Franken-Freigabe: Schweizer Schock trifft immer mehr Banken

Franken-Freigabe: Schweizer Schock trifft immer mehr Banken

Bild vergrößern

Die rasante Aufwertung des Franken zum Euro hat viele Banken kalt erwischt.

Quelle:Handelsblatt Online

Nicht nur Schweizer Banken sind vom abrupten Ende der Franken-Deckelung betroffen. Immer mehr Institute in ganz Europa warnen vor Auswirkungen auf ihre Gewinne – zuletzt die dänische Saxo Bank.

Die Liste der europäischen Banken, die von dem abrupten Ende der Franken-Deckelung betroffen sind, wird immer länger. Mittlerweile haben auch die Schweizer Credit Suisse und die dänische Saxo Bank gewarnt, dass ihre Gewinne beeinträchtigt werden könnten

Credit Suisse, die zweitgrößte Schweizer Bank, signalisierte am Montag, die Wechselkursveränderungen könnten den Gewinn belasten, abhängig von den Gegenmaßnahmen des Managements. Bislang hätte sich die Volatilität nicht wesentlich auf die Kapitalquoten ausgewirkt, hieß es aus Zürich.

Anzeige

Wirtschaftliche Beziehungen der Schweiz zu Deutschland und der EU

  • Reger Warenaustausch

    Zwischen der Schweiz und der EU besteht ein reger Warenaustausch. Die Schweiz exportierte 2013 nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI) Waren im Wert von rund 90 Milliarden Euro (54,9 Prozent der Ausfuhren) in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

  • Importe

    Importiert wurden aus den Mitgliedstaaten der EU Waren im Wert von rund 108 Milliarden Euro (74,4 Prozent der gesamten Einfuhren).

  • Viertwichtigster Handelspartner

    Die Schweiz ist viertwichtigster Handelspartner der EU nach USA, China und Russland. Exportiert werden Pharmazeutika, Industriemaschinen, Präzisionsinstrumente, Uhren.

  • Deutschland

    Deutschland ist laut BMWI Zielland für rund ein Drittel der schweizerischen Exporte. Knapp ein Fünftel der schweizerischen Importe stammen aus Deutschland. Deutschland ist somit der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner der Schweiz.

  • Wichtige Handelsbeziehungen

    Aber auch für Deutschland sind die Handelsbeziehungen zur Schweiz von „enormer“ Bedeutung, schreibt das BMWI auf seiner Webseite. Die Schweiz nimmt demnach in der Rangliste der wichtigsten deutschen Handelspartner den 8. Rang sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen ein.

  • Mehr deutsche Produkte

    2012 hatte die vergleichsweise kleine Schweiz (acht Millionen Einwohner) wertmäßig mehr deutsche Produkte eingeführt als beispielsweise Russland (142 Millionen Einwohner), Japan (127 Millionen Einwohner) oder Polen (38 Millionen Einwohner).

  • Deutsche in der Schweiz

    290.000 Deutsche leben und arbeiten laut BMWI in der Schweiz. Deutsche bilden damit nur noch knapp nach Italienern (15,9 Prozent) die zweitstärkste Ausländergruppe (15,2 Prozent).

Nach Einschätzung von Andreas Venditti, Analyst bei Vontobel Securities in Zürich, „werden die Ergebnisse der Schweizer Banken deutlich niedriger ausfallen“. Die Auswirkungen würden davon abhängen, wie schnell die Firmen reagieren können und wie tiefgreifend ihre Maßnahmen sein werden, ergänzte er. „Die ganze Sache ist noch nicht vorbei“.

