Frust in Frankfurt: Commerzbank muss schmerzhafte Entscheidungen durchdrücken

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Frust in Frankfurt: Commerzbank muss schmerzhafte Entscheidungen durchdrücken

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Ein Mann trägt am Freitag vor der Messe in Frankfurt am Main eine Tasche der Commerzbank. Die Aktionäre der Commerzbank sollen heute die Weichen für einen Ausstieg des Staates bei Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus stellen.

von Mark Fehr

Commerzbank-Chefaufseher Müller stärkt seinem CEO Martin Blessing den Rücken. Beide wollen auf der heutigen Hauptversammlung Entscheidungen durchsetzen, die den Trotz der Aktionäre provozieren.

In der Frankfurter Messehalle tritt die Commerzbank-Führung vor eine Schar frustrierter Aktionäre. Die sind Kummer gewohnt, werden ihrem Unmut aber trotzdem Luft machen. Das passiert regelmäßig bei Hauptversammlungen von Deutschlands zweitgrößter Bank. Auch heute stehen Entscheidungen auf der Tagesordnung, die den Trotz der Aktionäre provozieren. 

Bankchef Blessing will das Kapital der Commerzbank um 2,5 Milliarden Euro erhöhen, was den Anteil der Altaktionäre extrem verwässern wird. Angesichts des Tiefststands der Aktie werfen Analysten der Bankführung schlechtes Timing vor. „Viele Aktionäre verstehen nicht, warum Sie mit der Kapitalerhöhung gerade jetzt kommen“, sagt der Frankfurter Anlegerschutzanwalt Klaus Nieding in einem von der Commerzbank veröffentlichtem Gespräch mit Vorstandschef Martin Blessing. 

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Die wichtigsten Sparten der Commerzbank

  • Asset Based Finance

    Diese Sparte schrieb 2011 einen operativen Verlust von 3,91 Milliarden Euro. Zur ABF zählen die gewerblichen Immobilien-, Schiffs-, und Staatskredite. Das ändert sich im Juli. Dann zählen Schiffskredite und ein Teil der Immobilienkredite zur Real Estate and Ship Finance. Der Rest wird in Non Core Assets abgewickelt.

  • Privatkunden

    Das operative Ergebnis 2011 betrug 375 Millionen Euro. Zu diesen Segment zählt das Vermögensmanagement und die Online-Tochter comdirect. Die Commerzbank möchte das Privatkundengeschäft weiter ausbauen, bisher sind die Erfolge übersichtlich.

  • Osteuropageschäft

    Operatives Ergebnis 2011: 483 Millionen Euro. Zwischenzeitlich gab es große Probleme in der Sparte. Zu ihre zählen die polnische Tochter BRE, die jetzt wieder hohe Gewinne schreibt und die ukranische Bank Forum.

  • Investment-Banking

    Das operative Ergebnis der Sparte betrug in vergangenen Jahr 583 Millionen Euro. Der Geschäftsbereich umfasst das kundenorientierte Investmentbanking und die Betreuung der kapitalmarktaffinen Kunden.

  • Mittelstandsbank

    Diese Sparte lieferte 2011 ein operatives Ergebnis von 1,53 Milliarden Euro. Damit ist die Mittelstandsbank die wichtigste Sparte. Sie betreut mittelständische und große Unternehmenskunden, sowie institutionelle Kunden.

Der wirbt für diesen Schritt mit dem Argument, aus dem staatlichen Hilfsprogramm aussteigen zu können, das die Commerzbank seit der Finanzkrise 2008 in Anspruch nimmt. „Wir wollen das vom Steuerzahler bereitgestellte Eigenkapital durch privates ersetzen“, sagt Blessing. Zudem soll die Kapitalerhöhung das Haftungspolster der Bank stärken, die unter einem ertragsschwachen Filialgeschäft leidet und notleidende Schiffs-, Staats- und Immobilienfinanzierungen loswerden muss. 

Die frustrierten privaten Anleger und Investoren werden die für sie schmerzhafte Kapitalerhöhung wohl nicht verhindern können. Die Großaktionäre – also der staatliche Bankenrettungsfonds sowie der Versicherungsriese Allianz – dürften den Plan durchwinken, weil sie dadurch ihre stillen Einlagen vollständig zurückgezahlt bekommen. Der endgültige Ausstieg aus der Staatshilfe ist damit allerdings noch nicht geschafft, denn der Aktienanteil des Rettungsfonds wird zwar unter 25 Prozent schrumpfen aber immer noch rund ein Fünftel des Kapitals betragen. Ein Verkauf des öffentlichen Anteilspakets wäre angesichts des implodierten Aktienkurses aktuell nur unter großen Verlusten möglich.

Das sind die größten Banken Deutschlands

  • Platz 12

    2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

    Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

  • Platz 11

    Die Postbank gehört zur Deutschen Post und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

    Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

  • Platz 10

    Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

    Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

  • Platz 9

    Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

    Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

    Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

  • Platz 7

    Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

    Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

  • Platz 6

    Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

    Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

    Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

  • Platz 4

    Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

    Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

  • Platz 3

    Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

    Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

  • Platz 2

    Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

    Bilanzsumme (2011): 661,80 Milliarden Euro

  • Platz 1

    Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

    Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, der nach Jahrzehnten im Dienst der Commerzbank für eine weitere Amtszeit gewählt werden soll, stärkt seinem CEO Blessing den Rücken. „Die Commerzbank hat ihr operatives Ergebnis im Geschäftsjahr 2012 deutlich gesteigert und Risiken weiter reduziert“, sagt Müller. 

Trotz des Lobes ist fraglich, wie lange der Chefkontrolleur noch zu Blessing hält. Der kann zwar mit der Rückzahlung der restlichen stillen Einlagen des Steuerzahlers ein wichtiges Ziel erreichen, für das er jetzt die Weichen stellt. Doch die Entwicklung des Geschäfts der Commerzbank lässt zu wünschen übrig. 

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So leidet das Geldinstitut derzeit vor allem unter dem niedrigen Zinsniveau, was die Erträge an der Filialfront schrumpfen lässt. Kontern will die Bank mit Rationalisierungen und Stellenstreichungen. Schafft das Commerzbank-Management es nicht, das Ruder herum zu reißen, dürfte sich der Aufsichtsrat bald nach einem neuen Vorstandschef umsehen. Es wäre eine höchst ironische Entwicklung, wenn Müller seinen Vorstandschef Blessing bei der Commerzbank überleben sollte. Denn der Aufsichtsratschef hat zu seiner Zeit an der Vorstandsspitze des Instituts mit dem Kauf der Eurohypo und der Übernahme der Dresdner Bank Entscheidungen gefällt, die für die heutige Schieflage der Commerzbank verantwortlich sind.

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