Französische Großbank: Griechenland belastet BNP noch stärker als befürchtet

Französische Großbank: Griechenland belastet BNP noch stärker als befürchtet

, aktualisiert 03. November 2011, 08:04 Uhr
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Die BNP Paribas muss viel einstecken derzeit.

Quelle:Handelsblatt Online

Die französischen Banken sind in Griechenland besonders stark engagiert. Das zeigt sich überaus deutlich in der Quartalsbilanz: Der BNP Paribas bricht der Gewinn unter den Füßen weg - sogar noch kräftiger als befürchtet.

ParisDer Gewinn von Frankreichs größter Bank BNP Paribas ist im dritten Quartal wegen hoher Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen eingebrochen. Der Überschuss fiel um knapp 72 Prozent auf 541 Millionen Euro, wie das Finanzinstitut am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit fast einer Milliarde Euro gerechnet. Nach eigenen Angaben verkaufte BNP im abgelaufenen Quartal Staatsanleihen von Eurozonen-Staaten in Milliardenhöhe und verbuchte eine Abschreibung von zwei Milliarden Euro auf griechische Bonds.

Viele Investoren sind misstrauisch, weil die französischen Institute stärker als andere europäische Banken Bilanzierungsspielräume nutzten, um ihre Griechenland-Anleihen möglichst wenig abzuschreiben. Sie werfen ihnen ungenügende Informationen und mangelnde Transparenz vor. Doch um weitere Abschreibungen werden die Institute nach dem Schuldenschnitt für Griechenland nicht herum kommen.

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Das Vertrauen der Anleger in die französischen Geldhäuser, deren wichtigstes Kapital, hat zuletzt sehr gelitten, wie ein Blick auf die Aktienkurse verdeutlicht: Während BNP seit dem 1. Juli mehr als 40 Prozent des Börsenwertes verloren haben, haben CA und SocGen diesen sogar glatt halbiert. Da kann Zentralbankchef Christian Noyer noch so oft beschwören: „Ich garantiere den Bankkunden, dass sie keine Angst um ihre Einlagen haben müssen.“

BNP Paribas hielt zum Abschluss des ersten Halbjahres Griechenland-Anleihen im Wert von vier Milliarden Euro. Bei SocGen, waren es 1,6 Milliarden Euro. Beide Banken haben diese Positionen in den vergangenen Wochen reduziert.


Italien-Investments belasten

Der Präsident des französischen Bankenverbands, Frédéric Oudéa, der zugleich SocGen-Chef ist, hatte versichert: Auch im nun eingetretenen Fall einer 50-prozentigen Abschreibung, „wären wir in der Lage, das aufzufangen“. Insgesamt halten die die französischen Banken laut Oudéa griechische Staatsanleihen im Wert von acht Milliarden Euro: „Das entspricht 0,1 Prozent ihrer Kreditvergabe. Die Gewinne der französischen Bankenbranche im ersten Halbjahr sind weit größer als diese Summe.“

Viel stärker sind die drei Großbanken in Italien investiert. Das Engagement der SocGen Euro in dem Land, dessen Kreditwürdigkeit vor wenigen Wochen von den Ratingagenturen Moody’s und Fitch herabgestuft wurde, war mit 2,2 Milliarden zur Jahresmitte noch überschaubar. Für CA und BNP hingegen stehen mit 8,7, respektive 20,8 Milliarden Euro riesige Summen auf dem Spiel, so dass Abschreibungen große Folgen hätten. BNP gehört überdies auch noch eine italienische Bank.

Dennoch blieb ausgerechnet der Branchenführer Mitte September von einer Herabstufung der Bonität durch Moody’s verschont. Getroffen hat es jedoch SocGen und CA. Beide werden jetzt eine Stufe schlechter eingestuft mit Aa3, respektive Aa2, einer immer noch guten Kreditwürdigkeit. Allerdings ist der Ausblick für Frankreichs Nummer zwei negativ.

Die Société Générale steht am heftigsten unter Beschuss, auch leidet ihr Image noch immer unter dem von Jérôme Kerviel verursachten Skandal. Die Betrügereien des Händlers hatten die Bank Anfang 2008 um fast fünf Milliarden Euro ärmer gemacht.

Bei einem angeblichen Geheimtreffen im Finanzministerium soll am 11. September eine „softe Verstaatlichung“ von Frankreichs zweitgrößter Bank zur Diskussion gestanden haben. Deren Chef Oudéa hätte eine Milliarden-Kapitalspritze akzeptiert, wenn auch die anderen Institute sie in Anspruch genommen hätten. Doch BNP verweigerte diesen Schritt.

Die drei Großbanken haben reagiert: Sie haben angekündigt, ihre Bilanzen deutlich zu verkleinern und die neuen, strengeren Eigenkapitalanforderungen gemäß Basel III schon 2013 erfüllen zu wollen, obwohl die Bestimmungen eigentlich erst bis 2019 umgesetzt sein müssen. Dafür planen sie den Verkauf von Aktiva und haben Sparpläne angekündigt.


Verschuldung reduzieren

BNP will risikogewichtete Aktiva im Umfang von 70 Milliarden Euro abbauen, die Bilanz bis Ende kommenden Jahres um zehn Prozent reduzieren und in „erheblichem“ Umfang Stellen im Investment-Banking streichen. Citigroup-Analyst Kinner Lakhani hat das Kursziel von 44 auf 40 Euro reduziert.

Die SocGen versucht sich unter anderem von ihrem Anteil am größten US-Brokerhaus Newedge zu trennen, das sie zusammen mit CA betreibt. Durch Verkäufe will sie vier Milliarden Euro frisches Kapital einsammeln. Zusätzlich plant die Bank eine bisher nicht konkretisierte Verkleinerung ihrer Belegschaft und eine Senkung der Kosten im Investment-Banking um fünf Prozent. Lakhani sieht das Kursziel bei 35 Euro, statt wie zuvor bei 38 Euro. Das wäre im Vergleich zum derzeitigen Aktienwert aber immer noch eine Verdoppelung.

CA hat angekündigt, die Verschuldung bis 2012 um 50 Milliarden Euro zu reduzieren und das Privatkundengeschäft im Vergleich zum Investment-Banking zu stärken.

Frisches Geld wird auch nötig sein, nachdem die französische Zentralbank den Kapitalbedarf der vier größten nationalen Banken, die einen Anteil von 80 Prozent an der gesamten Branche haben, nach den Beschlüssen des Euro-Krisengipfels beziffert hat: 2,1 Milliarden Euro bei BNP, 3,3 Milliarden Euro bei SocGen und 3,4 Milliarden bei den Banques Populaires Caisses d’Epargne. CA kommt demnach ohne frisches Kapital aus, wird aber im Gegensatz zu den beiden Branchenführern von den Citigroup-Analysten wegen der stärkeren Abhängigkeit vom Südeuropageschäft nur auf „neutral“ eingestuft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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