Freytags-Frage: Wann beginnt das Bankensterben?

kolumneFreytags-Frage: Wann beginnt das Bankensterben?

Kolumne von Andreas Freytag

Immer mehr europäische Banken stehen durch die Null-Zins-Politik der EZB ohne Geschäftsmodell da. Das Bankensterben in Europa ist nur noch eine Frage der Zeit. Mit welchen Verwerfungen wir rechnen müssen.

Auch nach knapp sieben Jahren Rettungsversuchen steckt die Europäische Währungsunion  in einer – wenn auch gerade nicht allzu deutlich sichtbaren – Krise. Die Wachstumsraten in der Eurozone sind weiterhin sehr niedrig, die Arbeitslosigkeit besonders unter Jugendlichen zum Teil extrem hoch und beharrlich. Einige Mitgliedsländer schaffen es zudem nicht, die hohen Schuldenstände zu reduzieren. Auf angebotspolitische Reformen warten die Menschen schon lange; selbst wenn man z.B. Italien einige Fortschritte attestieren muss, dauert es doch zu lange. In anderen EWU-Mitgliedern, allen voran Frankreich, scheint gar nichts zu passieren.

All dies ist der Fall trotz einer nie dagewesenen Anstrengung der Geldpolitik, die Wirtschaft zu stimulieren. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft Monat für Monat Staatsanleihen für 80 Mrd. Euro und hat den Leitzins (offenbar) dauerhaft bei null Prozent fixiert. Wie in dieser Kolumne regelmäßig argumentiert wurde, verhindert sie damit eher Reformen, als dass sie zur Lösung der Euro-Krise beiträgt.

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Nach Auffassung von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz kann die Eurozone in ihrer heutigen Form nicht überleben. Obwohl Stiglitz mit derart steilen Thesen vor allem sein neuestes Buch verkaufen will, hat er einen Punkt. Die Geldpolitik kann kein Ersatz für rationale Wirtschaftspolitik sein. Wenn die Anpassungsfähigkeit der Märkte nicht gewährleistet ist, wäre eine Wechselkursanpassung für Italien, Griechenland und Frankreich eine hilfreiche und politisch nicht sehr kostspielige Option zur Steigerung der Beschäftigung und langfristig des Wachstums. In der Währungsunion gibt es diese Option nicht.

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Quelle: dpa

Zudem droht eine unmittelbare Gefahr im Finanzsektor, die bislang von der EZB systematisch kleingeredet wird: das zu erwartende Bankensterben. Die Banken verdienen einen wesentlichen Teil ihres Einkommens damit, die Einlagen der Privaten nur gering oder – wenigstens die Sichteinlagen – gar nicht zu verzinsen und diese Einlagen zu höheren Zinsen auszuleihen oder anzulegen. Dieses Geschäftsmodell ist nur noch bedingt tragfähig, da der Unterschied zwischen Einlagenzins und Kreditzins kaum mehr ins Gewicht fällt.

Noch haben die Banken genügend langfristige Titel mit hohen Kupons im Portfolio und laufende Kredite mit hohem Zins, die hohe Einnahmen generieren, aber deren Anteil am Gesamtportfolio nimmt täglich ab. In drei Jahren, so die Schätzungen, sind die meisten dieser Anlagen ausgelaufen und müssen durch niedrigverzinste Alternativen ersetzt werden. Insofern ist ein Gewinneinbruch zu erwarten.

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Bereits jetzt klagen vor allem die etwas kleineren Banken des Sparkassensektors und des genossenschaftlich organisierten Systems der Volks- und Raiffeisenbanken. Ihr tradiertes Geschäftsmodell ist eben nicht das von Investmentbanken, sondern das oben beschriebene Modell, das auch als Hausbankensystem firmiert. Sie setzen traditionell auf persönliche Nähe und ein weitgefächertes Filialnetz. Dieses System stellt sehr langsam auf digitales oder mobiles Banking um und ist deshalb recht teuer. Eventuell sind einige der noch selbständigen Volksbanken oder Sparkassen zu klein, um allein überlebensfähig zu sein; manche Banken und Sparkassen mögen auch noch zu hohe Kosten für Verwaltung und Personal haben. Ein Konsolidierungsprozess ist aber bereits seit Dekaden im Gange und wird auch weiterhin stattfinden.

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