Statements zur Franken-Freigabe der Schweizer Notenbank

  • "Entscheidung war längst überfällig"

    "Die Entscheidung der Schweizer Notenbank war längst überfällig. Ihre Wechselkurspolitik hat zwar in den vergangenen Jahren Schweizer Exporteure geschützt und deren Wettbewerbsfähigkeit durch einen schwächeren Franken unterstützt. Diese Politik könnte sich jedoch als enorm teurer Fehler erweisen. Denn der Franken wird langfristig gegenüber dem Euro aufwerten. Die Wertverluste auf die Devisenreserven könnten deshalb enorm groß werden. Der Zeitpunkt der Entscheidung ist sicherlich nicht zufällig. Die Erwartung eines Anleihenkaufprogramms der EZB sollte den Euro mittelfristig weiter schwächen, und damit die sonst notwendigen Ankäufe und diese Verluste für die Schweizer Notenbank erhöhen."

    DIW-Präsident Marcel Fratzscher

  • "Ein Zusammenhang mit den EZB-Maßnahmen liegt auf der Hand"

    „Ein Zusammenhang mit den zu erwartenden zusätzlichen geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank liegt auf der Hand. Dies nicht zuletzt auch deshalb, als das von der SNB im Dezember eingeführte Instrument der negativen Zinsen genau am 22. Januar in Kraft tritt, exakt am Tag der EZB Entscheidung“
    Joachim Corbach, Währungsexperte der Fondsgesellschaft Swiss & Global Asset Management in Zürich

  • "Wirft ein schlechtes Licht auf die Lage der Eurozone“

    Mit der Freigabe des Wechselkurses läuft die SNB nun Gefahr, dass der Schweizer Franken
    massiv aufwertet. […] Bereits kurz nach der Entscheidung hat
    die SNB am Devisenmarkt interveniert, um die Aufwertung zu bremsen. […] Tatsächlich dürften sich die Schweizer Währungshüter von der Geldpolitik der EZB befreien wollen.[…] Damit könnte die SNB wieder eine unabhängige Geldpolitik betreiben. Letztlich wirft der heutige Schritt damit vor allem ein schlechtes Bild auf die Lage in der Eurozone“.

    Christoph Weil, Analyst Commerzbank

  • „Euro wird nicht ins Bodenlose fallen“

    Mit der unerwarteten Aufhebung des Mindestkurses riskiert die SNB nun ihre Glaubwürdigkeit. Schließlich versicherte sie bis zuletzt, dass der Mindestkurs zum Euro der zentrale geldpolitische Pfeiler sei. […]
    Auch wenn es nun keinen expliziten Mindestkurs zum Euro mehr gibt, dürfte die SNB auch in Zukunft den Franken nicht ins Bodenlose fallen lassen. […] Weitere Interventionen am Devisenmarkt hatte die SNB "bei Bedarf" explizit nicht ausgeschlossen.[…] Sollte sich der Kurs im Zuge eines voraussichtlichen Beschlusses der EZB, Staatsanleihen aufzukaufen und einer unübersichtlichen politischen Lage in Griechenland im Zuge der Neuwahlen (25. Januar) wieder merklich unter Parität bewegen, rechnen wir kurzfristig mit weiteren Deviseninterventionen der SNB.

    Manuel Andersch, BayernLB

  • „Schweizer Notenbank wird stärker am Devisenmarkt intervenieren müssen“

    Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass der Schweizer Franken immer eine der Währungen ist, die in Zeiten von Risikovermeidung, als sicherer Hafen dienen […] Die heutige Entscheidung geht auf die Kosten zukünftiger fester Wechselkursversprechen, in denen die SNB weniger glaubwürdig erscheinen wird. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie eine solche Maßnahme in den nächsten Jahren wiederholt. Folglich wird die SNB noch stärker auf den Devisenmärkten intervenieren müssen.“

    Karsten Junius, Chef-Ökonom der Bank J. Safra Sarasin

  • "Ein Befreiungsschlag der SNB"

