Geldinstitute: Die Schlupflöcher beim Banken-Stresstest

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Geldinstitute: Die Schlupflöcher beim Banken-Stresstest

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Frankfurter Bankenviertel - Im November übernimmt die EZB die zentrale Aufsicht über die rund 130 wichtigsten Geldhäuser in der Eurozone.

von Mark Fehr

Die Anleitungen für den kommenden Stresstest sind veröffentlicht – und damit auch die Schlupflöcher für die Institute.

Auf den Tischen der Finanzchefs der großen Banken der Euro-Zone liegt seit vergangener Woche eine spannende Lektüre. Auf 287 Seiten schreibt die Europäische Zentralbank (EZB) darin vor, wie riskante Kredite und Wertpapiere beim kommenden Bankenstresstest untersucht und bewertet werden sollen. Bisher konnten nur Finanzaufseher und die von ihnen engagierten Wirtschaftsprüfer einen Blick in das Handbuch werfen. Jedes Exemplar war gekennzeichnet, die Weitergabe mit 100 000 Euro Strafe belegt.

Spannend aus Sicht der Banken sind nicht so sehr die technischen Details der Prüfanleitung, sondern vor allem deren Lücken. Diese werden die Finanzchefs der Institute nun schleunigst nach Schlupflöchern abklopfen, um ihr Haus beim kommenden Stresstest durch die EZB möglichst gut abschneiden zu lassen.

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Im November übernimmt die EZB die zentrale Aufsicht über die rund 130 wichtigsten Geldhäuser der Euro-Zone. Vorher will sie die Banken mit einem Stresstest auf Risiken und Leichen im Keller röntgen. „Wir müssen die Chance zum großen Aufräumen nutzen“, sagt Sabine Lautenschläger, die kürzlich von ihrem Posten als Bundesbank-Vize in den EZB-Rat wechselte.

Chance zum großen Aufräumen Blick vom Neubau der Europäischen Zentralbank auf die Banken in Frankfurt

Der Zeitplan für den größten Bankentest aller Zeiten steht. Sind die Daten bis August eingesammelt, simuliert die EZB eine Wirtschafts- und Finanzkrise, um zu testen, ob die Banken dem Stress standhalten würden, ohne dass ihr Haftungspolster unter die Schwelle von 5,5 Prozent der als riskant eingestuften Vermögenswerte sinkt. Dabei verlangt sie, dass die Bank im Nicht-Krisen-Modus über acht Prozent an Eigenkapital verfügt. Wie das Krisenszenario genau aussieht, erfahren die Banken im April, Ergebnisse sollen im Oktober vorliegen. Wer die Latte reißt, muss das Eigenkapital aufstocken.

Doch trotz akribischer Planung enthält die Anleitung Schlupflöcher, durch die sich Wackelkandidaten mogeln könnten. So gibt es Unschärfen bei der Frage, welche Kredite und Wertpapiere als riskant einzustufen sind und welche Testszenarien geeignet sind, Schwächen im Geschäftsmodell der Banken aufzudecken.

Schlupfloch 1

„Stresstests werden überschätzt“, sagt ein hochrangiger deutscher Bankenaufseher hinter vorgehaltener Hand. Institute, die bei der Prüfung bestünden, seien nicht automatisch kerngesund – und Durchfaller nicht gleich Pleitekandidaten. So ging 2011 der belgische Staatsfinanzierer Dexia pleite, kurz nachdem er eine Sicherheitsüberprüfung der EU-Bankenaufsicht EBA bestanden hatte.

Das Problem: Der EZB-Test spannt ein einheitliches Negativszenario über alle teilnehmenden Banken. Sinnvoller wären jedoch unterschiedliche Szenarien je nach Geschäftsmodell.

Eine Investmentbank etwa mit ihren hohen Beständen an synthetischen Wertpapieren hat es leichter, den Stresstest zu bestehen als ein klassisches Kreditinstitut mit seinen zahlreichen Privat- und Firmenkunden. Denn Wertpapierpositionen der Investmentbanken unterliegen dem internationalen Marktrisiko, welches beim europaweiten Stresstestszenario eine untergeordnete Rolle spielen dürfte. Kreditrisiken dagegen hängen stärker am Konjunkturverlauf, der bei der EZB-Prüfung im Zentrum stehen dürfte.

„Aufseher sollten nicht nur Zahlenspiele betreiben, sondern auch prüfen, wie Banken über riskante Geschäfte entscheiden“, sagt Stephan Paul, Professor für Finanzierung und Kreditwirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Stresstests sind laut Paul nur Momentaufnahmen, deren Annahmen über die Zukunft sich schnell als überholt herausstellen könnten.

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