Georg Fahrenschon: "Wir werden die Sparkassen-Filialen nicht aufgeben"

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InterviewGeorg Fahrenschon: "Wir werden die Sparkassen-Filialen nicht aufgeben"

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Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), im Interview mit WirtschaftsWoche.

von Melanie Bergermann und Cornelius Welp

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, über die Zukunft der Filialen und seine Pläne beim Online-Banking.

Herr Fahrenschon, Sparkassen verdienen ihr Geld damit, dass sie Geld langfristig zu höheren Zinsen verleihen als sie für die Einlagen der Kunden zahlen. Die Zinsen sind seit 2009 allerdings stark gefallen. Wie bedrohlich ist das für die Sparkassen?

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Das aktuelle Zinsniveau ist in jeder Hinsicht eine Herausforderung. Und zwar nicht nur für die Sparkassen, sondern für alle Kreditinstitute und die gesamte Gesellschaft. Bei länger andauernder Niedrigstzinsphase sinkt der Anreiz, fürs Alter vorzusorgen. Eine Volkswirtschaft, die wie Deutschland vor einem demographischen Wandel steht, braucht aber eine Sparquote von mindestens zehn Prozent, um den Wohlstand im Alter zu halten. Der nähern wir uns von oben mittlerweile gefährlich nah an. Die Europäische Zentralbank setzt mit ihrer Zinspolitik auch völlig verkehrte Signale gegenüber den Euro-Staaten.  Wenn sie durch das niedrige Zinsniveau  neue Schulden aufnehmen können und dafür kaum etwas bezahlen müssen,  entsteht ja kein Reformdruck. Es ist deshalb wichtig, dass die EZB bald den Einstieg in den Ausstieg aus dem Niedrigzinsniveau schafft.

Für viele Sparkassen ist ein so niedriges Zinsniveau auf Dauer auch existenzbedrohend.  Die Einnahmen in anderen Bereichen lassen sich nicht so  einfach erhöhen. Sie müssen mehr als früher auf ihre Kosten schauen. Einer der teuersten Faktoren sind die Filialen. Mit der Commerzbank und der HVB haben zwei ihrer privaten Wettbewerber bereits Einsparungen im Filialnetz angekündigt. Gehen die Sparkassen denselben Weg?

Wir haben 15.200 Geschäftsstellen, die Commerzbank noch 1.200. Daran können Sie bereits völlig unterschiedliche Geschäftsphilosophien erkennen. Wir sehen die Zukunft nicht darin, Kunden in eine menschenleere Technikhalle zu schicken, in der dann Bankgeschäfte nur noch online gemacht werden. Wir wollen vor Ort unseren Kunden nahe sein.

Die zehn kleinsten Sparkassen in Deutschland

  • Sparkasse Hohenwestedt

    Auf Rang 420 von insgesamt 429 Sparkassen kommt die Sparkasse Hohenwestedt. In der kleinen Gemeinde im Herzen Schleswig-Holsteins (rund 5.000 Einwohner) arbeiten 52 Menschen in einer der vier Filialen der örtlichen Sparkasse. Im Jahr 2010 sind sie auf eine Bilanzsumme von 261 Millionen Euro gekommen.

  • Sparkasse Geseke

    Platz 421 geht an die Sparkasse Geseke im Kreis Soest (Nordrhein-Westfalen). In der 20.000-Einwohner-Stadt arbeiten 80 Angestellte bei der Sparkasse. Die Sparkasse Geseke kam 2010 auf eine Bilanzsumme von 251 Millionen Euro.

  • Sparkasse Laubauch-Hungen

    Noch etwas weniger ist es bei der Sparkasse Laubach-Hungen, sie konnte 244 Millionen Euro in der Bilanz von 2010 ausweisen. Im hessischen Laubach leben aber auch nur rund halb so viele Menschen wie in Geseke.

  • Sparkasse Fröndenberg

    Rang 423 geht wieder nach Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt nach Fröndenberg im Kreis Unna. Die Bilanzsumme der Sparkasse Fröndenberg belief sich 2010 auf 240 Millionen Euro.

  • Stadtsparkasse Schwalmstadt

    Auf den Rängen 424 bis 428 liegen nur Mitglieder des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen (SGVHT). Den Anfang macht die nordhessische Stadtsparkasse Schwalmstadt mit einer Bilanzsumme von 182 Millionen Euro.

  • Sparkasse Battenberg (Eder)

    Platz 425 geht auch nach Nordhessen, genauer gesagt in den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Dort ist die Sparkasse Battenberg (Eder) ansässig, die auf eine Bilanzsumme von 178 Millionen Euro kommt.

  • Stadtsparkasse Grebenstein

    Auf Platz 426 liegt in Nordhessen, dieses Mal im Kreis Kassel. Die Sparkasse Grebenstein muss sich der in Battenberg aber nur um läppische 639.000 Euro geschlagen geben (178.420.000 Euro zu 177.781.000 Euro).

  • Stadtsparkasse Borken (Hessen)

    Im selben Landkreis wie die Stadtsparkasse Schwalmstadt (Schwalm-Eder-Kreis) liegt die Stadtsparkasse Borken. Sie kommt noch auf eine Bilanzsumme von 169 Millionen Euro - mit 47 Mitarbeitern in fünf Filialen.

  • Stadtsparkasse Felsberg

    Und noch einmal der Schwalm-Eder-Kreis, dieses Mal aber die Stadtsparkasse Felsberg. in der Stadt mit 10.000 Einwohnern arbeiten 42 Bank-Mitarbeiter in zwei Filialen - macht eine Bilanzsumme von 167 Millionen Euro.

  • Stadtsparkasse Bad Sachsa

    Die kleinste Sparkasse liegt im Süden Niedersachsens. In der 7.500-Einwohner-Kleinstadt Bad Sachsa gibt es nur eine Sparkassen-Filiale. Mit dieser kommt die Stadtsparkasse Bad Sachsa auf eine Bilanzsumme von 129 Millionen Euro.

Das Filialnetz bleibt also so wie es ist?

Das Filialnetz ist die Stärke der Sparkassen. Es ist Ausdruck unserer Verwurzelung in den unterschiedlichen Regionen. Aber natürlich verändern sich Kundenbedürfnisse und dem passen wir auch unser Filialnetz an. Schauen Sie sich die Ostsächsische Schweiz an. Dort gibt es schon seit zehn Jahren einen Sparkassenbus, der durch die Region fährt und die entlegenen Orte mit kreditwirtschaftlichen Leistungen versorgt. Seit Mitte letzten Jahres haben wir so etwas auch in der Region um Köln. Vor allem setzen wir auf das Thema Online als Verlängerung der Geschäftsstelle. Die Kunden nutzen jeden zweiten Tag die Sparkassen-App. Daraus darf man nicht den Schluss ziehen, dass man die Filialen nicht mehr braucht. Die Geschäftsstelle ist der Ort, wo Nähe zwischen Kunde und Berater entsteht. Das werden wir nicht aufgeben. Deshalb wird es immer wieder Veränderungen bei den Geschäftsstellen, aber kein Filialsterben auf breiter Front geben.

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