    „Das ist ein überraschender Schritt der SNB. [...] Sie hätte aber auch eine sanftere Abkehr wählen können, etwa über eine Bindung an einen Währungskorb. Der völlige und abrupte Rückzug erscheint aktuell kontraproduktiv für die EZB. Es ist auch ein Befreiungsschlag der SNB. Sie kann sich nun wieder auf ihr geldpolitisches Mandat und die Makroökonomie konzentrieren. Die Frage ist nun, was das für die Realwirtschaft bedeutet. Der starke Ölpreisverfall zusammen mit `flash crash`-Aufwertung des Franken birgt eine sehr große Deflationsgefahr. Die Schweizer Unternehmen verlieren stark an Wettbewerbsfähigkeit. Und in der Finanzindustrie könnte es einige Investoren auf dem falschen Fuß erwischt haben. Auf das Vertrauen in Zentralbanken eine Anlagestrategie aufzubauen, ist hoch problematisch. Und natürlich stellt sich nun die Frage: Wie vertrauenswürdig sind Zentralbanken?“

    Dirk Aufderheide, Chief Currency Strategist Active der Deutschen Asset & Wealth Management (Deutsche AWM)

  • "Nach Übertreibungsphase wieder höher Kursniveaus"

    "Die SNB beugt sich dem Marktdruck, setzt aber ein Teil ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Interventionen der vergangenen Wochen waren wohl für die eidgenössischen Währungshüter zu viel. Bei der Einführung des Mindestwechselkurses war an punktuelle Interventionen gedacht, nicht aber an permanente. Letztlich dürfte aber auch die Gold-Initiative eine gewisse Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. Die Bevölkerung zeigt gegenüber dem Aufbau hoher Fremdwährungsbestände in Euro Skepsis. Letztlich hatte die SNB damit auch ein Legitimationsproblem.
    Zwar schreibt die SNB, dass die Schweizer Exportwirtschaft sich auf die neue Situation einstellen konnte, doch ob die Unternehmen mit Kursen von 0,92 gegenüber dem Euro klar kommen, bleibt fraglich. Da der Schweizer Franken auf den aktuellen Kursniveaus deutlich gegenüber dem Euro überbewertet ist, sollten sich nach einer Übertreibungsphase wieder höhere Kursniveaus beim Währungspaar Euro/Franken einstellen."

    Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Group (Liechtenstein)

  • "Währungspolitik der Schweizer buchstäblich zerrissen"

    "Die Schweizer haben das Ausmaß der europäischen Probleme und die Trägheit der europäischen Politik unterschätzt. Die Schweizer Nationalbank ist ursprünglich davon aus gegangen, dass Europa seine Hausaufgaben machen und Strukturreformen durchführen würde. Das ist nicht schnell genug passiert. Hierdurch verlor der Euro gegenüber dem US-Dollar bedeutend an Wert. Die Mindestkopplung zwischen Euro und Schweizer Franken zog den Franken mit in die Tiefe.
    Würde die Schweizer Nationalbank die Mindestkopplung weiter durchsetzen, müsste sie ihre Bilanz viel weiter aufblähen, als ursprünglich erwartet. Nach eigener Aussage wäre ihr das auf Dauer nicht nachhaltig möglich gewesen. Die Divergenz in der wirtschaftlichen Entwicklung von Europa und den USA hat die Währungspolitik der Schweizer buchstäblich zerrissen."

    Marcel van Leeuwen, Geschäftsführer der DWPT Deutsche Wertpapiertreuhand GmbH

  • "Weckruf für Investoren, Zentralbanken nicht zu trauen"

