzern auf Einkaufstour in Deutschland

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Guo Guangchang, Gründer von Fosun International, gilt als einer der reichsten Chinesen.

von Philipp Mattheis

Fosun will die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser kaufen. Zuletzt schlug der chinesische Investor bei Tom Tailor und BHF-Bank zu. Dahinter steht ein Plan. Wie tickt der chinesische Konzern?

Das Leben des Guo Guangchang ist eine typische Aufsteigergeschichte aus dem modernen China. Der 48-Jährige wurde in der ländlichen Provinz Zhejiang geboren und wuchs dort in Armut auf. Noch heute schwärmt er von seinem kargen Lieblingsgericht, das seine Mutter einst für die Familie kochte: Reis mit getrocknetem Gemüse, mitunter ergänzt mit einer Portion Schweineschmalz.

Heute zählt Guo, der sich gerne auf alte chinesische Weisheiten wie Taoismus und Konfuzianismus bezieht, zu den reichsten Chinesen, sein Privatvermögen wird auf gut vier Milliarden US-Dollar geschätzt.

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Reich gemacht hat ihn das Unternehmen Fosun, das er 1992 mit drei Kommilitonen der Fudan-Universität von Shanghai gründete. Dort hatte Guo Philosophie studiert und einen MBA gemacht. Der Konzern ist heute das größte chinesische Konglomerat in privaten Händen, ein schwer durchschaubares, schnell gewachsenes Geflecht von Beteiligungen an Immobilien und Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen.

Neue Ziele findet Fosun immer häufiger jenseits der eigenen Landesgrenzen. Dabei agiert der Konzern auf den ersten Blick unkonventionell, aber durchweg professionell. Denn hinter dem scheinbar wahllosen Zusammenkauf von Unternehmen steht eine klare, wenn auch riskante Strategie. Fosun beschreibt sie als „Chinas Wachstum mit globalen Ressourcen kombinieren“. Vereinfacht heißt das: Das Unternehmen beteiligt sich an Unternehmen, deren Produkte auf dem gigantischen chinesischen Markt gefragt sind und diesen weiter entwickeln.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

  • Immobilienblase

    Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

  • Schattenbanken

    Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

  • Faule Kredite

    Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

  • Überkapazitäten

    Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

  • Internationale Krisen

    Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Seine Ziele setzt es selbstbewusst durch. Das kann zu Konflikten führen. So hat es wegen des überraschenden Rauswurfs von Vorstandschef Björn Robens bei der BHF-Bank in Frankfurt Ärger zwischen den Chinesen und den übrigen Aktionären gegeben.

Ganz oben auf der Welle

Persönlich tritt Guo, der mit der Politik eng verdrahtet ist, bescheiden, fast farblos auf. Das unterscheidet ihn von chinesischen Aufsteigern wie Jack Ma, dem Gründer der Internet-Plattform Alibaba. Doch sein Anspruch bleibt kaum hinter dem anderer Angreifer aus Fernost zurück. Guo vergleicht sein Unternehmen am liebsten mit Berkshire Hathaway, der Beteiligungsgesellschaft der US-Investorenlegende Warren Buffett.

Fosun schwimmt ganz oben auf einer Welle von Kapital, die ihren Weg ins Ausland sucht. Mit 18 Milliarden Dollar beteiligten sich chinesische Investoren 2014 an Unternehmen in Europa, so eine Untersuchung der Kanzlei Baker & McKenzie und der US-Beratung Rhodium Group – ein Rekordwert. Seit zehn Jahren sind die Investitionen im Ausland kontinuierlich gestiegen. Zu Beginn ging es vor allem um den Zugriff auf Technologien. „Heute sind sie deutlich diversifizierter und engagieren sich in allen Branchen, die von der Entwicklung in China profitieren können“, sagt Thomas Gilles, Anwalt bei Baker & McKenzie in Frankfurt.

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Züge, Flugzeuge und Smartphones: China will seine Industrie modernisieren und weltweit neue Märkte besetzen. Welche Unternehmen Siemens, Airbus und Co. künftig Konkurrenz machen sollen.

Chinas Exportschlager CNR, Comac und Xiaomi Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Im Auge hat Guo vor allem die Bedürfnisse der wachsenden chinesischen Mittelschicht. Das Wachstum des Landes stammte über Jahre vor allem aus dem Export. Nun soll auch der Konsum im Inland den Aufschwung vorantreiben. Chinesen reisen mehr, legen mehr Wert auf Marken und gesunde Ernährung, kaufen mehr Konsumgüter. Davon will Fosun profitieren und hat Milliarden für Unternehmen aus den Bereichen Tourismus, Versicherungen, Altersvorsorge, Kosmetik und Mode ausgegeben.

In Deutschland hat sich Fosun schon bei der Modekette Tom Tailor, der BHF-Bank und dem Landwirtschaftsunternehmen KTG Agrar beteiligt. Der Hunger ist weiter groß: So war der Konzern an der Modekette Bogner interessiert.

Am Mittwoch wurde bekannt: Fosun will die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser kaufen und hat den Eigentümern eine bindende Offerte vorgelegt. Der Aktionärsausschuss der Bank, in dem die Mehrheit der Eigentümer vertreten ist, nahm das Kaufangebot an. Allen weiteren Aktionären werde empfohlen, ihre Anteile ebenfalls zu veräußern, teilte Hauck & Aufhäuser mit.

Die bekannteste Beteiligung in Europa ist der französische Tourismus-Konzern Club Med. Fosun ist zudem am britischen Reiseveranstalter Thomas Cook sowie an den Modeunternehmen Caruso aus Italien und Folli Follie aus Griechenland beteiligt. Bei diesen Marken treibt der Konzern vor allem die Expansion nach China voran.

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