    "Für uns ist dieser Paukenschlag folgerichtig. Die Schweizer wollen angesichts der aggressiven Geldpolitik der EZB, die erwartungsgemäß diese Woche einen Freibrief vorm Europäischen Gerichtshof für ihre Staatsanleihenkäufe ausgestellt bekam, mit dem Euro keine Schicksalsgemeinschaft bilden. [...] Der Schritt unterstreicht, dass Draghi in diesem Jahr "aus allen Rohren feuern" wird und die Schweizer diesen Schritt nicht mitgehen wollen! Sie wissen um die langfristig verheerenden Folgen dieser Politik. Viele Investoren hatten sich auf den Mindestkurs des Schweizer Franken zum Euro verlassen und dürften jetzt massive Verluste erleiden. Der heutige Schritt zeigt ein weiteres Mal: Wir dürfen den Versprechen der Zentralbanken nicht Glauben schenken!
    Ohnehin werden wir nicht müde, ständig den Ausspruch Marc Fabers zu zitieren: "Wer sein Gold verkauft, vertraut den Regierungen". Der heutige Paukenschlag der Schweizer Notenbank ist somit ein Weckruf für die Investoren, Zentralbanken und Regierungen nicht zu vertrauen! Gold und Silber verbriefen kein Schuldversprechen eines Dritten und sind das Investment für diejenigen, die Zentralbanken und Regierungen einen gesunden und völlig berechtigten Argwohn entgegenbringen."

    Thorsten Schulte alias "Silberjunge" in einer Sondermitteilung an seine Leser

  • "Euro schon vor Monaten zum Abschuss freigegeben"

    „Inhaltlich kann man den Schweizern ihre Entscheidung kaum übel nehmen. Die EZB hat den Euro schon vor Monaten zum Abschuss freigegeben und wird in Kürze ein Programm zur quantitativen Lockerung bekannt geben, in dessen Rahmen sie europäische Staatsanleihen aufkaufen wird. Tendenziell wird der Euro dadurch weiter geschwächt. Hätte die SNB ihre Bindung an den Euro aufrecht erhalten, wäre der Franken immer mehr zum rot-weiß lackierten Euro geworden. Natürlich hätte man von vornherein die Untergrenze gar nicht erst einziehen dürfen.“

    Daniel Kühn, Chefredateur des Finanzportals Godmode Trader

Die Saxo Bank in Kopenhagen erklärte, sie werde wahrscheinlich Verluste verzeichnen, da einige Kunden nicht über ausreichende Sicherheiten verfügten, um ihre Verluste aus dem Franken-Handel abzudecken. Selbst wenn die Verluste uneinbringlich wären, sei die Saxo Bank aber in der Lage, ihre Kapitalanforderungen zu erfüllen, hieß es weiter.


Britischer Broker musste aufgeben

In den Stunden, nachdem die Schweizerische Nationalbank überraschend den seit drei Jahren bestehenden Mindestkurs für den Euro von 1,20 Franken aufgegeben hatte, war der Franken um bis zu 41 Prozent gegenüber dem Euro nach oben geschossen und hatte auch gegenüber anderen Währungen deutlich zugelegt. Bei vielen Schweizer Banken fallen die Kosten in Franken an und liegen höher als die Erträge aus Fremdwährungen.

Julius Bär, der drittgrößte Schweizer Vermögensverwalter, erklärte, man wolle angemessene Maßnahmen ergreifen, um die Profitabilität trotz des stärkeren Franken zu erhalten. Die Bank erlitt nach eigenen Angaben in den zwei Handelstagen nach der SNB-Maßnahme keine Verluste.

Weitere Artikel

Die größte Schweizer Bank, die UBS Group, hat bislang keinen Kommentar zu den Auswirkungen der Wechselkursausschläge abgegeben. Citigroup, Deutsche Bank und Barclays haben nach Angaben aus informierten Kreisen zusammen rund 400 Millionen Dollar durch den SNB-Schritt verloren.

In Großbritannien hat die Finanzaufsicht unterrichteten Kreisen zufolge rund 90 Broker angeschrieben und Informationen über mögliche Auswirkungen der Franken-Bewegung angefordert. Die IG Group teilte am Dienstag mit, sie erwarte aus dem plötzlichen Franken-Anstieg Verluste von nicht mehr als 30 Millionen Pfund, nachdem einige Hundert Kunden getroffen worden seien. Der britische Devisenbroker Alpari musste hingegen aufgeben, nachdem er keinen Käufer fand, der die Verluste aufgefangen hätte.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%